Von Rita Maurer:

Winterberg. Jule tollt übermütig herum und verbeißt sich in ihrer Leine. Ihren großen, treuherzigen Augen kann kaum jemand widerstehen. Soll Herrchen Falk Kirstein aus Medebach aber. Denn Jule ist ein zehn Wochen alter Sennenhund-Welpe, der den Welpenkurs der Hundefreunde Hochsauerland in Winterberg besucht.

Ein Besuch im Hunde-Kindergarten - winterberg, region, region-wi-me-ha, medebach, hallenberg
Foto: Rita Maurer

Kann man so jungen und drolligen Hunden denn überhaupt schon Regeln beibringen, hat das nicht noch Zeit? Angelika Huneck ist die Kursleiterin und widerspricht: „Bis zum Alter von 16 Wochen haben Hunde die sogenannte Prägephase. Was sie in dieser Zeit an positiven oder negativen Dingen lernen, vergessen sie nicht mehr.“ Deshalb sind auch Julia Peis und Steffen Deimel mit ihrer 4 Monate alten rumänischen Mischlings-Hündin „Happy“ sowie Iris Kracht-Peters mit ihrem zwei Wochen älteren Collie „Chester“ hier. Jule ist sozusagen das Nesthäkchen in dem Trio.

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Was auf der umzäunten Wiese der Hundesportfreunde so spielerisch und zufällig wirkt, hat alles seinen Sinn. So laufen die Hunde über Siloplanen, Knisterfolien oder eine rutschfeste Rampe. Ziel ist, dass sie sich dabei ohne Angst an verschiedene Untergründe herantrauen oder lernen, ihre Füße beim Gehen über kleine Hürden hochzuheben. Und das Flatterband zwar gefährlich aussehen kann, aber völlig harmlos ist. In einem vielleicht zwei Meter langen kleinen Alu-Tunnel lernen die Welpen zum einen das Durchlaufen und außerdem, dass sich die Geräuschkulisse ganz plötzlich verändern kann, wenn man unterschiedliche Räume betritt. Alles Dinge, die völlig alltäglich sind, für die jungen Hunde aber noch unbekannt und deshalb Angst einflößend.

Das alles passiert an der kurzen Leine. Diese genau wie der ständige Blickkontakt gibt Sicherheit und zeigt dem Hund, dass er seinem Herrchen bzw. Frauchen auch in ungewohnten Situationen vertrauen kann, erklärt Angelika Huneck. Wenn die drei Welpen etwas geschafft haben, werden sie ausgiebig gelobt – zwar auch durch Worte, aber noch besser durch positive Signale wie Streicheln oder ein Leckerchen, denn das ist für sie viel leichter zu verstehen und umzusetzen.

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr….

Auch die ersten Kommandos werden schon geübt – noch ohne durchschlagenden Erfolg natürlich, aber so lernen die Hunde zumindest den Wortlaut und den Tonfall schon kennen.

Angelika Huneck nimmt Chester hoch und dreht ihn auf den Rücken. Das passt ihm nicht so wirklich, doch sie hält ihn fest. Warum? „Damit er sich daran gewöhnt, auch von fremden Menschen berührt und in ungewohnte Haltungen gebracht zu werden. Das ist bei Tierarztbesuchen wichtig, wo schon genug Unheimliches für die Hunde passiert.“

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Chester und Jule beim wilden Toben.                                                                                               Foto: Rita Maurer

Schon nach 20 Minuten ist Schluss mit dem Training, denn mehr können die Kleinen noch nicht aufnehmen. Stattdessen steht jetzt Spielen und Toben auf dem Plan. Chester und Jule jagen sich wild über den Platz und balgen sich, was teilweise ganz schön ernst aussieht. Und auch dabei erfahren sie wichtige Dinge für ihr Hundeleben, weiß Angelika Huneck: Sie lernen, auf die unterschiedliche Körpersprache von anderen Hunden zu reagieren und z.B. aufzuhören, wenn der Spielpartner quiekt, weil es zu doll wird. Solche Lernprozesse funktionieren nur unter Welpen, denn ältere Hunde haben diesen Spieltrieb nicht mehr, auch Menschen sind da kein Ersatz. Wichtig sind nicht nur nach dem Welpenkurs zudem ausgiebige Ruhephasen, in denen das Hunde-Kleinkind immer schlafen und sich von den vielen neuen Eindrücken des Alltags erholen kann. Lässt man dem Welpen diese Ruhephasen nicht, kann er sich zu einem nervösen und hektischen Hund entwickeln.

Wissenswertes:

Die Welpenkurse der Hundefreunde Hochsauerland richten sich an junge Hunde zwischen 9 und 19 Wochen und finden mittwochs um 17 Uhr auf dem vereinseigenen Trainingsplatz in Winterberg am Kuhlenberg statt.

Nähere Informationen und weitere Termine unter hundefreunde-hochsauerland.de oder bei Angelika Huneck unter Tel. 0171 – 518 39 11.

 

 

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