WENN IN DÜDINGHAUSEN TRÄUME WAHR WERDEN
CHANTAL UND MARTIJN STOUTEN BETREIBEN DEN WALDHOF HOCHSAUERLAND.
„Na gut, dann gucken wir uns das Haus mal an, damit ich anschließend mit gutem Gewissen ´Nein´ sagen kann.“ So dachte die Südholländerin Chantal Stouten, als ihr Mann Martijn im September 2023 in verschiedenen Immobilienangeboten einen leerstehenden Gasthof in Düdinghausen aufstöberte. Beide waren in Zeeland direkt am Meer aufgewachsen, hatten sich bereits in der Schule kennengelernt und sind dann gemeinsam in die Großstadt Leiden bei Den Haag gezogen. Chantal arbeitete im sozialen Bereich, Martijn als Rechtsberater. Doch sein Traum war es schon lange, eine Hütte oder einen Gasthof in den Bergen zu betreiben. In der Schweiz oder vielleicht auch Österreich. Ok – weil das viel zu weit weg von der niederländischen Heimat sein würde, wäre auch das Sauerland eine Option, das Martijn von vielen Besuchen in Winterberg und Willingen kannte. Chantal war davon eigentlich nicht so begeistert, sondern wollte am liebsten in Südholland bleiben.
Martijn, Tamar und Chantal Stouten

Also, nur mal kurz „Howwes“ in Düdinghausen angucken, wie der Gasthof im Riepen bis heute mit Hausnamen heißt. Martijn war angesichts der anstehenden Renovierungen eher skeptisch, Chantal dagegen zu ihrer eigenen Überraschung schockverliebt – in das Haus, in den Ort und in die Gegend. Ergebnis: Die beiden sind nun stolze Inhaber des „Waldhofs Hochsauerland“ und Sauerländer und Eltern ihrer knapp zweijährigen Tochter Tamar, von der sie bei ihrem Besichtigungstermin noch nichts ahnten und die jetzt als echtes Düdinghauser Mädchen aufwächst.
Unser HEIMATLIEBE-Termin findet – eigentlich unpassend für eine Frühjahrs-Ausgabe – im tiefsten Winter statt. Alles liegt unter einer dicken, weißen Schneedecke, es schneit ohne Unterlass. Die Straßen sind glatt, die rund 25 Kilometer Anfahrt dauern fast eine Stunde. Nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für ein entspanntes Treffen.
EIN BISSCHEN WIE NACHHAUSE-KOMMEN
Aber dann – am Ziel, eben dem Waldhof Hochsauerland in Düdinghausen, ist nach den letzten rutschigen Metern der Parkplatz frisch freigeräumt, die Begrüßung so herzlich, der Gastraum kuschelig warm. Im Kaminofen brennt ein gemütliches Feuer, als erstes wird Kaffee gekocht. Es fühlt sich an wie Runter- und ein bisschen auch wie nach Nachhause-Kommen und mit Freunden zusammensitzen.
Der Gastraum ist eine schöne Mischung aus alt und neu. Das typische Wirthaus-Mobiliar erinnert an die alten Kneipen-Zeiten von „Howwes“; die Wände, die Deko, der Thekenbereich und das Frühstücksbüffet tragen dagegen ganz deutlich die Handschrift der neuen Inhaber – inklusive „Hagelslag“, einem typisch niederländischen Brotbelag. Neben einem großen Holzbrett für holländischen Käse steht hinter der Theke eine selbstgemalte Leinwand mit dem Düdinghauser Wappen, daneben ein Bild mit prägnanten Sehenswürdigkeiten im Medebacher Stadtgebiet. Diese Momentaufnahme bringt die kleine Familie Stouten perfekt auf den Punkt: Die Wurzeln nicht vergessen, aber mit Kopf und Herz in der neuen Heimat angekommen!
