Von Rita Maurer:

Medebach. Es ist über 380 Jahre her, doch immer noch aktuell: 1636 haben die Medebacher Einwohner im Dreißigjährigen Krieg ein Gelübde abgelegt. Sie wollten am Namenstag von Johannes dem Täufer eine Messe und eine Prozession abhalten, um weiteres Unheil durch die Kriegswirren von ihrer Stadt abzuwenden. Dieses Gelübde wird mit dem „Gelobten Fest“ bis heute eingehalten.

Aber was genau ist dieses Gelobte Fest, wie kam es dazu und wie präsent ist der Hintergrund dazu den Medebachern heute noch? Diese Fragen haben jetzt Zehntklässler aus der Verbundschule Medebach in einem Geschichts- und einem Religionskurs aufgearbeitet. Die Idee dazu entwickelten die beiden Lehrerinnen Sabrina Czyply und Mareike Guntermann aufgrund eines Wettbewerbs des Bundespräsidenten zum Thema „Religion macht Geschichte“ gemeinsam mit ihren Schülern. Ziel der wochenlangen Arbeit war eigentlich „nur“ die Wettbewerbsteilnahme. Der eingereichte Beitrag – mehrere aufwändige Info-Tafeln sowie ein selbst konzipierter und gedrehter Film der Schüler über das Gelobte Fest – hat Bürgermeister Thomas Grosche jedoch so überzeugt, dass die Werke der Verbundschüler nun als Ausstellung im Eingangsbereich des Rathauses zu sehen sind.

Als kleines Zeichen dafür, dass bereits 1636 Stadt und Kirche zusammen gestanden haben, eröffneten Thomas Grosche und Pfarrer Dr. Achim Funder gemeinsam mit den Schülern die gelungene Ausstellung, die noch bis zum diesjährigen Gelobten Fest am Samstag, 17. Juni, zu sehen ist. Grosche lobte die Idee und die Umsetzung: „Die Schüler haben mit ihren Lehrerinnen tolle Arbeit geleistet. Die Idee, sich im Unterricht mit der Medebacher Geschichte zu beschäftigen, hat mich sofort begeistert. Wie die Schüler aus ihrer Perspektive auf das Gelobte Fest geschaut und es mit eigenen Worten dargestellt haben, ist absolut sehenswert.“

Mit ganz viel Liebe zum Detail haben die Schüler historische Hintergründe in Worten, Bastel-arbeiten und kunstvoll selbst gemalten Bildern zusammen getragen. So werden z.B. einzelne Stadtbrände gezeigt oder auch der Prager Fenstersturz, der 1618 den blutigen Krieg zwischen Katholiken und Protestanten auslöste, der dann 30 Jahre andauern sollte. Das Gelübde wurde aufwändig übersetzt und in eigenen Worten dargestellt. Doch nicht nur historische Dinge finden in der Ausstellung der beiden Klassen ihren Platz. Die Schüler haben auch Straßenumfragen durchgeführt, bei denen herauskam, dass zwar viele Medebacher wissen, dass es den Feiertag mit geschlossenen Geschäften zum Gelobten Fest gibt, aber nur wenigen die genauen Hintergründe dazu bekannt sind.

Das Ergebnis des Wettbewerbes wird kurz vor den Sommerferien im Juli verkündet. Aber gewonnen haben die Verbundschüler schon jetzt – mit dem lebendigen Wissen über ein historisches Ereignis, dass sie nicht nur für sich, sondern für die ganze Stadt erarbeitet haben.

Leon Vugdalic (15), Medebach
„Ich wusste zwar, dass an dem Tag alle Geschäfte zu sind, aber nicht den Grund. Das Projekt hat mir geholfen, den Sinn vom Ge-lobten Fest zu verstehen.“

 

 

Jessica Godau (17), Medebach
„Ich war in der Gruppe, die das Gelübde ins Hochdeutsche über-setzt hat. Mir sagte das Gelobte Fest vorher gar nichts.“

 

 

Anna-Lena Andreas (17), Liesen
„Es war echt interessant, im Un-terricht ein Thema aus der Gegend durchzunehmen. Vorher kannte ich das Gelobte Fest nicht.“

 

Hendrik Sommer (16), Titmarin-ghausen
„Es hat viel Spaß gemacht, sich mit dieser langen historischen Geschichte zu beschäftigen und zu sehen, dass noch jedes Jahr gefeiert wird.“

Wissenswertes:
Medebach war im Dreißigjährigen Krieg durch seine direkte Lage an der Grenze zwischen dem kurkölnischen Westfalen und dem hessischen Waldeck hart umkämpft. In den Jahren zwischen 1628 und 1640 wurde die Hansestadt mehrfach komplett abgebrannt und ausgeraubt. Die Einwohner von Medebach und dem hessischen Nachbarort Hillershausen flüchteten mehrmals wochenlang in die umliegenden Wälder. Insgesamt 322 Menschen starben in dieser Zeit durch die Folgen von Hunger, Feuer, Überfällen und der Pest. Die Ursache für dieses Elend sahen sie darin, dass Gott sie für ihre Sünden bestrafen wolle.

Deshalb verfasste der damalige Bürgermeister Hermann Schmidt, dem bis heute eine Straße in Medebach gewidmet ist, gemeinsam mit Stadt- und Kirchenvertretern ein Gelübde und sie versprachen, ab sofort am Samstag vor Johannes dem Täufer (24. Juni) einen Gottesdienst mit anschließender Prozession „mit gebührender Referenz und höchster Festivität“ zu feiern.

Seitdem gehört das Gelobte Fest bis heute zu den höchsten Feiertagen in Medebach. Es wird jeweils am Samstag vor dem Johannistag gefeiert, in diesem Jahr fällt der Termin auf den 17. Juni. Morgens findet ein feierliches Festhochamt statt, an dem ebenso wie an der folgenden Prozession unzählige Bürger, die Fahnenabordnungen der Medebacher Vereine und auch die Nachbarn aus Hillershausen teilnehmen. Die Geschäfte bleiben geschlossen, außerdem soll nach alter Traditi-on kein Bürger die Stadt an diesem Tag verlassen.

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