„Wir haben viele neue Sauerland-Fans aus Köln, Düsseldorf und sogar Berlin durch die konsequente Arbeit des Kunstvereins gewonnen.“

Der Kurator des Kunstvereins Sundern, Gérard Goodrow, im Gespräch mit dem HEIMATLIEBE-Magazin - Ein Auszug des Interviews

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Herr Goodrow, was genau zieht und zog einen gebürtigen Amerikaner, der schon lange in Köln lebt und arbeitet, so regelmäßig ins Sauerland?

Schon in den frühen 1990er Jahren entdeckte ich die Vor­teile von sogenannter „Kunst in der Provinz“ – damals war ich unter anderem als Kurator der Ursula Blickle Stiftung in Kraichtal-Unteröwisheim, einem Dorf in der Nähe von Bruchsal in Baden-Württemberg, tätig. Vor rund zehn Jahren habe ich dann das Sauerland durch den Kölner Foto­grafen Tobias Grewe, der in Hellefeld aufgewachsen ist, kennengelernt. Im Gegensatz zu Kunst in der Großstadt gibt es hier eine ganz andere Art von Neugier und vor allem Dankbarkeit. Es ist schön zu sehen, wie manche Kunst­vereinsmitglieder eine richtige Leidenschaft für die Gegen­wartskunst entwickeln – ein paar sind sogar auf dem Weg, echte Kunstsammler zu werden. Zu wissen, dass ich ein wenig dazu beigetragen habe, erfüllt mich mit Stolz.

Was für eine Bedeutung haben Kunst und Kultur eigentlich in der ländlichen Region – gerade auch im Vergleich zu den großen Metropolen?

In der Großstadt wird das vielseitige Angebot im kulturellen Bereich als selbstverständlich wahrgenommen. Das Angebot im Rheinland ist so reichhaltig, dass ich sehr häufig wichtige Ausstellungen – nicht nur in der Umgebung, sondern auch in der eigenen Straße in Köln – leider verpasse. Es ist ja manchmal sehr frustrierend. Im Sauerland ist es leider um­­gekehrt. Trotz der großen Potenziale findet meines Erachtens viel zu wenig statt – auch wenn es immer wieder tolle Highlights in Arnsberg, Soest, Neheim oder Iserlohn gibt. Die Region könnte viel mehr verkraften. Deswegen haben wir vor rund vier Jahren den Kunstverein Sundern-Sauerland e. V. gegründet. Es gibt unter den Besuchern viele Wieder­holungstäter, wobei ich hoffe, dass wir in der Zukunft noch mehr Bürger aus Sundern und Umgebung erreichen werden. Es muss allen Beteiligten – von den Bürgern bis hin zur Wirtschaft und Politik – klar werden, dass Kunst und Kultur kein Luxus, sondern unverzichtbare Grund­nahrungsmittel sind. Auch auf dem Land!

Die Stadt Sundern muss zukünftig möglicherweise Zuschüsse für den Kulturbereich kürzen. Der Kunstverein macht hingegen auf die besondere Rolle eines zentralen Raumes für diesen Sektor aufmerksam. Wie sehen Sie die Situation?

Ich bin schon besorgt, dass es eventuell wegen fehlender finanzieller Mittel nicht weitergehen kann. Das wäre meines Erachtens eine richtige Katastrophe. Deswegen bemühen wir uns seit einiger Zeit als Kunstverein – gemeinsam mit engagierten Vertretern der lokalen Wirtschaft, Presse und Stadtverwaltung – darum, nicht nur den eigenen Verein zu stärken, sondern auch und momentan vor allem den Erhalt der Stadtgalerie zu sichern. Dennoch – trotz großem bürgerlichem Engagement – darf die Stadt ihre Verantwortung für Kunst und Kultur in Sundern nicht vernachlässigen. Ich bin mir aber sicher, dass wir es gemeinsam hinbekommen können – wenn jeder seinen fairen Beitrag leistet…

…das komplette Interview, geführt von Simon Engels und Gisbert Scheffer, und weitere interessante Details darüber, wie es mit der Kunst- und Kulturlandschaft im Sauerland aussieht und was Gérard Goodrow vom Leben auf dem Land hält, erfahrt Ihr in unserer neuen Printausgabe, die ihr ab dem 31. März kostenlos erhalten könnt!

Fotos: Ralf Litera

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