VON AUSSORTIERT ZUM LIEBLINGSSTÜCK
SOZIALKAUFHÄUSER IM SAUERLAND
Von Jakob Kaiser
Zwischen immer neuen Modetrends, Billigproduktionen und überfüllten Kleiderschränken wächst bei vielen Menschen das Bewusstsein dafür, dass Kleidung mehr sein kann als ein schnelllebiges Konsumprodukt. In Meschede zeigt der Secondhandladen des DRK Kreisverbands Altkreis Meschede e.V. „Lieblingsstücke“, wie nachhaltiger Konsum, soziale Teilhabe und lokales Engagement miteinander verbunden werden können. Seit seiner Eröffnung im März 2024 entwickelt sich der Laden zu einem Ort, der weit mehr ist als nur ein Geschäft für gebrauchte Kleidung.
Die Idee hinter dem Projekt entstand nicht zufällig. Schon lange vor der Eröffnung wurden die Verantwortlichen des Deutschen Roten Kreuzes Meschede immer wieder gefragt, ob gut erhaltene Kleidung abgegeben werden könne. Viele Menschen wollten ihre aussortierten Stücke nicht einfach in einenAltkleidercontainer werfen, weil diese oft noch in sehr gutem Zustand waren. Lange fehlten jedoch die organisatorischen Möglichkeiten, um die Kleidung sinnvoll weiterzugeben. Schließlich fiel die Entscheidung, selbst aktiv zu werden und einen eigenen Secondhandladen zu eröffnen.
„Im Mittelpunkt steht die Idee, Kleidung eine zweite Chance zu geben.“
Bereits im Dezember 2023 begann die erste Mitarbeiterin mit den Vorbereitungen. Kleidung wurde sortiert, Regale eingerichtet und der Laden Schritt für Schritt aufgebaut. Heute sorgen eine hauptamtliche Kraft, eine Teilzeitkraft, vier Minijobberinnen und Minijobber sowie zahlreiche ehrenamtliche Helferinnen und Helfer dafür, dass der Alltag im Laden funktioniert. Ohne das Engagement der vielen Freiwilligen wäre das Projekt in dieser Form kaum möglich.
Der Name „Lieblingsstücke“ ist dabei bewusst gewählt. Denn der Laden versteht sich nicht als klassische Kleiderkammer, sondern als Boutique mit einem modernen und einladenden Konzept. Trotz der sehr günstigen Preise steht ein angenehmes Einkaufserlebnis im Vordergrund. Kundinnen und Kunden sollen sich wohlfühlen und Kleidung entdecken können. Ganz unabhängig vom eigenen Budget.
Damit richtet sich der Laden bewusst an alle Menschen. Einige kommen wegen der günstigen Preise, andere vor allem aus Überzeugung für mehr Nachhaltigkeit. Im Laden selbst spielt dieser Unterschied jedoch keine Rolle. Alle Kundinnen und Kunden werden gleichermaßen willkommen geheißen und beraten. Ziel ist es, dass jeder etwas Passendes findet und gleichzeitig erlebt, dass nachhaltiger Konsum weder kompliziert noch teuer sein muss. Im Mittelpunkt des Projekts steht die Idee, Kleidung eine zweite Chance zu geben. Jedes Kleidungsstück, das weitergetragen wird, spart Ressourcen und vermeidet Müll. Gerade die Textilindustrie zählt weltweit zu den Branchen mit einem besonders hohen Verbrauch an Wasser, Energie und Rohstoffen. Durch die Wiederverwendung gut erhaltener Kleidung leistet „Lieblingsstücke“ deshalb einen direkten Beitrag zum Umweltschutz.



Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Aspekt: die regionale Nachhaltigkeit. Die gespendeten Kleidungsstücke stammen aus der Umgebung und bleiben auch dort. Lange Transportwege entfallen, stattdessen entsteht ein lokaler Kreislauf, von dem die Menschen vor Ort profitieren. Was in Meschede abgegeben wird, kommt wiederum Menschen in Meschede zugute. Besonders erfreulich ist für das Team die große Bereitschaft der Bevölkerung, Kleidung zu spenden. Entgegen anfänglicher Befürchtungen werde dieses Angebot sehr gut angenommen. Jede und jeder kann gut erhaltene Kleidungsstücke abgeben, damit diese weiter genutzt werden können. Dadurch wächst das Sortiment stetig und sorgt dafür, dass Kundinnen und Kunden immer wieder neue Stücke entdecken können. Doch „Lieblingsstücke“ erfüllt nicht nur einen ökologischen Zweck. Der Laden schafft auch soziale Teilhabe. Hochwertige Kleidung wird dort unabhängig vom Geldbeutel zugänglich gemacht. Menschen mit kleinerem Einkommen erhalten die Möglichkeit, schöne und gut erhaltene Kleidung zu kaufen, ohne dafür viel Geld ausgeben zu müssen. Gleichzeitig entsteht ein Ort, an dem Begegnung stattfindet. Denn wer den Laden betritt, kommt oft nicht nur zum Einkaufen. Viele Menschen bleiben stehen, kommen. miteinander ins Gespräch oder tauschen sich aus. Dadurch entsteht ein Miteinander, das in einer Zeitzunehmender Anonymität und digitaler Distanz immer wichtiger wird. „Lieblingsstücke“ wird so auch zu einem sozialen Treffpunkt mitten in Meschede. Der Erfolg des Projekts zeigt, dass Nachhaltigkeit im Alltag funktionieren kann, wenn Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen. Der Laden verbindet Umweltschutz mit sozialem Engagement und regionalem Zusammenhalt. Aus gespendeter Kleidung entstehen neue Lieblingsstücke, aus einer einfachen Idee ein Ort mit Bedeutung für alle.
Auch in Arnsberg, Neheim und Sundern gibt es verschiedene Angebote, um in Secondhand-Läden oder Sozialkaufhäusern zu shoppen.
Fotos: u.a. Ralf Litera
Infos
- Jacke wie Hose im Café Zeit-Geist Grabenstraße 8, 59759 Arnsberg Di. 10-12 Uhr, Do. 15-17 Uhr und jeden zweiten Sa. im Monat 11-15 Uhr
- Kinderlädchen Hosenmatz Grabenstraße 8, 59759 Arnsberg Di. 9-11.30 Uhr und Do. 14-16.30 Uhr
- Kaufnett Sozialkaufhaus Ruhrstraße 7-9, 59821 Arnsberg Mo.-Fr. 9.30-17.30 Uhr, Sa. 9.30-14 Uhr
- Der andere Laden – Second Hand Mendener Str. 4, 59755 Arnsberg Mo.-Fr. 10-17 Uhr
- DRK Lieblingsstücke Ruhrstraße 21, 59872 Meschede Mo.-Fr. 10-17 Uhr, Sa. 10.30-14 Uhr