AB SOMMER 2024 IN EINEM BERG ARBEIT GESTÜRZT
Im April 2024 haben sie nach vielem Überlegen und Rechnen ihr Haus in Leiden verkauft, den Kaufvertrag für den 1976 erbauten Gasthof unterschrieben und sind kurz darauf mit Sack und Pack nach Düdinghausen gezogen, um sich kopfüber in einen Berg Arbeit zu stürzen – mit dabei die neugeborene Tamar. Heizung und Dachfenster mussten erneuert werden, außerdem wurden neben dem Gastraum auch ein großzügiger Aufenthalts- und Freizeitbereich mit Billardtisch, Sitz-, Lese- und Spielecke, Ladestationen und einer Snack- und Getränkebar renoviert und gemütlich gemacht. Im ersten Stock sind zwei Doppelzimmer und ein Einzelzimmer bereits fertig saniert und mit geschmackvollen Möbeln und teilweise kleinen Küchenzeilen eingerichtet, die restlichen Zimmer sind noch große Baustelle und Projekt für die nächsten Jahre. Im zweiten Stock befinden sich eine Ferienwohnung für sechs und ein Studio für bis zu fünf Personen, in denen die grundlegenden Dinge schon renoviert sind und die nach und nach noch neu möbliert werden sollen. Diese beiden Wohnungen werden auch gerne von größeren Gruppen zusammen angemietet.
Der Name „Waldhof Hochsauerland“ wurde bewusst gewählt. Wald und Hof liegt alleine aufgrund der Lage schon nahe. Hochsauerland – das ist bei Erholungssuchenden vor allem in den Niederlanden ein positiv besetzter Begriff und wird von den Suchmaschinen gut gefunden. Im Dezember 2024 haben Chantal und Martijn Stouten mit der Vermietung begonnen und gleich im ersten Jahr schon eine Auslastung von über 50 Prozent erreicht. Die Wander- und Radwege vor der Haustür sowie die Nähe zu Willingen und Winterberg sind ein großer Pluspunkt für die Gäste, von denen ein Großteil aus dem Rheinland und dem Ruhrgebiet anreist. Mit dem „K1 Rental Ski/Bike Willingen“ arbeiten Chantal und Martijn zusammen und können Leih-Räder oder -Ski für ihre Gäste direkt nach Düdinghausen holen.



NACHBARN, VEREINE UND SCHÜTZENFEST
Was ist neu und anders in Düdinghausen und auch in Deutschland? Chantal und Martijn lachen: Es ist alles viel ruhiger als in der hektischen Großstadt. In Düdinghausen kennen sie im Gegensatz zu den Niederlanden ihre Nachbarn und staunen, wie viele unterschiedliche Vereine es im Dorf gibt, in denen sich die Einwohner engagieren.
Ungewohnt war die Erkenntnis, dass in Deutschland die Bürokratie ziemlich kompliziert sein kann und deutlich weniger digital gearbeitet wird als in den Niederlanden, sondern für viele Dinge Papier und persönliche Anwesenheit erforderlich ist. Aber das hat auch durchaus Vorteile, finden sie: Bei Banken, Versicherungen, der Stadt und den Handwerksbetrieben haben die beiden feste Ansprechpartner, so dass manches auf kurzem Dienstweg erledigt werden kann.
Ein echtes Erlebnis war das erste Schützenfest im vergangenen Sommer, als der ganze Festzug mit dem Königspaar und Hofstaat in tollen Kleidern direkt am Waldhof vorbeimarschierte und das ganze Dorf drei Tage gefeiert hat.
Ihre Ziele: Weiter renovieren, mittelfristig auch Abendessen für die Gäste anbieten und vielleicht einen kleinen Käseladen einrichten. Leckere holländische Spezialitäten kann man beim Frühstück, bei dem übrigens nach vorheriger Anmeldung nicht nur Hausgäste herzlich willkommen sind, schon jetzt schlemmen, denn Martijns Verwandtschaft betreibt einen Käsehandel in den Niederlanden. Noch arbeitet er selbst weiter als Rechtsberater in seiner niederländischen Firma – an vier Tagen im Homeoffice, an einem Tag pendelt er von Düdinghausen nach Den Haag und wieder zurück.
Ihr Traum: Nicht mehr in der Großstadt leben und dort fünf Tage im Büro sitzen, stattdessen gemeinsam an etwas arbeiten und viel Zeit für ihre kleine Tochter haben und das alles in einem gastronomischen Betrieb in den Bergen – dieser Traum ist mit dem Waldhof Hochsauerland in Düdinghausen wahr geworden!
Text: Rita Maurer
Fotos: Rita Maurer, Privat