WENN GESCHICHTE ZUKUNFT HAT
Wenn Winterberg im Mai 2026 feiert, dann zelebriert die Stadt nicht nur irgendein Jubiläum – sie feiert sich selbst. 750 Jahre urkundliche Ersterwähnung stehen für eine Geschichte voller Wandel, Widerstandskraft und Gemeinschaft. Eingebettet in das Winterberger Stadterlebnis vom 8. bis 10. Mai 2026 wird dieses besondere Jubiläum lebendig, nahbar und spürbar – dort, wo Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertreffen.
Die Geschichte Winterbergs beginnt an einem strategisch klugen Ort: an der Kreuzung zweier bedeutender Fernhandelsrouten, der Heidenstraße von Köln nach Kassel und des Sauerländer Weges von Frankfurt nach Soest. Hier entstand eine Siedlung, die früh an Bedeutung gewann. Einige Jahre vor 1276 wurde Winterberg angelegt und zur Stadt erhoben – der exakte Zeitpunkt und der Name des verantwortlichen Kölner Erzbischofs sind umstritten.
Die urkundliche Ersterwähnung Winterbergs datiert auf den 6. Juni 1276: Marschall Conrad von Elverfeld bestätigte für den Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg einen Vergleich zwischen der Kölner Kirche und dem Kloster Küstelberg über die Kirche von Winterberg. Bereits zu diesem Zeitpunkt bestand die St.-Jakobus-Pfarrkirche und machte Winterberg zu einem geistlichen und gesellschaftlichen Zentrum der Region. Die Stadt erhielt Schutz und Struktur durch eine Stadtmauer, Landwehr („Hagen“) und zwei Stadttore – die Untere und die Obere Pforte.



ENTSTEHUNG DER WALDGENOSSENSCHAFTEN MARK
Die folgenden Jahrhunderte waren geprägt von Herausforderungen. 1357 wurde Winterberg durch Graf Gottfried IV. von Arnsberg zerstört. Im ausgehenden Mittelalter wuchs die Stadt durch Zuzug aus umliegenden Wüstungen wie Günninghausen, Merleheim, Harfeld und Wernsdorf. Aus den Gemarkungen dieser Dörfer entstanden die Waldgenossenschaften Mark Günninghausen, Mark Haarfeld, Mark Merleheim und Mark Wernsdorf, die heute zum Markenverband Winterberg zusammengeschlossen sind – ein Symbol gemeinschaftlichen Eigentums.
STADTGESCHICHTE MIT DUNKLEM KAPITEL
Dunkle Kapitel gehören ebenso zur Stadtgeschichte: 1523 fand hier ein Hexenprozess statt, dessen Protokoll als ältestes vollständig erhaltenes in Westfalen gilt. Ein Denkmal am Rathaus erinnert seit 1993 an die Opfer. Mehrfach wurde Winterberg durch Stadtbrände zerstört – 1556, 1759 und besonders verheerend im Jahr 1791, als nur noch zwei Häuser stehenblieben: „Festes“ und „Hermes“ in der Hellenstraße 24 und 26. Doch jedes Mal folgte der Wiederaufbau. Nach 1791 entstand das heutige Stadtbild mit Hellenstraße, Marktstraße, Kirchstraße, Hauptstraße und Hagenstraße. Die alte Stadtmauer wurde zum Baumaterial, und „Am Waltenberg“ wuchs eine Vorstadt.
WIRTSCHAFTLICHER AUFSCHWUNG NACH DEM „JAHR OHNE SOMMER“
Nach den Napoleonischen Kriegen und dem klimatisch katastrophalen Jahr 1816, dem „Jahr ohne Sommer“, erlebte Winterberg einen wirtschaftlichen Aufschwung. Wanderhandel und der preußische Chausseenbau brachten Bewegung und neue Perspektiven. 1836 legte die jüdische Gemeinde ihren Friedhof an – ein weiteres Zeugnis des vielfältigen städtischen Lebens.
NEUES IMAGE NACH DEM ANSCHLUSS ANS SCHIENENNETZ
Ein Meilenstein folgte 1906 mit dem Anschluss an das Schienennetz: Winterberg wurde zum Touristenmagneten. Wintersport prägte fortan das Image der Stadt – mit der Natureisbahn an der Kappe (1910), der späteren Kunsteisbahn (1977) und der St.-Georgs-Sprungschanze, die 1959 die alte Naturschanze am Herrloh ersetzte.
Im April 1945 wurde Winterberg kampflos an amerikanische Truppen übergeben. Drei Jahrzehnte später – 1975 – entstand durch den Zusammenschluss zahlreicher Orte die heutige Großgemeinde Winterberg – ein weiterer Schritt in Richtung Zukunft.
