Stellten die Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage vor: (hintere Reihe, v.l.n.r.): Bernhard Häger (Spedition Häger GmbH & Co. KG), Andreas Knappstein (Möbel Knappstein GmbH & Co. KG), Stefan Severin (IHK-Volkswirt);(vordere Reihe, v.l.n.r.): Dr. Arne Kohring (Infineon Technologies AG), Dr. Ilona Lange (IHK-Hauptgeschäftsführerin), Andreas Rother (IHK-Präsident), Daniela Tigges (Familotel Ebbinghof)

„Die Unternehmen am Hellweg und im Sauerland sind weiterhin optimistisch – trotz einiger Unwägbarkeiten“, sagt Andreas Rother, Präsident der IHK-Arnsberg, bei der Vorstellung der Ergebnisse der Konjunkturumfrage zu Jahresbeginn. Der Industrie- und Handelskammer liegen Einschätzungen zur wirtschaftlichen Lage, Risiken und Zukunftsplänen von rund 480 Unternehmen vor.

Der IHK-Konjunkturklimaindikator – er berücksichtigt Lage- und Erwartungsurteile – ist seit vergangenem Herbst um zwei auf 119 Punkte gefallen. „Damit ist die Stimmung noch immer auf einem guten Niveau“, unterstreicht Hautgeschäftsführerin Dr. Ilona Lange. Für die leichte Eintrübung sorgt das etwas schwächere Lageurteil der Unternehmen. Die Konjunktur hat im Laufe der letzten 12 Monate leicht an Schwung verloren, letztlich beschreiben aber weiterhin über 90 Prozent der Unternehmen ihre Lage als befriedigend oder gut.

Rund 63 Prozent gehen davon aus, dass die Geschäfte im neuen Jahr unverändert bleiben, fast 20 Prozent erwarten sogar eine Verbesserung. „Die Wirtschaft profitiert vor allem von der robusten Binnenkonjunktur. Die außenwirtschaftlichen Impulse sind schwächer als vor einem Jahr“, erläutert Andreas Rother. Protektionismus, Handelsstreit und der Brexit haben das Potenzial, dem Aufschwung nachhaltig zu schaden. Die Unternehmen gehen aber auch für 2019 von guten Auslandsgeschäften aus. Gerade in den letzten Monaten sind die Exporterwartungen wieder gestiegen.

Die Investitionsneigung ist über alle Branchengrenzen hinweg stabil. In der Industrie werden auffallend häufig Rationalisierung (56%), Produktinnovation (51%) und Kapazitätsausweitung (40%) als Investitionsmotive genannt. IHK-Chefvolkswirt Stefan Severin wertet das als ein Zeichen für ein weiteres Aufschwungsjahr. Präsident Andreas Rother ergänzt dazu: „Die Unternehmer sind sich bewusst, dass sie in Zukunftstechnologien und neue Produkte investieren müssen, um die aktuell gute Wettbewerbsposition zu halten.“ Doch auch die Politik sei gefordert, damit die Unternehmen am Weltmarkt erfolgreich sind. „Die Unternehmen in Deutschland benötigen einen spürbaren Bürokratieabbau und eine moderne Infrastruktur. Zudem zahlen sie im internationalen Vergleich hohe Steuern“, fasst Rother drängende Themen zusammen.

Das größte Konjunkturrisiko für die Wirtschaft bleibt jedoch der Fachkräftemangel. Fast alle Branchen gehen davon aus, dass die Zahl der Beschäftigten steigen wird. Speziell Großhandel und Dienstleister planen Einstellungen in größerem Umfang. „Ob es allerdings allen gelingen wird, neue Mitarbeiter zu finden, ist fraglich“, verweist IHK-Hauptgeschäftsführerin Dr. Ilona Lange auf die angespannte Situation am Arbeitsmarkt.

