von Rita Maurer (Redaktionsbude)

Düdinghausen. Die Tradition der Osterfeuer ist schon knapp 500 Jahre alt. Fast überall in ganz Deutschland werden aufgeschichtete Holzstapel verbrannt. Außer in Düdinghausen. Dort gibt es seit ungefähr 120 Jahren das imposante Osterkreuz. Zwanzig Meter ist es lang, und es besteht aus großen bunten Windlichtern mit brennenden Kerzen, die in den Westhang des Kreuzberges hoch über Düdinghausen gestellt werden und von dort weithin sichtbar leuchten.

Die Idee zu dieser Form des Osterfeuers hatte Pastor Otto Rehne, der 1878 in Düdinghausen geboren wurde. Während seines Studiums schlug er mit den ältesten Jungen aus der damaligen Dorfschule 33 Nischen in den massiven Felsuntergrund des Kreuzberges, auf die dann Holzteller mit Kerzen gestellt wurden. 33 – diese Zahl sollte das Alter von Jesus versinnbildlichen.

Erstes Osterkreuz wurde 1898 oder 1899 gebaut

Die Jugendlichen und der Ortsbeirat aus Düdinghausen halten jedes Jahr die Osterkreuz-Tradition hoch Foto: Ferdi Asmuth

Das erste Osterkreuz in dieser Form hat es laut der vorliegenden Aufzeichnungen im Jahr 1898 oder 1899 gegeben. Seitdem wird diese Tradition in dem Dorf am Kahlen Pön fast unverändert fortgeführt. Eine Pause gab es nur in der Zeit des Zweiten Weltkrieges von 1941 bis 1945, als jegliche Osterfeuer durch die Verdunklungsverordnung streng verboten waren. Über viele Jahre war es Brauch, dass – so wie es Pastor Rehne begonnen hatte – jeweils die Jungen aus dem achten Schuljahr für das Osterkreuz sorgten, mittlerweile kümmert sich der Ortsbeirat mit den Jugendlichen aus dem Dorf darum.

Die treppenstufen-ähnlichen Nischen, die vor knapp 120 Jahren in den Boden gehauen wurden, gibt es bis heute. Diese werden vor Ostern von Gras und Gestrüpp befreit. Auf die Stufen wird dann ein großes Windlicht gestellt, das mit buntem Transparentpapier beklebt wurde. Die Kerzen darin werden bei Einbruch der Dämmerung entzündet. Mittlerweile ist die Anzahl auf 60 erweitert und das Kreuz dadurch deutlich vergrößert worden. Die Zahl 33 hat aber immer noch einen besonderen Symbolcharakter: Wenn das Kreuz brennt, schießen die Düdinghauser 33 Feuerwerksraketen in den Nachthimmel. Zu Ehren der Kommunionkinder aus dem Ort wird das Osterkreuz am Abend des Weißen Sonntags traditionell ein zweites Mal angesteckt.

33 Feuerwerksraketen symbolisieren das Lebensalter von Jesus

Wieviel diese Tradition zahlreichen Düdinghausern bis heute bedeutet, beschreibt die 80-jährige Gertrud Asmuth, die in Medebach aufgewachsen ist: Sie erinnert sich gut, dass sie als Kind mit ihrer aus Düdinghausen stammenden Mutter und ihren Geschwistern jedes Jahr am Ostersonntag zu Fuß nach Düdinghausen gelaufen ist. Der acht Kilometer lange Rückweg nach Medebach wurde erst in der Dunkelheit angetreten, wenn die Mutter das brennende Osterkreuz in ihrem Heimatdorf gesehen hatte. Und nicht nur Ferdi Asmuth als Vorsitzender des Ortsbeirates setzt sich deshalb tatkräftig für das Düdinghauser Osterkreuz ein: „Wir hoffen, dass sich auch in Zukunft immer wieder Menschen im Dorf am Pön finden, die diesen wohl einmaligen Brauch im Sauerland weiterhin aufrecht erhalten.“

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