In sieben Minuten zur späten Liebe

SpeedDating für Singles ab 60

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Rosi und Klaus haben sich beim Speed Dating kennengelernt

„Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an, mit 66 Jahren, da hat man Spaß daran …“ Udo Jürgens hatte Recht: Das Leben hat in jedem Alter einiges zu bieten und will in vollen Zügen genossen werden. Doch gerade ab einem gewissen Alter fehlt vielen durch verschiedenste Umstände der passende Partner an der Seite, um es gemeinsam zu genießen. So erging es auch Rosi und Klaus. Nach einigen Schicksalsschlägen war es ihnen endlich möglich, das Leben wieder mehr auszukosten, doch fehlte ihnen der Partner, mit dem sie die schönen Momente hätte teilen können. Denn auch eine wunderbare Familie und gute Freunde können nicht alle Momente der Einsamkeit auffangen, die einem als Single begegnen.

Klaus probierte es zunächst mit einer Zeitungsannonce, doch die Dame, die dort angeblich einen Mann fürs Leben suchte, wollte in Wirklichkeit nur Geld. Darauf ging er natürlich nicht ein und versuchte sich lieber anderweitig abzulenken: eine Ballonfahrt übers Sauerland oder Touren mit dem E-Bike. „Das war zwar ganz schön, aber alleine sein ist einfach nicht mein Ding“, sagt der 78-Jährige. Daher beschloss er, einen neuen, vielleicht etwas ungewöhnlichen Weg zu beschreiten; er meldete sich bei einem SpeedDating ab 60 an. „Mein Sohn meinte dazu einfach: Papa, hau rein!“, erzählt Klaus lachend.

Inspiriert durch den Film „Altersglühen“

Besagtes SpeedDating, was übersetzt „schnelles Kennenlernen“ bedeutet, findet seit 2015 alle zwei Monate im Bürgerbahnhof in Alt-Arnsberg statt. Initiiert wurde es von Christina Albers und mit Hilfe des Büros für Engagementförderung umgesetzt. Geprägt durch eigene Schwierigkeiten, mit über 60 noch neue Leute und vor allem einen neuen Partner zu finden, und angeregt durch den Film „Altersglühen“ mit Senta Berger und Mario Adorf, kam ihr die Idee, Singles ab 60 bei einem SpeedDating zusammenzubringen.

Christina Albers

Dabei haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer genau sieben Minuten, um ihr Gegenüber etwas näher kennenzulernen. Ist die Zeit um, läutet eine Glocke und die Herren begeben sich an den nächsten Tisch. Ist einem sein Gegenüber sympathisch, wird das auf Zetteln vermerkt, die im Anschluss ausgewertet werden. „Wenn sich Übereinstimmungen ergeben, rufe ich ein paar Tage später an und gebe die jeweiligen Kontaktdaten weiter“, erklärt Christina Albers.

Klaus nahm im Januar 2016 zum zweiten Mal an einem solchen SpeedDating teil und an diesem Abend kam Rosi durch die Tür. „Als sie plötzlich dastand, dachte ich direkt, das ist sie“, erzählt er. Rosi hatte durch ihre Tochter von dem SpeedDating erfahren und war nun ziemlich nervös und aufgeregt. Doch diese Aufregung konnte ihr Klaus, der ihr erster Gesprächspartner wurde, schnell nehmen. „Wenn man Gemeinsamkeiten entdeckt und sich etwas zu erzählen hat, dann fliegen die Minuten nur so dahin. Allerdings können sieben Minuten auch recht lang werden, wenn man nicht auf der gleichen Wellenlänge ist“, berichtet die 72-Jährige. Rosi und Klaus jedoch hatten sich viel zu erzählen und stellten schnell Gemeinsamkeiten fest.

Im Anschluss an das SpeedDating bietet Christina Albers die Möglichkeit, sich nach Lust und Laune in ungezwungenem Rahmen noch ein wenig weiter zu unterhalten. Diese Möglichkeit nutzte Klaus direkt, um Rosi seine Nummer zu geben. Auf die Auswertung wollte er gar nicht erst warten. Doch auch Rosi hatte auf ihrem Bogen angekreuzt, dass sie Klaus sympathisch fand, also trafen sich die beiden zum Kaffeetrinken. Für Klaus war es direkt klar, dass Rosi die Richtige ist, sie selbst brauchte jedoch ein wenig Zeit. „Es ist so seltsam, man ist fast 50 Jahre verheiratet, dann eine Weile allein und plötzlich ist da jemand Neues im Leben, ein komisches Gefühl“, meint Rosi. Doch Klaus, ganz Gentleman, drängte sie nicht, sondern schenkte ihr zum Abschied des ersten Dates eine Rose und hoffte auf ein Wiedersehen.

„Ich habe mit mir gekämpft“

Eine Woche musste er auf eine Antwort von ihr warten. „Ich habe richtig mit mir gekämpft, ob ich wirklich das Richtige mache, aber dann habe ich einfach meinen Mut zusammengenommen und ihn angerufen“, sagt sie. Das ist nun schon über ein Jahr her. Mehrere Urlaube hat das rüstige Paar inzwischen gemeinsam genossen und auch der Alltag ist einfach schöner zu zweit, sagen sie übereinstimmend. „Ich fühle mich manchmal wieder wie mit 20. Man überlegt wieder, was man denn zum Essen kocht, stellt Kerzen auf den Tisch und macht es sich richtig gemütlich“, erzählt Rosi. „Es wird einfach immer schöner, ich wusste gar nicht, dass solche Liebesgefühle wiederkommen können“, stimmt Klaus zu. Die beiden sind einfach glücklich und freuen sich, wieder jemanden an der Seite zu haben, mit dem sie das Leben in allen Facetten teilen können. „Manchmal tanzen wir einfach zuhause bei schöner Musik“, sagt Rosi und blickt glücklich zu Klaus.

Allen, die sich selbst auch nach einem Partner sehnen, der ein Miteinander-Genießen wieder möglich macht, raten die beiden, einfach ein bisschen Mut aufzubringen und es doch auch einmal mit dem SpeedDating zu versuchen. „Hier urteilt niemand über den anderen. Jeder, der hierherkommt, möchte dasselbe, einen Menschen finden, mit dem man das Leben teilen kann“, sagt Christina Albers und nimmt so ihren Teilnehmerinnen und Teilnehmern die letzte Scheu, bevor sie sich an die hübsch dekorierten Tische setzen, um in den nächsten sieben Minuten mit etwas Glück den Partner für den Rest des Lebens zu finden.

Interessierte können sich bei Christina Albers unter 0176 99084007 oder per E-Mail an christina.albers@gmx.de anmelden.

Text und Fotos: Denise Weber

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