Von Palmen und Pälmen

Ein jahrhundertealter Osterbrauch

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„Wo die Misthaufen qualmen, da gibt’s keine Palmen …“, heißt es in der bekannten Sauerlandhymne der Rockband ZOFF. Oder etwa doch? Die Weidenbunde mit Buchsbaumsträußchen, die eine Woche vor Ostern in den Kirchen gesegnet werden, haben schon eine gewisse Ähnlichkeit mit Palmen. Ebenso wie der Name des uralten Osterbrauchs, der bis heute in Hachen erhalten geblieben ist: das Pälmen.

Der Bibel nach jubelten die Menschen Jesus mit Palmzweigen zu, als er in Jerusalem einzog. Auf diese Begebenheit geht der Palmsonntag zurück, an dem anstelle von Palmen gebundene Weidenruten und Sträußchen aus Buchsbaum geweiht werden. Damals steckte man die sogenannten Palmzweige zuhause hinter die Weihwassertöpfchen, um damit Haus und Hof, Mensch und Tier zu segnen.

Und was hat es mit den Ruten aus Weide und dem Pälmen auf sich? „Nach der Palmweihe nahm man die gesegneten Bunde mit nach Hause, um Gewitterkreuze daraus zu machen. Diese befestigte man als Zeichen des Segens über dem Hauseingang und an den Stalltüren und steckte sie in alle vier Ecken des Gartens und der Felder“, weiß Mia Nolte, die auf dem Hof Hippel in Hachen aufgewachsen ist. „Meinem Vater ist dieser Brauch immer sehr wichtig gewesen. Vor Gewittern hatte man große Angst und ein Hagelschauer konnte die gesamte Ernte zunichtemachen.“

„Ich pälme dich am heiligen Ostertag“

Mit Gebeten und dem Segensspruch „Ich pälme dich am heiligen Ostertag, Gott schütze dich vor Feuer, Blitz und Hagelschlag“ wurde jedes einzelne Kreuz „gesteckt“, wie es im Volksmund heißt. „Da wir mehrere weitläufige Felder hatten, waren das immer ausgedehnte Osterspaziergänge“, erinnert sich die 77-Jährige lächelnd. Sie ist froh, dass dieses Brauchtum im Dorf nicht in Vergessenheit geraten ist. Gemeinsam mit einigen Frauen der kfd Hachen bindet sie seit zehn Jahren Palmbunde, die traditionell mit dünnen Weidenruten umwickelt werden. Neben liebevoll gebundenen Buchsbaumsträußchen basteln die Frauen zudem über 200 Gewitterkreuze für die Palmsonntagsmesse, um den Brauch des Pälmens auch für die nächsten Generationen aufrechtzuerhalten.

 

Text: Beatrix Collins
Fotos: Ralf Litera

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