Von Rita Maurer (Redaktionsbude)

Winterberg. „Ich bin dann mal weg“. Oder besser: „Wir sind dann mal weg“. Die gebürtige Winterbergerin Tamara Kopp setzt diesen Buchtitel von Hape Kerkeling gerade mit Pferd und Hund wortwörtlich in die Tat um. Genau wie der bekannte Entertainer lässt sie den Alltag für die nächsten Monate hinter sich und ist seit Sonntag auf dem Jakobsweg unterwegs. Mit dabei: ihre Hannoveraner Stute „Chica“, die ihr seit neun Jahren gehört, und ihr Hütehund „Lobito“. Gestartet ist sie im süddeutschen Freiburg, wo sie mittlerweile lebt; ihr angestrebtes Ziel ist Bilbao in Nordspanien. Wenn alles klappt, wie Tamara Kopp sich das erhofft, werden die drei in rund vier Monaten dort eintreffen und dann über 1200 Kilometer zu Fuß oder im Sattel hinter sich haben.

"Wir sind dann mal weg!" - winterberg, region, region-wi-me-haDie Idee, einmal den Jakobsweg zu gehen, trägt die 23-Jährige schon seit ihrer Kindheit mit sich herum. Als sie damals fragte, was denn das Schild mit der markanten Muschel in der Nähe des Winterberger Berges „Dumel“ bedeutet, bekam sie zur Antwort: „Das ist der Jakobsweg. Wenn Du auf dem von hier aus los läufst, dann kommst Du in Spanien an.“ Der Wunsch, eben einfach loszulaufen, war seitdem mehr oder weniger immer da. Im letzten Jahr wurde er dann ganz konkret, wie Tamara Kopp erzählt. Im September hatte sie ihre Ausbildung zur medizinisch-technischen Assistentin abgeschlossen: „Während alle anderen um mich herum sich auf feste Arbeitsstellen beworben haben, ging mir durch den Kopf, dass ich wegen meines Pferdes nie länger im Ausland war. Deshalb habe ich beschlossen, es einfach mitzunehmen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für eine längere Auszeit.“

"Wir sind dann mal weg!" - winterberg, region, region-wi-me-ha15 Kilogramm Gepäck hat Tamara Kopp dabei. Darin enthalten ist neben Zelt, Schlafsack und ihren persönlichen Sachen auch ein mobiler Weidezaun. Um alles zu transportieren, hat sie sich einen speziellen Wander-Sattel angeschafft, der eine extra breite und damit für ihre Chica rückenschonende Auflage sowie viele Befestigungsmöglichkeiten hat. Sie will nicht die gesamte Strecke reiten, sondern auch viel führen, vor allem im bergigen Gelände wie die Pyrenäen. Deshalb musste Tamara Kopp sich in den letzten Monaten neben ausgedehnten Trainingsritten in den steilen Bergen des Schwarzwaldes auch selber durch durch Joggen und Radfahren fit machen. Wenn sich alle drei auf dem Jakobsweg erstmal einigermaßen eingelaufen haben, sind je nach Gelände Tagesetappen von bis zu 30 Kilometern geplant. Ungefähr alle vier Tage gibt es eine Pause – wenn es an bestimmten Orten interessant sein sollte, durchaus auch etwas länger. Bevor die Sommerhitze einsetzt, hofft Tamara Kopp, dass sie den Atlantik erreicht hat, wo es unterwegs dann naturgemäß durch den Seewind  etwas kühler sein wird.

So lautet jetzt erst einmal der lose Plan. Generalstabsmäßig durchgetaktet hat sie dieses Erlebnis bewusst nicht, sondern will vieles auch spontan entscheiden. Eine Freundin, die zu Pferd bereits einmal von Süd- nach Norddeutschland geritten ist, hat ihr ein wenig die Angst davor genommen, keine Unterkunft zu finden oder immer wieder fremde Menschen anzusprechen. Und ganz alleine weg ist Tamara Kopp ja nicht. Chica und Lobito werden gut auf sie aufpassen.

  • Der Jakobsweg ist über 1000 Jahre alt und der weltweit wohl bekannteste Pilgerweg. Er führt zum Grab des Apostels Jakobus im spanischen Santiago de Compostela.
  • Streng genommen gibt es nicht nur einen Jakobsweg, denn eine Pilgerweisheit sagt: „Der Jakobsweg beginnt vor Deiner Haustür.“ Die bekannteste Route ist jedoch der „Camino Frances“ durch Frankreich und Nordspanien, den nun auch Tamara Kopp reitet.
  • Der Jakobsweg durch das Sauerland verläuft entlang der ehemaligen Heidenstraße auch durch Winterberg. Für Winterberg hat der Hl. Jakobus eine besondere Bedeutung, denn er ist gleichzeitig auch Kirchenpatron.
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