Von Rita Maurer

Liesen/Züschen. Fünf Windkraftanlagen mit 210 Metern Höhe zwischen Liesen und Züschen. Diese Pläne der Firma Juwi aus Rheinland-Pfalz erhitzen momentan die Gemüter nicht nur in diesen beiden Orten. Am Mittwoch kamen daher rund 400 Interessenten zu einer von Markus Hilgenberg und Carmen Henze initiierten Informationsveranstaltung in die Lieser Schützenhalle, um zu hören, wie der derzeitige Stand ist und was man eventuell unternehmen kann.

Die Aussicht auf die geplanten Windkraftflächen Foto: Rita Maurer

Die Verträge mit einem Großteil der Grundstückseigentümer und der Firma Juwi sind gemacht. Vier Anlagen sollen nach jetzigem Stand der Verträge auf der „Wacht“ und dem „Schling“ oberhalb der B 236 entstehen, die unmittelbar an der Grenze zu Züschen verläuft – grob gesehen am Berg gegenüber der Firma Küster Seiltechnik. Eine weitere Anlage ist im hinteren Bereich des „Steinschabs“ geplant, der sich ab der Lieser Brücke ebenfalls entlang der B 236 zieht.  Die Firma Juwi hat ein Umweltverträglichkeits-Gutachten in Auftrag gegeben, das noch bis März 2018 läuft – momentan ohne Bedenken, wie die Firma sagt.

Stadt Hallenberg ist gegen Windkraft

Bürgermeister Michael Kronauge erläuterte auf dem Info-Abend, warum Hallenberg sich 2013 gegen die Ausweisung von Windkraftzonen entschieden hatte – mit dem Risiko, dass so wie nun Einzelanträge kommen könnten. Er bekräftigte, dass die Stadt der Firma Juwi im Fall von Bauanträgen das gemeindliche Einvernehmen verweigern wolle. Da die Untere Landschaftsbehörde des HSK seinerzeit aus Tourismus- und Naturschutz-Gründen von Windkraftzonen abgeraten und auch die Windhöffigkeit im Stadtgebiet nur als gering bis mittel eingestuft hatte, hoffe er dabei auf die Unterstützung des Kreises. Dann bliebe der Firma Juwi jedoch der Klageweg mit offenem Ausgang.

Eine gebürtige Lieserin, die nun im Kreis Paderborn wohnt, berichtete, dass sie dort rundherum von Windrädern umgeben sei, was sich deutlich auf die Lebensqualität niederschlage. Sie stellte die Frage, die wohl alle Zuhörer bewegte: „Was können wir tun?“

Knapp 400 Bürger aus der Region Hallenberg und Winterberg sowie Vertreter der beiden Städte informieren sich in Liesen über die Windkraftpläne der Firma Juwi.  Foto: Rita Maurer

Konkrete Ansätze wie z.B. die Gründung einer Bürgerinitiative gebe es momentan noch nicht, weil die Veranstaltung zu ersten Information gedacht sei, erklärte Markus Hilgenberg. Es würden nun Ideen, Hinweise und vor allem auch aktive Unterstützer gesammelt, um weitere Schritte abzuwägen.

Im Wald muss für den Bau eines Windrades ca. die Fläche eines Fußballfeldes gerodet werden.  Foto: Rita Maurer

Aus eigener Erfahrung gab ein Mitglied der Bürgerinitiative „Windflut Elpe“ den Rat, einen Verein zu gründen, um Spenden akquirieren zu können, sowie eigene Artenschutz-Gutachten in Auftrag zu geben und sich nicht auf das von der Firma Juwi finanzierte Gutachten zu verlassen. Weitere Wortmeldungen sprachen nachweislich fallende Immobilienpreise und den Rückbau der Anlagen an, für die pro Fundament rund 3500 Tonnen Beton und Stahl eingesetzt würden.

Rotmilan                 Foto: Max Maurer

Da die Region für häufige Vorkommen der streng geschützten Rotmilane und Schwarzstörche bekannt ist, kam die Frage nach deren Bedeutung für die Windkraftpläne auf. Die Biologinnen rieten dazu, genau Aufzeichnungen über die Sichtungen zu machen und jetzt zur unbelaubten Jahreszeit nach Horsten Ausschau zu halten (Meldemöglichkeit s.u.).

Gravierende Auswirkungen auf Natur und Tourismus

Horst-Günther Linde aus Bad Berleburg wies auf mehrere Windparks in Wittgenstein und die dafür vorgenommenen Eingriffe in die Natur hin, deren Ausmaß sich vorher niemand vorstellen konnte: „Südwestfalen ist ein wunderschönes Land und die grüne Lunge der Region. Wir opfern unsere Natur und Heimat für eine nicht ausgereifte Strompolitik.“

Mahnende Worte kamen auch von Michael Beckmann als Tourismus-Chef von Winterberg und Hallenberg. „Wir dürfen die Auswirkung von Windkraftanlagen auf den Tourismus nicht unterschätzen. Vergleichswerte zeigen, dass die Übernachtungszahlen um 20 bis 30 Prozent sinken, wenn in touristischen Gebieten Windräder gebaut werden.“ Das bedeute nicht nur eine entsprechende Umsatzminderung für die hiesige Gastronomie, die in den vergangenen Jahren viel investiert habe, sondern weitergehend auch für das Handwerk und den Einzelhandel. „Wir leben davon, dass Gäste zu uns kommen.“

Wissenswertes:

  • Unter windkraft-liesen@web.de ist eine Anlaufstelle geschaffen worden, an die potentielle Ideen und Unterstützungsangebote gesendet werden können.
  • Die Initiatoren des Info-Abends haben zudem einen eMail-Verteiler angelegt, um neue Informationen zeitnah herauszugeben.
  • Vogelkundliche relevante Beobachtungen wie z.B. Horste der häufig vorkommenden Rotmilane und Schwarzstörche oder Sichtungen ab dem Frühjahr, wenn die Vögel aus der Überwinterung zurück sind, können unter ornitho.de mit genauem Ort und Datum registriert werden.
  • Weitere Info-Abende sind geplant, sobald es neue Erkenntnisse gibt. Auch die Firma Juwi will Anfang 2018 eine eigene Veranstaltung durchführen.

 

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