“Arnsberger Löwen” erhalten Cricket-Ausstattung

Deutsche Cricket Union unterstützt erste Cricket-Mannschaft in Arnsberg

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“Wenn man sie fragt, was ihnen in Deutschland fehlt, kommt ganz spontan die Antwort: Cricket!”, so das Statement von Claudia Brozio, Patin im Rahmen des Bundesprogramms “Menschen stärken Menschen” für die Integration geflüchteter Menschen in Arnsberg und gemeinsam mit Klaus Brozio Initiatorin dieser sportlichen Chance. Durch ihren Kontakt zu Neil Townsend, Geschäftsführer der Deutschen Cricket Union, seien plötzlich Dinge in erreichbare Nähe gerückt, die zuvor niemand für möglich gehalten hatte. Jetzt waren Neil Townsend und Ravi Navaratnam von der DCU Gast im Bürgerzentrum Arnsberg.

Für Samiullah Baghlani ist es etwas völlig Neues, denn heute soll er auf der Bühne stehen und seine vorbereitete Dankesrede halten. Vor allen Gästen. Ein bisschen nervös ist er schon, aber es überwiegt die Freude. Dass Neil Townsend und Ravi Navaratnam sie mit einer Cricket-Ausstattung unterstützt, macht die junge Cricket-Mannschaft mehr als stolz. Als Samiullah und Hisburrahman vor rund eineinhalb Jahren mit “Street-Cricket” begannen, hätte niemand es für möglich gehalten, dass sie heute in Anzug und Krawatte vor zahlreichen Gästen stehen. Sie trafen sich einfach so, zum Spaß – aus Freude an dem Sport.

Als Außenseiter gekommen – als Sieger gegangen

Doch ihnen fehlt es an allem – als Cricket-Platz muss eine einfache Wiese herhalten, Bälle werden aus Tennisbällen mit Kreppband gefertigt und aus Holzresten Schläger geschnitzt. Sicherlich ein kreativer Anfang – jedoch für den sportlichen Traum nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Im August dann das Highlight – gemeinsam reisen die jungen Männer nach Köln zu einem Meisterschaftsturnier. Ohne Ausstattung, ohne Trikots – schlicht mit Herz und sportlichem Ehrgeiz. Neil Townsend findet diese Liebe zum Sport großartig und sorgt kurzerhand dafür, dass die Jungs mit der erforderlichen Ausstattung (Helme, Bein-Protektore, Handschuhe, Cricket-Schläger und Bälle) auf dem Platz erscheinen.

Sie stellen ihr Können unter Beweis, punkten nicht nur auf dem Platz, sondern auch mit Sympathie, Herz und Teamgeist – und holen letztendlich den Pokal nach Arnsberg. So gewinnen sie das Interesse der Deutschen Cricket Union und sogar das der internationalen Organisation “Lord’s Taverners” (UK).

Heute stehen die 27 Cricket-Spieler vor einem Publikum, bestehend aus Rosemarie Goldner als Bürgermeisterin der Stadt Arnsberg und Bürgermeisterkandidat Ralf Bittner, Peter Blume als Vorsitzender des Sportausschusses im Rat, Martina Müller als Vorsitzende des Stadtsportverbandes Arnsberg e.V., der Neuen Nachbarn Arnsberg, Frank Berting, Hendric Cronenberg und Christoph Meinschäfer von den LIONS Neheim-Hüsten, Vertretern verschiedener Sportvereine Arnsbergs und vielen weiteren Gästen, um ihre erste Cricket-Ausstattung von der Deutschen Cricket Union und der Lord’s Taverners entgegen zu nehmen.

Thomas Reiter, Firma Gebro Herwig, ist ebenfalls erschienen. Denn als Ausbilder von Samiullah stellt er den jungen Spielern eine Trikot-Serie. Die Rührung und Freude darüber, dass sein Arbeitgeber sich so für seinen Lieblingssport einsetzt, ist Samiullah immer wieder anzusehen.

Deutschland – an die Cricket-Schläger

Cricket ist in Deutschland ein recht spärlich etablierter Sport. Und genau da packt die Deutsche Cricket Union an – sie möchte Cricket in bestehende Vereinsstrukturen integrieren, in Schulen und in jedem Menschen, dessen Herz für diesen Sport zu schlagen beginnt. Ganz gleich, ob jung oder alt, Frau oder Mann. “Selbst mit 71 Jahren kann man noch anfangen Cricket zu spielen und einfach Spaß zu haben”, sagt Neil Townsend.

Seit der Markteinführung der DCU im Jahr 2015 ist es dem engagierten Team gelungen, 59 Mitglied-Clubs in drei Bundesländern Deutschlands zu gewinnen.

“Wir wünschen uns, dass Cricket auch in Schulen einen Platz im Sportunterricht bekommt. Dafür bieten wir auch eine Ausbildung für Leader an. Samiullah und Hisburrahman haben bereits den Sport-Assistenten-Schein – vielleicht ist der nächste Schritt ein Trainerschein”, sagt Ravi Navaratnam. Die Spieldauer eines Cricket-Duells beläuft sich teils auf mehrere Tage, etabliert hat sich jedoch auch schon das One-Day-Cricket – um den Sport in Deutschland attraktiver zu machen, soll nach Wunsch der DCU zukünftig eine Spieldauer von 90 Minuten greifbar werden.

Doch ein Problem gibt es noch – den Cricket-Spielern in Arnsberg fehlt etwas: ein passender Cricket-Platz. Dies kann ein gewöhnlicher Rasen- oder Kunstrasenplatz sein, auf dem temporär ein Pitsch-Teppich für das Training oder Spiel ausgerollt und danach problemlos wieder eingerollt werden kann.

Derzeit trainieren die Arnsberger Löwen auf der Wiese hinter der Rundturnhalle in Arnsberg – in den Wintermonaten ist dies jedoch nicht möglich, so dass sie darauf hoffen, evtl. in eine Turnhalle ausweichen zu können. Die Deutsche Cricket Union plant für die Wintermonate Hallenturniere, wozu sie die Arnsberger Löwen ebenfalls einladen werden.

Wer Interesse hat, die Arnsberger Löwen kennenzulernen oder einfach mal in den Sport Cricket hineinzuschnuppern, kann dies am besten wochenends ab 16 Uhr in den Wiesen hinter der Rundturnhalle im Eichholz in Arnsberg – eine Cricket-Ausstattung steht bereit und kann bei Bedarf gern ausgeliehen werden. Kontakt: Claudia und Klaus Brozio, claudiabrozio@gmx.de.

Weitere Infos:

http://www.foerderverein-wendepunkt-arnsberg.de/

http://www.deutsche-cricket-union.de/

http://www.lordstaverners.org/

Text und Fotos: Thora Meißner

 

 

 

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