Theresa Finke wird oft gefragt, warum sie Jägerin ist. Für die 21-jährige Attendornerin aber gibt es nicht die eine und einzige Antwort, sondern viele Gründe. „Als ich mich dazu entschloss, den Jagdschein zu machen, habe ich nicht damit gerechnet, dass mein gesamtes Leben umgekrempelt wird“, erzählt sie von neuen Freunden, neuem Denken, neuen Prioritäten und neuem Wissen. „Es war die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können.“

"Der Wald und das Jagen sind Erdung und bewusste Ressourcennutzung."

Wenn bei Theresa Fleisch auf den Teller kommt, dann überwiegend Wild. „Weil ich dann weiß, was ich esse. Weil es unvergleichlich gut schmeckt. Und vielleicht habe ich es auch selbst erlegt.“

Kennengelernt hat sie das Jagen an der Hand ihres Papas, von klein auf ist sie mit ihm unterwegs gewesen.

Hochsitz - Sauerland - Heimatliebe-Magazin

Mit 16 Jahren legte sie die Jägerprüfung ab, in Deutschland auch „Grünes Abitur“ genannt, weil ein breites Spektrum an Wissen wie Waldbiologie, Recht und Naturschutz, Hundeund Waffenwesen gefordert ist. Und nach der Schule hat sie ein Forstpraktikum gemacht, um grüne berufliche Möglichkeiten auszuloten, sich aber schließlich dagegen entschieden. „Der Fokus liegt eher auf der Holzwirtschaft. Die Jagd als Leben und Erleben in der Natur hat viel mehr Facetten“, sagt Theresa, die heute Medienwissenschaften und Medienmanagement studiert. Beim Onlinedienst Instagram gibt sie unter dem Namen Jagteres3005 Bilder, Ideen, Erlebnisse und Meinungen in Sachen Jagen weiter und hat über 17.000 Follower. „Damit teile ich Wissen und mein Verständnis. Es macht mir Spaß und ist eine gute Art der Kommunikation.“

Theresa Finke - Jägerin - Sauerland - Heimatliebe-Magazin
Theresa und ihr Dackel Moritz: Mit ihr führt der kleine leidenschaftliche Fährtensucher, Stromer und Stöberer buchstäblich ein richtiges Hundeleben. Schon im Mittelalter wurde diese typische deutsche Hunderasse für die Jagd gezüchtet; die englische Königin Victoria machte sie schließlich über die territorialen Grenzen hinaus bekannt.

Den geräuschlosen Lodenrucksack und das Gewehr geschultert, die Sinne hellwach und an der Hand ihren Dackel Moritz streift Theresa mehrmals in der Woche durch das Pachtrevier, geht auf die Pirsch oder verbringt viele Stunden auf dem Ansitz, die von ihr bevorzugte Form des Jagens. „Bei Mondlicht auf dem Ansitz, das hat etwas unbeschreiblich Schönes. Man ist als stiller Beobachter mitten im Geschehen“, schwärmt sie von dem Gefühl, Teil der Natur zu sein, und von der Konzentration und Aufregung mit dem Blick auf das, was passiert. „Da ist auch viel Adrenalin im Spiel.“ Dass das jagdliche Schießen mitunter auf Unverständnis stoße, sei heute sozusagen ja schon fast natürlich, sagt Theresa. „Es fehlt an Wissen. Viele Menschen haben den direkten Kontakt zur Natur verloren und kaum Ahnung davon, was in ihr wirklich vorgeht. Wir leben in einer Kulturlandschaft.

Das hat mit dem ursprünglichen Wald nichts mehr zu tun.“ Jagen, das bedeute Regulierung, Wildmanagement und Ressourcennutzung mit Respekt vor allem, was der Wald zu bieten habe, sei Kulturträger und Herzensangelegenheit. „Schießen ist wichtig und gehört dazu. Es macht aber nur etwa zwei Prozent bei der Jagd aus“, erzählt Theresa und weiter vom Anlegen von Wildäckern, dem Retten von Kitzen in der Mähsaison und schlicht dem Draußensein. „Der Wald ist für mich Erholung. Der Stress wird aus mir herausgesogen, mit jeder Minute mehr.“ Neulich habe sie im Radio gehört, dass die Mehrheit aller Stadtkinder noch nie in einem Wald war. „Das schockt mich. Sie wissen nicht, wie eine Buche oder eine Fichte aussieht. Und sie glauben, dass Kakao aus einer braunen Kuh kommt.“

Wenn Theresa sich für eine Jahreszeit entscheiden müsste, dann für den Herbst, wenn die Blätter rauschen und die Stürme durch die Baumwipfel ziehen. Und weil es die Zeit der Gesellschaftsjagden ist. „Man trifft viele Leute wieder. Auch der gesellschaftliche Aspekt ist mir wichtig.“

Ein guter Jäger, das ist für Theresa ein Mensch mit Verantwortungsbewusstsein: für Flora und Fauna und auch, weil er das Waffenprivileg hat. In ihrem Freundeskreis trifft sie auf viel positives Feedback. „Manche konnte ich schon für einen Ausflug ins Revier begeistern und auch mein Wildbret trifft ihren Geschmack.“ Und die Jagdgegner, jene, die sagen, dass man den Tieren das Recht auf Leben nimmt? „Es ist doch eine komische Moral, Fleisch wahllos aus der Supermarkttheke zu nehmen, ohne sich Gedanken über Haltung und Herkunft zu machen, und dabei die Jäger zu verurteilen.“

Birgit Engel [Text] Björn Bernhardt [Fotos]

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Dieser Artikel wurde zuerst in der Print-Ausgabe unseres HEIMATLIEBE-MAGAZINs veröffentlicht.

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