TRADITION, GEMEINSCHAFT UND GESCHICHTE
150 JAHRE ST. HUBERTUS SCHÜTZENBRUDERSCHAFT ZÜSCHEN – GROßES JUBILÄUM ENDE JULI MIT VIELEN FESTGÄSTEN
Von Julia Kleinsorge
Wenn eine Schützenbruderschaft ihr Jubiläum feiert, geht es um weit mehr als festliche Umzüge, Musik und Geselligkeit. Es ist eine Reise in die eigene Vergangenheit – zu den Wurzeln einer Gemeinschaft, die über Generationen hinweg Bestand hatte. Ein Blick in die passend zum 150-jährigen Bestehen frisch neu aufgelegten Chronik zeigt eindrucksvoll, mit wie viel Engagement und Tatkraft alles begann.
Im Jahr 1876 nahm die Geschichte eine entscheidende Wendung: Die bestehende Fahnengesellschaft formierte sich neu als Schützengesellschaft Züschen. Dieser Schritt markierte nicht nur einen organisatorischen Wandel, sondern auch den Beginn einer lebendigen Tradition, die bis heute fortbesteht.
Was folgte, zeugt von bemerkenswertem Einsatz. Noch im selben Frühjahr machten sich die Schützenbrüder ans Werk und errichteten auf der Knühle ein achteckiges Tanzzelt mit einem Durchmesser von zehn Metern – ein beachtliches Bauprojekt für die damalige Zeit. Ergänzt wurde dieses durch eine Bierhalle aus Fichtenstangen, deren Wände jährlich mit frischem Grün geflochten und deren Dach mit einfachen Laken bedeckt wurde. Der Gemeinschaftssinn war groß, doch die finanziellen Mittel begrenzt: Eine Schuldenlast von 700 Talern nahm man dennoch in Kauf, um einen Ort der Begegnung zu schaffen.
IM JAHR 1876 KOSTETE 1/3 L BIER 10 PFENNIG
Ein besonderer Meilenstein folgte im August 1876 mit dem ersten Schützenfest. Unter der Leitung von Hauptmann Friederich Völlmecke und seinem Vorstand wurde ein Fest organisiert, das den Grundstein für eine bis heute gepflegte Tradition legte. Für die musikalische Unterhaltung sorgte eine bayerische Kapelle, während Festwirt Jakob Leber die Gäste bewirtete. Die Preise spiegeln den Charme vergangener Zeiten wider: Ein Drittelliter Bier kostete 10 Pfennig, Kaffee 40 Pfennig, und der Eintritt lag bei 1,25 Mark.
Höhepunkt des Festes war die Proklamation des ersten Königspaares: August Tielke und seine Frau Maria. Auch wenn der finanzielle Überschuss mit 7,40 Mark bescheiden ausfiel, war der ideelle Gewinn umso größer – ein Gefühl von Zusammenhalt, Stolz und gelebter Tradition.
Heute, viele Jahrzehnte später, blickt die St. Hubertus Schützenbruderschaft Züschen auf diese Anfänge mit Respekt und Dankbarkeit zurück. Das Jubiläum ist nicht nur Anlass zum Feiern, sondern auch eine Erinnerung daran, dass große Geschichten oft mit kleinen, mutigen Schritten beginnen.
JUBILÄUMSSCHÜTZENFEST ENDE JULI MIT VIELEN GÄSTEN
Wenn sich Ende Juli die Schützenbrüder, Vereinsmitglieder und Gäste versammeln, steht ein ganzes Wochenende im Zeichen von Tradition, Gemeinschaft und festlicher Stimmung. Vom 25. bis 27. Juli 2026 erwartet die Besucher ein abwechslungsreiches Programm, das die Höhepunkte des Schützenwesens in würdiger und zugleich geselliger Form vereint.
Der Auftakt erfolgt am Samstag um 13.30 Uhr mit dem Antreten zum Abholen des Kaisers. Bei der Gefallenenehrung am Ehrenmal wird der Verstorbenen gedacht – ein Moment der Besinnung innerhalb des festlichen Rahmens. Am Nachmittag steht dann der Nachwuchs im Mittelpunkt: Beim Jugendvogelschießen um 15 Uhr zeigen die jungen Schützen ihr Können und sorgen für Spannung. An diesem Tag endet die Amtszeit von Jungschützenkönig Fabian Völlmecke und seiner Königin Juliana Steden.
Gegen 18 Uhr folgt das Kaiserschießen. Gesucht wird der fünfte Kaiser seit Bestehen der St. Hubertus Schützenbruderschaft Züschen. Ist der Vogel gefallen, muss sich Kaiser Joachim Reuter, der in den Jahren seiner Regentschaft von seiner Tochter Stefanie begleitet wurde, von der Kaiserkette trennen. Ein Abschied, der ihm nicht leichtfallen wird.
Der Abend geht nahtlos in gesellige Höhepunkte über: Beim Kaisertanz um 20 Uhr wird gefeiert, bevor um 21.30 Uhr der Große Zapfenstreich auf dem Schützenplatz den Tag in feierlich-traditioneller Atmosphäre ausklingen lässt.



SCHÜTZENMESSE AM SONNTAGMORGEN IN DER SCHÜTZENHALLE
Der Sonntag beginnt früh und festlich. Um 9 Uhr treten die Schützen zum Hochamt an, bevor um 9.30 Uhr die Schützenmesse in der Schützenhalle gefeiert wird. Im Anschluss laden die Schützen zum Frühschoppen ab 11 Uhr zum geselligen Beisammensein ein, begleitet von Grußworten der auswärtigen Vereine. Der offizielle Empfang mündet nahtlos in den um 14 Uhr beginnenden Großen Festzug – ein farbenprächtiger Höhepunkt, der zahlreiche Besucher anzieht. Am Abend folgt mit dem Königstanz um 20 Uhr ein weiterer festlicher Programmpunkt, ehe um 21 Uhr verdiente Mitglieder geehrt werden.
Der Montag steht ganz im Zeichen des entscheidenden Wettkampfs. Nach dem Antreten um 9 Uhr beginnt um 10 Uhr das Vogelschießen, bei dem der Nachfolger von König Florian Scharf ermittelt wird. Spannung und Begeisterung erreichen ihren Höhepunkt bei der Königsproklamation um 15 Uhr. Im Anschluss wird ausgiebig gefeiert: Königstanz, Kindertanz sowie der Tanz der ehemaligen Könige bilden einen würdigen und zugleich fröhlichen Abschluss des Festwochenendes.
Für die passende musikalische Begleitung sorgt der Musikzug Medebach, unterstützt vom Spielmannszug Züschen und dem Musikverein Züschen.
Auch kulinarisch sind die Gäste bestens versorgt: Das Eventservice Team Valentin aus Bestwig übernimmt die Bewirtung, während Steffes Hof aus Bad Berleburg für den Küchenbetrieb verantwortlich zeichnet. So wird das Schützenfest nicht nur zu einem kulturellen, sondern auch zu einem genussvollen Erlebnis für alle Beteiligten.
Fotos: Kai Ringler, Julia Kleinsorge