Hützemert. Viele Männer hegen eine große Leidenschaft für Pferdestärken – da ist Christian Weuste aus Hützemert keine Ausnahme. Etwas unterscheidet ihn dann aber doch von der breiten Masse: Dem 44-Jährigen nämlich reicht eine einzige Pferdestärke, um einem Hobby nachzugehen, das mit massig Power daherkommt: dem Holzrücken per Pferd. Dabei immer an seiner Seite: die zwölfjährige Kaltblutstute Heidi.

Wer Christian Weuste und seinem Westfälischen Kaltblut Heidi im Wald zufällig über den Weg läuft, der staunt nicht schlecht und hält vielleicht sogar für einen kurzen Moment lang den Atem an, denn neben dem 750 Kilogramm schweren Vierbeiner wirkt selbst ein gestandener Mann wie Christian Weuste nahezu zierlich – und damit nicht genug: Die Kraft, die Heidi an den Tag legt, wenn sie sich auf Kommando in Bewegung setzt und dabei lange, sperrige Stämme aus dem dichten Forst auf den Waldweg zieht, ist gewaltig – das merkt man schon beim bloßen Zusehen. Heidi ist mit einer einzigen Pferdestärke in der Lage, bis zu einem Festmeter Holz zu ziehen – „allerdings nur im Ausnahmefall“, wie Weuste betont. Schließlich wolle er das Pferd nicht überfordern. „Durchschnittlich zieht sie einen halben Festmeter“, führt er aus.

Ein PS auf vier Beinen - Holzrückepferd Heidi überzeugt mit Wendigkeit und Kraft - drolshagen

Das Holzrücken per Pferd hat gegenüber der Arbeit mit großen Maschinen gleich mehrere Vorteile: „Zum einen ist die Arbeit mit dem Pferd viel bestandsschonender, als wenn man mit großem Gerät zu Werke geht“, berichtet Weuste, der im Hauptberuf als Serviceleiter eines Autohauses tätig ist. „Gerade bei der Erstdurchforstung steht der Bestand meist so dicht, dass es viel zu eng ist für Maschinen“, weiß der erfahrene Holzrücker. Zudem lasse sich Heidi auch in Schlenkern und Kurven durch den Forst lenken, was mit großen Fahrzeugen natürlich schwierig sei.

Wenn Christian Weuste und Heidi einen Auftrag bekommen, geht es mit Geländewagen und Pferdeanhänger zum Einsatzort. „Pro Einsatz kann man etwa fünf bis sechs Stunden mit dem Pferd arbeiten – natürlich mit genügend Pausen. Denn dass es Heidi bei unserer Arbeit gut geht und sie dabei genauso viel Freude hat, wie ich, steht für mich an erster Stelle“, betont der 44-Jährige, der schon als Kind zu seiner außergewöhnlichen Leidenschaft fand: „Mein Vater ist seit meiner Kindheit mit einem eigenen Forstbetrieb selbstständig und hatte früher neben seinen Maschinen immer auch Pferde im Einsatz“, erinnert sich Christian Weuste. Die Kaltblüter seien so gut ausgebildet und routiniert gewesen, dass sie ganz ohne Zügel allein auf Stimm-Kommando hin wussten, was von ihnen verlangt wurde. „Bis das bei Heidi klappt, ist es noch ein langer Weg. Aber das kann man ihr nicht verübeln, sie ist schließlich erst sein eineinhalb Jahren in der Ausbildung. Und dafür schlägt sie sich wirklich gut“, sagt Weuste schmunzelnd.

Ein PS auf vier Beinen - Holzrückepferd Heidi überzeugt mit Wendigkeit und Kraft - drolshagen

Diesen Eindruck hat auch Gerd Ringsdorf aus Obersteimel, bei dem Christian Weuste und Heidi kürzlich den Bestand durchforstet haben. „Christian hat sich meinen Forst angeschaut und vorgeschlagen, dass er mit Pferd statt mit Maschinen kommt, weil die Bäume hier sehr dicht stehen“, berichtet der Waldbesitzer. Dass Christian und Heidi ein eingeschworenes Team sind, habe er sofort gemerkt. Diabei ist die Ausbildung des Pferdes das A und O für die erfolgreiche Teamarbeit – und natürlich auch, um Unfälle im Wald zu vermeiden. „Ich muss unbedingt darauf vertrauen können, dass Heidi stehenbleibt, wenn ich ihr das Kommando dazu gebe“, betont Weuste. Ein Pferd, dass für die Forstarbeit ausgebildet werde, müsse von der Grundkonstitution einen besonders ruhigen Charakter haben. Natürlich muss auch Heidi ihrem Mentor vertrauen. Zu Beginn der Ausbildung müsse dem Pferd – naturgemäß ein Fluchttier – zunächst einmal die Angst vor dem sperrigen Geschirr genommen werden, das es hinter sich herziehen soll. „Vor allem das Klappern des Zugscheids, an dem später die Stämme befestigt werden, macht vielen Pferden erst einmal Angst“, weiß Weuste.

Ein PS auf vier Beinen - Holzrückepferd Heidi überzeugt mit Wendigkeit und Kraft - drolshagen

Den väterlichen Forstbetrieb mit Sitz in Attenbach bei Drolshagen wird einmal Christians Bruder Daniel übernehmen. „Das Holzrücken per Pferd ist allerdings mein Steckenpferd“, sagt Christian Weuste, der das inzwischen schon seit 20 Jahren macht. „Die Arbeit mit Heidi im Wald ist einfach ein guter Ausgleich für mich“, sagt der dreifache Vater, während er den stattlichen Vierbeiner zurück in den Forst lenkt.

Text+Fotos: Silke Clemens

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