Von Rita Maurer

Medebach. Hand aufs Herz: Wir wissen alle, dass viel Not in der Welt gibt, dass man etwas tun müsste und auch mit kleinen Dingen anfangen könnte. Einen Geldbetrag spenden. Oder gut erhaltene Kleider – dazu ist fast jeder bereit. Aber diese Kleidungsstücke organisieren, einsammeln, reparieren und – anfangs sogar auf eigene auf eigene Kosten  – verschicken? Sich in Südamerika selbst davon überzeugen, dass wirklich gut mit den Spenden umgegangen wird?  Versuchen, den Menschen dort neue Perspektiven für ein besseres Leben aus eigener Kraft zu geben? Vorträge halten und Klinken putzen, damit Spendengelder zusammen kommen? Für ein halbes Jahr ein Mädchen aus Bolivien bei sich zuhause aufnehmen, für das man vorher über Jahre versucht hat, eine wichtige Knochen-Operation zu bekommen, und ungezählte Wege dafür auf sich zu nehmen? Das sind Dinge, die gehen weit über das normale Maß an Gutherzigkeit hinaus. Bei fast jedem von uns. Außer bei der Familie Mönxelhaus aus Medebach.

"Wenn jeder nur ein bisschen tut...." - region, region-wi-me-ha, medebach, hallenberg Ein Jahr als Missionar auf Zeit nach Bolivien – das war Julian Mönxelhaus´ Plan nach dem Abi 2010. Er arbeitete dort in einem Heim für Kinder, deren Eltern im Gefängnis waren. Diese Zeit hat Julian nie wieder losgelassen, ebenso wenig wie seine Eltern Helga und Michael Mönxelhaus und seine fünf Geschwister. Weil es diesem Heim am Nötigsten fehlte, begannen sie, Kinderkleidung und Schuhe zu sammeln. Viele Stunden besserte Helga Mönxelhaus schadhafte Stellen mit der Hand aus. Ein Paket nach Bolivien kostete 90 Euro, die sie anfangs selbst bezahlten – das Geld war einfach zu schade, um zerschlissene Sachen zu schicken. Durch persönliche Kontakte und Besuche überzeugten sie sich, dass die Spenden sinnvoll verwendet wurden. Weit über zwei Tonnen an Kleidung sind seitdem über den Atlantik gegangen. Außerdem kümmerten sie sich darum, dass eine Näherin eingestellt wurde, die den Kindern neben anderen Dingen des täglichen Lebens beibrachte, ihre Sachen in Ordnung zu halten. Und durch diese Arbeit wiederum ihre eigene Familie ernähren konnte. Das Geld für den Lohn trieben die Mönxelhaus´ jedes Jahr durch Spenden auf. Weiter versuchten sie, Julians bolivianischem Patenkind Edith in Argentinien eine Leukämie-Behandlung zu ermöglichen. Doch diesen Wettkampf mit der Zeit haben sie verloren, Edith ist gestorben.

Nur ein bisschen geregeltes Leben für Kinder in Nicaragua

2012 schloss sich die Medebacher Familie an den Verein „Building One World“ aus Hallenberg/Winterberg an, der ähnliche Projekte verfolgt, mit Spenden aushelfen konnte und durch dessen Gemeinnützigkeit sich manches an Bürokratie leichter händeln ließ. Während seines Sozialpädagogik-Studiums flog Julian immer wieder nach Südamerika und traf so in Nicaragua auf das Projekt Natras, das Kindern in Slums nach der Schule Essen, Lernbetreuung und ein bisschen geregeltes Leben bietet. Klar, dass die Familie Mönxelhaus sich ab sofort auch hierfür stark machte.

"Wenn jeder nur ein bisschen tut...." - region, region-wi-me-ha, medebach, hallenbergIn Bolivien hatte Julian Yessica kennengelernt. Das junge Mädchen hat von Geburt an eine Hüftgelenksdysplasie. Dadurch ergab sich über die Jahre eine immer ausgeprägtere Fußfehlstellung, so dass Yessica, die heute 21 Jahre alt ist, nur noch mühsam laufen konnte und auf ein Leben im Rollstuhl zusteuerte – in einem Land wie Bolivien der direkte Weg in die Perspektivlosigkeit. Über Jahre suchten die Mönxelhaus´ eine OP-Möglichkeit, bis sie auf den Siegener Kinderarzt Dr. Sippel  stießen. Dieser traute sich die komplizierte Operation zu, die Kinderklinik versprach die Kostenübernahme für den Krankenhausaufenthalt. Damit war es jedoch nicht getan, Yessica standen monatelange ambulante Reha-Maßnahmen bevor, davon viele Wochen in "Wenn jeder nur ein bisschen tut...." - region, region-wi-me-ha, medebach, hallenbergeinem Gipsbett. Und so nahm die Familie Mönxelhaus das Mädchen im November bei sich auf, fuhr unzählige Male nach Siegen und kümmerten sich zuhause um die Krankengymnastik und Pflege, die mehrere Stunden pro Tag in Anspruch nahm. Die Hilfsbereitschaft steckte an – mehrere Firmen beteiligten sich an therapeutischen Hilfsmitteln.  Im Mai ist Yessica nach sechs Monaten gesund in ihr neues Leben zurückgekehrt.

"Wenn jeder nur ein bisschen tut...." - region, region-wi-me-ha, medebach, hallenbergAber kein Grund für die Familie Mönxelhaus, jetzt die Hände in den Schoß zu legen. Julian hat ein neues Heim in Bolivien persönlich kennengelernt, das schwer behinderte Kinder versorgt, die von ihren Familien verstoßen wurden, deshalb auf der Straße leben, betteln und Klebstoff schnüffeln, um zeitweise ihren Alltag zu vergessen. Sobald dieses Heim ein nachhaltiges Konzept vorweist, wird es künftig auch mit Spenden unterstützt. Nachhaltigkeit ist für Mönxelhaus´ oberstes Gebot, deshalb haben sie inzwischen die Spenden an das erste Heim in Bolivien eingestellt. Dort hat die Leitung gewechselt und wirkt nicht mehr zuverlässig genug. Weil auch der bolivianische Zoll mittlerweile keine gebrauchte Kleidung mehr ins Land lässt, stapeln sich in ihrem Haus die Kleiderkisten. Doch auch hierfür wird aktiv an einer Lösung gearbeitet: Es gibt schon eine Verbindung zu einem Kinderheim in Sarajevo, jetzt muss noch eine Speditionsmöglichkeit gefunden werden. Mönxelhaus´ werden privat mitfahren, denn: „Wir wollen wissen, wohin die Sachen gehen, das sind wir den Spendern schuldig.“

Warum nimmt man neben seinem normalen Alltag mit Großfamilie und Beruf so viel ehrenamtliches Engagement auf sich? Die Frage ist für Familie Mönxelhaus einfach zu beantworten: „Wenn jeder nur ein bisschen tut…..“

P.S. Wer die Projekte der Familie Mönxelhaus unterstützen möchte, kann das mit einer Spende an Building One World, DE07 41651770  00000 60871 tun – gerne auch gegen Spendenquittung.

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