Von Rita Maurer (Redaktionsbude)

Hallenberg. „Viele Wege führen nach Rom“, sagt ein über 2000 Jahre altes Sprichwort. Zumindest zwei davon wird Michael Mause aus Hallenberg bald kennen, wenn alles gut geht. Denn am Ostermontag bricht er zum zweiten Mal auf, um zu Fuß von Hallenberg nach Rom zu gehen. Ungefähr acht Wochen will er unterwegs sein und über 1500 Kilometer in dieser Zeit zurücklegen.

Vor fünf Jahren ist er schon einmal nach Rom gelaufen und hatte dafür eine Route den Rhein entlang und durch die Schweiz gewählt. Danach war er sich eigentlich sicher, dass dieses Erlebnis einmalig für ihn bleiben sollte. Doch jetzt packt der durchtrainierte 58-Jährige wieder den Rucksack. Über Marburg nach Rothenburg ob der Tauber nach Augsburg, von dort über die sogenannte Alte Römerstraße „Via Claudia Augusta“ durch Südtirol und entlang der Adria bis nach Rom will Michael Mause gehen. Auf Venedig und Assisi freut er sich dabei besonders: „Rom ist für mich mit seiner Historie die schönste Stadt der Welt und neben Jerusalem das bedeutendste Pilgerziel rund um den Globus. Wenn ich nicht jetzt noch einmal aufbreche – wer weiß, ob ich es in ein paar Jahren noch körperlich schaffe.“

Bis zu 60 Kilometer am Tag als Training

Wer Michael Mause kennt, kann das jedoch nicht glauben, denn es gibt kaum einen Tag, an dem das personifizierte Energiebündel nach seinem Feierabend als selbstständiger Versicherungsberater nicht in der Natur unterwegs ist – entweder allein oder als versierter Stadt- und Wanderführer für Gäste. Bis zu 60 Kilometer täglich ist er als Training für seine Mammut-Tour im Vorfeld an den Wochenenden marschiert: „Mal eben zum Kaffeetrinken nach Marburg gelaufen!“

„Nun ade, Du mein lieb Heimatland“ – dieses Lied scheint Michael Mause beim Blick aus seinem Garten auf die Kulisse von Hallenberg durch den Kopf zu gehen.                                    Foto: Rita Maurer

Nervös ist er nicht, aber die Anspannung steigt schon mit jedem Tag. Und der Respekt, ob er die geplanten 30 bis 40 Kilometer pro Tag durchhält. Die Gefriertruhe zuhause ist längst abgetaut, im Kühlschrank steht nur noch das Nötigste. Gestern am Karfreitag hat er ganz gezielt seinen Rucksack komplett fertig gepackt und will ihn bis Montag nicht mehr anrühren. Knapp 14 Kilo Gepäck hat er dabei, darunter einen Schlafsack mit Isomatte und Wärmefolien. Und einen großen Müllsack. Wofür? „Falls es regnet und ich draußen schlafen muss. Ein Zelt ist zu schwer“, so seine Erfahrung.

Hallenberger Unterkirche als Start

Starten will er am Ostermontagmorgen um 9 Uhr an der Unterkirche in Hallenberg, am Gnadenbild der Muttergottes. Hierhin wird ihn auch der erste Gang nach seiner Rückkehr führen: „Ich habe das von meiner Mutter übernommen: Vor jedem Weg ein Kreuzzeichen mit Weihwasser aus unserer Unterkirche. Und hinterher kurz reinspringen und Danke sagen.“

Die ersten Tage werden die Gedanken noch um seine Arbeit und Familie kreisen und die Knochen schmerzen, aber dann wird der Kopf frei, weiß Michael Mause aus Erfahrung. Dann freut er sich auf das Unterwegs-Sein bei Wind und Wetter, seine Gedanken, die Landschaft und vor allem die Begegnungen mit Menschen. Deshalb geht er auch gezielt allein, denn dann sei man viel offener für alles und jeden am Wegesrand. Besonders gern erinnert er sich an die aufgeschlossenen Italiener: „Sie haben mich noch nie gesehen und wussten, sie würden mich auch nie wieder sehen, wir hatten nicht die gleiche Sprache. Und trotzdem haben mir einige unheimlich herzlich und uneigennützig weiter geholfen.“

Der Weg ist das Ziel

Doch er will ganz bewusst nicht ständig Vergleiche mit seiner ersten Tour ziehen, sondern alles neu auf sich zukommen lassen und auch in sich hinein hören, ob die Kraft reicht. Das alles zusammen gefasst ist der Grund, warum er ein zweites Mal nach Rom geht und nicht eine andere Stadt wählt: „Rom ist das Ankommen für mich. Nicht wissen, was mich unterwegs erwartet, wen ich treffe, was ich sehe, wo ich abends ein Lager finde, wie ich mit der täglichen Herausforderung klar komme – das ist der eigentliche Reiz.“ Also ist noch ein weiteres Sprichwort sein Motto: „Der Weg ist das Ziel“. Aber nicht einfach nur daher gesagt, sondern wohl selten mit so viel Leben gefüllt.

  • Spätestens am 10. Juni will Michael Mause zurück in Hallenberg sein.
  • Bis dahin ist er rund 500 Stunden gelaufen und hat knapp 36000 Höhenmeter sowohl bergauf als auch wieder bergab überwunden.
  • Die HEIMATLIEBE wird ihn unterwegs begleiten und über seine Tour berichten.

 

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