Hettwich denkt laut … im Heimatliebe-Magazin

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Hettwich denkt laut
Einfach nur die Flasche mit dem Essigreiniger stehen lassen … dann riecht es nach Frühlingputz! Mann merkt sicher keinen Unterschied. Und du kannst einfach ab in die Sonne oder bei Regen: Beine hoch und auf den Frühling warten.

Dass ich das darf, das freut mich ganz besonders, weil ich – wie die meisten von Euch längst wissen – keine echte super-süße Sauerländerin bin, sondern nur durch das Elend meiner Eheschließung mit dem Siechfried hier gelandet. Aber dadurch habe ich natürlich den „fresh eye review“ auf das Land der tausend Berge.

Den „fresh eye review“ nutzen auch schon mal schlaue Ingenieure, wenn sie nicht weiter kommen bei der Autoentwicklung. Wenn die sich an einem Scheibenwischerproblem festgegrübelt haben, lassen die einfach mal den Kollegen für die Entwicklung von Tankklappen drüber gucken. Und der hat dann mit frischen Augen einen neuen Blick auf die Sache. Und zack, ist das Problem gelöst!

Das könnte ich auch, ich bin nur leider bisher so selten gefragt worden. Aber ich bin da ja großzügig und gebe immer gerne meinen Attendorner Senf auch ungefragt dazu. Zum Beispiel löse ich das Problem von Radfahrern im Teletuppie-Anzug-mit-ohne-Klingel gerne mit einen Knirps. Den schieße ich locker aus der Hüfte. Das ist ein Regenschirm pro Radfahrer, aber das ist es mir wert.

Der schon mal negativen Sicht des gemeinen Sauerländers an sich versuche ich tatkräftig entgegenzuwirken, wenn er zum Beispiel nur noch die Leerstände sieht und nicht mehr die Geschäfte, die noch da sind. Bei meinen Stadtführungen bleibe ich nicht draußen stehen und überlege, wann das Geschäft wohl schließt und der Räumungsverkauf beginnt. Nein, ich gehe REIN. Mit den Teilnehmern und auch alleine. Das Dumme ist nur – gerade als Frau: Du siehst, wenn du reingehst, Sachen, von denen du dann meinst, dass du sie brauchst.

Ich meine: Wie viele Gürtel braucht der Mensch? Und Grabbeilagen machen wir gar nicht. Und du hast auch nur einen Hals, für wie viele Halstücher??? An meinem Portemonnaie kannst du es sehen: Wir haben haben im Sauerland schöne Geschäfte, in denen kann man sich wirklich gut vershoppen.

Wenn ich den Siechfried mitnehmen muss, weil es zum Beispiel um ein neues Soffa geht, dann empfehle ich folgende Reihenfolge: erst an einem Tag in einen Ramschladen, so- dass selbst der Siechfried sagen tut: „Hettwich, wir sind zu arm, um billig einzukaufen!“ Dann am nächsten Tag in einen sehr hochpreisigen Laden. Wo du dich gar nicht traust, Probe zu sitzen, und die Preisschilder nur ehrfürchtig rumdrehst. Anschließend DIREKT in einen ganz normalen, bodenständigen Laden mit Qualität. Die auch ihren Preis hat, aber der kommt dem Siechfried dann im Vergleich gar nicht mehr so hoch vor. Und du kannst zack zuschlagen und auf dem neuen Soffa auf den Frühling warten.

„Das Schöne am Sauerland ist die Geselligkeit.“

Oder auf Besuch, falls der Frühling auf sich warten lässt. Und der wird schon kommen, denn das ist das Schöne am Sauerland: die Geselligkeit, dass man sich kennt, dass man sich wiedertrifft, auch ungewollt. Dass da manchmal nicht mal ein Bürgersteig auf der anderen Straßenseite ist, auf den du noch schnell rüber wechseln könntest, um ein Treffen zu vermeiden.

Und dann gilt natürlich im gesamten Sauerland: „Unkraut vergeht – der Nachbar bleibt.“ Auch der, von dem du das letzte Hemd kriegst, selbst wenn du das nicht haben willst. Das kann einem schon mal wie ein Fangnetz erscheinen, aber ich sag immer „Netz ist Netz“ und in einer Zeit, wo du nicht weißt, wann unsere soziale Hängematte Bodenkontakt hat, da ist das viel Wert.

Und gehören die Nachbarn nicht dazu, wenn man von „Heimatliebe“ spricht? Fanny Müller – keine Nachbarin von mir, sondern Schriftstellerin – sagt: „Heimat sind Leute, zu denen man zu Fuß gehen kann und bei denen man dann stundenlang rumsitzt und nicht geistreich sein muss.“ Solche Leute hab ich auch! Und auch bei mir am Himmelsberg steht ein Soffa in der Küche (das Neue!), wo schon mal wer rumsitzt, der bei uns nicht geistreich sein muss. Das wäre auch „Perlen vor die Säue“, das würde der Siechfried gar nicht merken!

Guck mal, gut, dass ich hier mal laut über Heimatliebe nachgedacht habe, da hab ich doch glatt gemerkt, dass das Südsauerland doch schon längst meine Heimat ist!

PS: Aber meinen „fresh eye review“ den hab ich noch. Solltet ihr also ein Problem haben, wo ich mal mit meinem speziellen Hettwich-Brillen-Blick drüber gucken soll, dann nur her damit an:

Hettwich vom Himmelsberg
Kabarettistin, Theater-, Sozial- und Religionspädagogin
Telefon: 0 27 22 – 40 9678
E-Mail: anjageuecke@web.de

Heimatliebe Biggesee - Ausgabe 1.17 - Heimatliebe-Magazin Dein Magazin, Deine Region, Deine GeschichtenDieser Artikel wurde zuerst in der Print-Ausgabe unseres HEIMATLIEBE-MAGAZINs veröffentlicht.

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