… , dann weißt du, wie morgen die Winde stehn!

Beim heute angesagten „Superfood“ passiert dir das natürlich nicht. Wenn du dich schön an Algen, Chia-Samen und Goji-Beeren hälst, dann bläht sich nix! Die Goji-Beere: 21 wertvolle Spurenelemente, darunter sogar Germanium! Das kommt in unseren ausgelaugten, überdüngten Böden in Deutschland so gut wie nicht mehr vor. Wer diese Beeren regelmäßig isst, der hat quasi das ewige Leben. Sofern er nicht raucht, nicht trinkt, sich regelmäßig bewegt, sich gesund ernährt und auf keinen Fall in die bösen Brötchen beißt – die weißen!

Tja, da kann man nur hoffen, dass bei einem so vernünftigen Leben noch genug Zeit für die PRIVATE Altersvorsorge bleibt. Ich sag nur: Rentenfalle, Einsamkeit im Alter, Pflegenotstand, Altersarmut! Gut, die langen Wartelisten für einen Platz in der Tagespflege müssen einen dann nicht schrecken, denn man hat die Zeit zu warten, man wird ja mit so gesundem Lebensstil garantiert alt. Das will ich natürlich auch, denn „alt werden“ ist schließlich die einzige Alternative zu „jung sterben.“ Aber ich bin eher für das Modell „mit 70 verglühen statt mit 80 verrotten“. Darauf jetzt erstmal einen heimischen Fichtenspitz! Den kennt ihr hoffentlich? Schnaps aus jungen Fichtenspitzen?

„Wind ist nur Luft,
die es eilig hat!“

Ach, überhaupt: Fichten! Die riechen nach Heimat! Ob im Glas oder in der Badewanne, ob sich im Wind wiegend oder frisch geschlagen oder ob alt und trocken im Kamin vor sich hin knisternd – so riecht die Heimat! Das Problem ist nur, dass gerade überall Kamine vor sich hin knistern. Da wird der Nachschub schon so knapp wie die Luft. Ich hab jetzt beim Nachbarn geschellt und gefragt, ob er vielleicht vergessen hat, das Brennholz vor dem Anzünden aus der Plastikverpackung zu nehmen.

Beim Zuknallen seiner Tür war mir dann schlagartig klar, das auch dieser „Was-brennen-kann-wird-verbrannt-Dümmel“ vom Nachbarn eigentlich nach Heimat riecht. Das ist die typische Sauerländer Twersbraken Duftnote! Auch er will es nur schön „Hygge“ haben – bedeutet auf Dänisch „häusliche Gemütlichkeit“; und von denen ist der Trend angeblich nach uns rübergeschwappt. Und es passt auch zur Jahreszeit, es sich zu Hause gemütlich zu machen und schön mit schwedischen Gardinen die Fenster zuzuziehen. (Achtung: dann nicht das Kneipensterben beklagen!). Dafür brauchst du heute viel mehr Gardine als früher. Ich sag nur: bodentiefe Fenster – beeindruckend, welche große Quadratmeterzahl Jalousie-Fläche in unseren Neubaugebieten beim Einbruch der Dämmerung jeden Abend herunter gelassen wird.

Ohne Jalousie kannst du dir da im Dunkeln nicht mal eine Scheibe (Puten-)Salami aus dem Kühlschank stibitzen, ohne von mindestens zwei Seiten aus im unvorteilhaften Kühlschranklicht gesehen zu werden. Da haben manche wohl erst beim Einzug gemerkt, dass ihr Haus gar nicht einsam auf einer Klippe am Meer steht. Der Trend zur Abschottung vom Nachbarn greift gerade weltweit um sich: „Wir sind wir“, „wir zuerst“ hört man nicht nur vom Trumpeltier, sondern auch in Europa kommen mir manche Entwicklungen gerade spanisch vor. Als Begründung wird da gerne die große Liebe zur jeweiligen Heimat beschworen, aber ein klarer Blick über den jeweiligen Heimat-Tellerrand müsste doch eigentlich klar machen: Es gibt keine „Heimat“ ohne Nachbarn.

EIn Beitrag von:

Hettwich vom Himmelsberg Kabarettistin, Theater-, Sozial- und Religionspädagogin
Telefon: 0 27 22 – 40 9678
E-Mail: anjageuecke@web.de

Wir leben alle auf dem selben Planeten. Unsere Füße stehen auf der gleichen Erde. Und die Dicken Bohnen, die ich heute hier esse und morgen in den Wind stelle, die wehen übermorgen bei den Goji-Beeren in Tibet vorbei. Aber ich halte mich lieber an den heimischen Grünkohl, der ist auch Superfood.

Und ich hab auch nix gegen selbst produzierte Winde: Wind ist nur Luft, die es eilig hat! Wobei der Siechfried immer sagt: Scheiße ist, wenn der Furz was wiegt!

HEIMATLIEBE-MAGAZIN Ausgabe Biggesee No. 3Dieser Artikel wurde zuerst in der Print-Ausgabe unseres HEIMATLIEBE-MAGAZINs veröffentlicht.

 

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