WUNDERBARE MISCHUNG AUS KNEIPE, CLUB UND WOHNZIMMER
DANNY’S NACHTCAFÉ IN WINTERBERG WIRD ZEHN JAHRE ALT. EIN GESPRÄCH MIT „MUTTI“ DANIELA TILLMANN ÜBER IHRE ART, EINE GASTRONOMIE ERFOLGREICH ZU FÜHREN.
Von Carmen Ahlers
Wenn man durch Winterberg geht, vorbei an Hotels, Bars und den typischen touristischen Hotspots, fallen ein paar Orte auf, die anders sind. Einer davon ist Danny‘s Nachtcafé, ein Ort, der nicht geschniegelt wirkt, nicht geschniegelt sein will – sondern echt. Warm. Lebendig. Ein Ort, an dem Geschichten entstehen. Und mittendrin: Daniela Tillmann, genannt Danny.
Seit zehn Jahren führt sie das Nachtcafé am Waltenberg. Zehn Jahre, die mehr sind als eine Zahl – sie stehen für Durchhaltevermögen, Mut und eine klare Haltung in einer Branche, die sich radikal verändert hat. Als Danny Tillmann 2016 eher zufällig auf den Laden stößt, hat sie zusammen mit ihrem Mann eigentlich andere Pläne. Nach Jahren der Selbstständigkeit wollte sie erstmal raus, zur Ruhe kommen. Weniger Verantwortung, weniger Druck. Doch dann steht sie plötzlich wieder mittendrin – vor einer Disco, die einmal eine Institution war. Und das Herz klopft. Sie entscheidet sich nicht für ein Konzept auf dem Papier. Nicht für eine Marketingstrategie. Sondern für sich selbst. „Ich bin das Konzept“, sagt sie im Gespräch mit der HEIMATLIEBE – und meint damit ihre Art, mit Menschen umzugehen. Direkt, ehrlich, herzlich. Und konsequent.




DEN RESPEKT HART ERARBEITET
Die ersten Monate sind sehr hart. Danny Tillmann krempelt den Laden komplett um, sortiert aus, stellt Regeln auf. „Ich habe damals mehr Leute rausgeschmissen als reingelassen“, erinnert sie sich und lacht – aber man spürt, dass genau darin der Grundstein für den Neuanfang mit einem anderen Charakter lag. Die heute 57-Jährige wollte keinen beliebigen Club. Keine austauschbare Disco. Sondern einen Ort mit Stil, Respekt und besonderer – oder besser – einmaliger Atmosphäre. Und sie hat ihn sich erarbeitet. Allein. Während andere noch skeptisch beobachten, verbringt sie fast jede freie Minute im Nachtcafé, renoviert, organisiert, kämpft. Und gewinnt den Respekt der Einheimischen. Was ihr sehr wichtig ist, ist die Zusammenarbeit mit den anderen Winterberger Gastronomen. „Ich lege großen Wert auf ein gutes Miteinander. Gemeinsam kann man die Stadt für die Gäste attraktiver machen“, sagt sie.
GÄSTE SIND MENSCHEN ZWISCHEN 18 UND 80
Heute ist das Nachtcafé genau das, was Danny ausmacht: eine Mischung aus Kneipe, Club und Wohnzimmer. Hier treffen sich Menschen zwischen 18 und 80. Hier wird getanzt, diskutiert, gelacht – und manchmal auch einfach nur zugehört. Denn Danny ist nicht nur Betreiberin. Sie ist Gastgeberin, Zuhörerin und auch Vermittlerin. Für viele schlicht: „Mutti“. Ein Spitzname, der aus dem Gefühl heraus entstanden ist, dass sie sich kümmert. Dass sie hinschaut und immer für andere da ist. „Ich habe immer ein offenes Ohr“, sagt sie, „ich kann nicht alle Probleme lösen, aber ich bin da.“ Das ist ihr wichtig und macht den Unterschied. Aber sie stellt auch klar: „Der Gast ist König, aber nur so lange, wie er sich auch so benimmt!“
DIE GASTRONOMIE IST IHR LEBEN
Für Danny Tillmann ist die Gastronomie kein Job, es ist ihr Leben. Sie liebt die Nächte, die Gespräche, das Chaos, die Energie. Sie gehört zu einer Generation, für die es selbstverständlich war, nach der Arbeit noch auf ein Getränk zusammenzukommen. Für die Kneipen noch Orte der Begegnung waren und es nicht nur um den Konsum ging. Genau das versucht sie zu bewahren. „Es geht nicht darum, jeden Abend zu feiern“, sagt sie, „es geht darum, zusammenzusitzen, zu reden, Mensch zu sein.“ In Zeiten von Smartphones und Streamingdiensten ist das fast schon ein Gegenentwurf.
FAIRE PREISE SIND EIN MUSS
Was Danny besonders macht, ist nicht nur ihr Umgang mit Menschen, sondern auch ihre Haltung im Geschäft. Faire Preise sind für sie kein Marketinginstrument, sondern Überzeugung. Während viele Betriebe die Preise stark angezogen haben, versucht sie bewusst, ihr Angebot bezahlbar zu halten. „Das Geld sitzt nicht mehr so locker“, sagt sie, „und ich mache das nicht mit.“ Das bedeutet nicht, dass es einfach ist. Steigende Kosten, Energiepreise, Personal – all das trifft auch sie. Aber sie findet ihren Weg. Pragmatismus, Erfahrung und ein gutes Gespür für das Wesentliche helfen ihr dabei.
UNTERSTÜTZUNG DURCH DEN EHEMANN
Wenn man Danny gegenübersitzt und sie über ihr Nachtcafé reden hört, schwappt ihre Begeisterung über. Sie geht ihren Weg, ohne sich verbiegen zu lassen. Sie hat erlebt, wie sie früher von verschiedenen Seiten ausgebremst wurde und daraus gelernt. Heute steht ihr Mann Sascha hinter ihr – unterstützt sie, wo er kann und lässt sie machen. Eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Wofür Danny sehr dankbar ist.
RICHTIGE ENTSCHEIDUNG VOR ZEHN JAHREN
Am 24. Juni 2016 öffnete das Nachtcafé in Winterberg unter ihrer Leitung. Zehn Jahre später steht fest: Es war die richtige Entscheidung. In einer Zeit, in der viele Betriebe kommen und gehen, hat sie sich behauptet. Hat Krisen überstanden, sich immer wieder neu angepasst – ohne sich selbst zu verlieren. Das zehnjährige Jubiläum wird am 27. Juni gefeiert. Ohne großes Tamtam. Aber mit dem, was das Nachtcafé ausmacht: ehrliche Gastfreundschaft, gute Musik und eine Atmosphäre, die man nicht planen kann. Sondern nur leben. Vielleicht ist es genau das, was das Nachtcafé so besonders macht: Es ist kein durchinszenierter Ort, der den neuesten Trends folgt. Es ist ein Stück gelebte Gastronomie. Mit Ecken, Kanten – und ganz viel Herz.
DOPPELTES JUBILÄUM
Danny Tillmann feiert im Grunde sogar ein doppeltes Jubiläum, denn im August 1986 hat sie im Sauerland Stern Hotel in Willingen ihre Ausbildung zur Hotelfachfrau begonnen und somit ihre ersten Schritte in der Gastronomie unternommen. „40 Jahre Gastro und zehn Jahre Nachtcafé, das ist doch toll“, freut sie sich.
Fotos: Privat