 

Lage und Erwartungen in den Branchen

Wirtschaftslage in der Industrie weiterhin gut
Die Wirtschaftslage in der Industrie ist weiterhin gut, wenngleich schlechter als vor einem Jahr. Noch immer geben 45 Prozent der Lage die Bewertung Gut, 12 Prozent geben ihr ein Schlecht. Überwiegend gute Bewertungen kommen aus dem Maschinenbau und der Metallindustrie. Deutlich negativer bewertet die Elektrotechnik die Lage. Die Auftragsbücher sind ordentlich, aber nicht so prall gefüllt wie zu Beginn des Jahres 2018. Insgesamt blickt die Industrie verhalten optimistisch auf 2019. Ausgesprochen pessimistisch ist die Metallindustrie: Hier erwarten 45 Prozent der Betriebe eine schlechtere Geschäftsentwicklung, acht Prozent eine bessere. In der Elektrotechnik hingegen gehen 49 Prozent von einer besseren Lage aus, nur zwei Prozent von einer schlechteren. Der Maschinenbau wird insgesamt leicht zulegen.
Die Exporterwartungen sind in den letzten Monaten wieder leicht gestiegen. Globalwirtschaftliche Risiken wie Handelsstreitigkeiten, Sanktionen oder die unklaren Brexit-Bedingungen machen eine Prognose allerdings schwierig.

Boom im Bau hält an
Der Boom im Bau hält an. 91 Prozent der Betriebe geben ihrer Lage ein Gut. Wie schon im letzten Jahr sagt kein Unternehmen, die Lage sei schlecht. Die Branche erwartet eine hohe Auslastung. Allerdings nennt praktisch jeder Betrieb (97%) den Fachkräftemangel als wirtschaftliches Risiko. Vor einem Jahr waren es nur 77 Prozent. Dennoch will die Branche zusätzliche Mitarbeiter einstellen. Stellen streichen will niemand. Als weiteres Risiko geben inzwischen dreiviertel der Baubetriebe die Energie- und Rohstoffkosten an.

Gesamtkonjunktur gibt Dienstleistern Rückenwind
Die Wirtschaftslage in den Dienstleistungsbranchen hält sich dank des Rückenwinds durch die gute Gesamtkonjunktur auf konstant hohem Niveau. Besonders zufrieden sind die wirtschaftsnahen Dienstleistungen. Für das neue Jahr rechnen die Dienstleistungsunternehmen mit einem konjunkturellen Seitwärtsschritt. Optimisten und Pessimisten halten sich nahezu die Waage. Dennoch wird fast jedes dritte Unternehmen die Zahl der Beschäftigten erhöhen, nicht mal jedes zehnte Unternehmen wird Stellen abbauen.

Gastgewerbe profitiert von hoher Kaufkraft
Das Gastgewerbe ist zufrieden und geht von einer weiterhin kräftigen Nachfrage aus. Nur jeder zehnte Betrieb geht pessimistisch in das neue Jahr. Das gute Ergebnis gilt sowohl für die Hotels und Pensionen wie für die Gastronomie. Die Branche profitiert insbesondere von der hohen Kaufkraft. Von einem Beschäftigungszuwachs geht die Branche allerdings nicht aus. Zu dünn ist das Angebot an Mitarbeitern auf dem Arbeitsmarkt.

Handel profitiert von Konsumlaune
Die Lage im Handel hält sich auf hohem Niveau. Die Betriebe profitieren von der hohen Beschäftigung in der Region und der noch immer guten Konsumlaune. Fast 39 Prozent der Einzelhändler und 59 Prozent der Großhändler bewerten ihre Lage mit Gut. Die letzten Monate verliefen je nach Teilbranche jedoch sehr unterschiedlich. Einfluss hatten zum Beispiel der lange, heiße Sommer in der Modebranche oder im KFZ-Handel die Einführung der neuen Abgasmessung. Für das neue Jahr sind die Betriebe mehrheitlich optimistisch. Im Großhandel will jedes vierte Unternehmen zusätzliche Mitarbeiter einstellen. Ganz anders sieht es allerdings im Einzelhandel aus. Die Zahl der Beschäftigten könnte leicht sinken.

Verkehrsbranche ist zufrieden aber pessimistisch
Die Verkehrsbranche blickt als einzige Branche pessimistisch in die Zukunft. Es findet sich kein Unternehmen, das von einer Zunahme der Geschäftstätigkeit ausgeht. Die Branche führt hierfür vor allem steigende Rohölpreise, eine Zunahme der Bürokratie und die bereits realisierten oder diskutierten Dieselfahrverbote an. Die aktuelle Wirtschaftslage der Verkehrsunternehmen ist weiterhin gut, doch schlechter als vor einem Jahr. Die Auftragsbücher sind in 40 Prozent der Unternehmen gut gefüllt, weitere 58 Prozent sind mit dem Auftragsbestand zufrieden. Sofern der Arbeitsmarkt es ermöglicht, werden die Betriebe neue Mitarbeiter einstellen.

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