VERBINDUNG AUS TRADITION UND ERNEUERUNG
Was Winterberg heute ausmacht, ist mehr als Geschichte. Es ist die Verbindung aus Tradition und Weiterentwicklung, aus Ehrenamt, Vereinen und einem offenen Blick nach vorn. Bürgermeister Michael Beckmann bringt dies zum Jubiläum auf den Punkt: „Dieses außergewöhnliche Jubiläum ist für mich persönlich und für unsere Stadt von großer Bedeutung – nicht nur als historischer Meilenstein, sondern als lebendiger Ausdruck unserer Identität, unseres Zusammenhalts und unserer Zukunft!“
„Winterberg hat es über die Jahrhunderte verstanden, Tradition zu bewahren und sich zugleich immer wieder neu zu erfinden.“ Michael Beckmann
750 Jahre urkundliche Ersterwähnung seien weit mehr als ein Datum, betont Beckmann. Sie stünden für „sieben Jahrhunderte gemeinsames Leben, Arbeiten, Feiern, Herausforderungen und Wandel“ – und für eine Stadt, die sich immer wieder neu erfunden habe. „Winterberg hat es über die Jahrhunderte verstanden, Tradition zu bewahren und sich zugleich immer wieder neu zu erfinden. Unsere Bräuche, Vereine und das Ehrenamt sind feste Säulen unseres Zusammenlebens“, so der Bürgermeister. Gleichzeitig gehe Winterberg aktiv die Herausforderungen der Gegenwart an – in Bildung, Infrastruktur, Tourismus und sozialem Miteinander. Heimat und Fortschritt seien kein Widerspruch, sondern gehörten zusammen.
WÜRDIGUNG DES JUBILÄUMS BEIM WINTERBERGER STADTERLEBNIS
Genau diese Verbindung macht das Winterberger Stadterlebnis vom 8. bis 10. Mai 2026 spürbar. Erstmals beginnt die Veranstaltung bereits am Freitagabend mit einem feierlichen Empfang und der offiziellen Eröffnung. Das Jubiläum „750 Jahre urkundliche Ersterwähnung Winterberg“ wird dabei bewusst in das heutige Stadtleben eingebettet – nicht museal, sondern lebendig.
Es geht um Begegnung, Erinnern und Weiterdenken. Um eine Stadt, die ihre Geschichte kennt und daraus Kraft schöpft. „Zum 750-jährigen Jubiläum möchte ich den Bürgerinnen und Bürgern vor allem eines mitgeben: Zuversicht“, betont Michael Beckmann, „Winterberg ist unsere gemeinsame Heimat, und die Zukunft liegt in unseren Händen!“
GESCHICHTE WIRD LEBENDIG GEHALTEN
Immer in Verbindung mit der Winterberger Historie ist der Heimat- und Geschichtsverein (HGV). Für die Mitglieder ist es wichtig, Geschichte lebendig und verantwortungsvoll zu übermitteln. Welche Rolle spielen Denkmäler, Archive und Vereine wie der Heimat- und Geschichtsverein dabei? „Denkmäler und Dokumentationen erinnern an eine Zeit, die zum Teil unwiederbringlich verloren geht oder schon vergangen ist. Beispielsweise wird die Zahl der Zeitzeugen des Nationalsozialismus immer geringer, und durch Dokumentation gerät diese Zeit nicht in Vergessenheit. Archive bieten die Möglichkeit, selbst in die Materie einzutauchen und ein Gespür für geschichtliche Arbeit zu entwickeln, mit dem einen oder anderen Erfolgserlebnis“, erläutert der HGV-Vorsitzende Dr. Friedrich Opes. Vereine dagegen seien der aktive Teil der Heimat- und Geschichtsarbeit. Sie führen Exkursionen durch, veröffentlichen, recherchieren. „Und sie erklären durch ihre Arbeit und Dokumentation manche Dinge, wie sie heute sind, zum Beispiel, warum Winterberg im Mittelalter in einer Region gegründet wurde, die auf den ersten Blick nicht unbedingt siedlungstechnisch attraktiv war“, so Dr. Opes.
ZUSAMMENARBEIT, BODENSTÄNDIGKEIT UND ZUVERSICHT
750 Jahre urkundliche Ersterwähnung Winterberg: Wenn im Mai 2026 gefeiert wird, dann alles, was Winterberg ausmacht: Zusammenhalt, Bodenständigkeit und die Zuversicht, auch die nächsten Kapitel gemeinsam zu schreiben. Oder, wie es Michael Beckmann formuliert: „Feiern wir dieses besondere Jubiläum gemeinsam – mit Respekt vor unserer Geschichte und mit Zuversicht für die Zukunft!“
Text: Carmen Ahlers