RITTER, JUNGFRAU, SCHÜTZENKÖNIG, KAISER WILHELM & NOCH VIEL MEHR!
LIESEN HAT EINE MENGE ZU BIETEN
„Es war einmal eine holde Maid namens Liese. Ihr Vater war der edle Ritter vom Stolzenberg, der auf dem gleichnamigen Berg nahe Hesborn residierte. Die bildhübsche Liese ging am allerliebsten in einem wildromantischen Tal an eine wunderschönen Bachlauf spazieren. Dort begegnete ihr der Ritter vom Freien Stein. Die beiden verliebten sich unsterblich ineinander und lustwandelten oft durch die lauschigen Wälder und Wiesen entlang des Baches. Seiner Geliebten zu Ehren gab der Ritter vom Freien Stein diesem Bach in der Nähe seiner Burg den Namen Liese. Ob diese Sage stimmt? Wer weiß. Wahr ist aber auf jeden Fall, dass es das Flüsschen Liese in seinem idyllischen Tal tatsächlich gibt. Und dass die fast fünf Kilometer lange Liese Namensgeber für den einzigen Ort ist, durch den sie fließt, nämlich Liesen.“ Mit dieser Einleitung haben wir das HEIMATLIEBE-Dorfporträt über Liesen im Herbst 2019 angefangen. Seitdem ist so einiges an Wasser durch den renaturierten Bachlauf der Liese geflossen. Und auch in Liesen ist eine Menge passiert und weiter entwickelt worden:
Auf dem ehemaligen Spielplatz am Stoßweg ist ein Mehrgenerationenplatz entstanden, der sich wirklich sehen und vor allem bespielen lassen kann. Mit viel Aufwand, Ideen und Fördergeldern ist ein Spiel- und Freizeitgelände für alle Altersstufen konzipiert worden, das in der Region seinesgleichen sucht! Wer hier Standard- Spielgeräte erwartet, wird überrascht, denn die Burg am Freien Stein von Lieses ritterlichem Galan hat Pate gestanden und bietet eine Menge Ideen für echte Ritter- Abenteuer, wie es sie nur in Liesen geben kann…. ausreichend Gelegenheiten zum entspannten Zusehen inklusive. Der Mehrgenerationenplatz hat beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ einen Sonderpreis bekommen. Im Juni 2026 wird hier ein großes Fest gefeiert.

Bald 60 Jahre alt und trotzdem jung wie nie: das ist der LCV – der Lieser Carnevalsverein. Liesen kann man mit Recht als die Karnevalshochburg des Stadtgebiets Hallenberg bezeichnen – und die Bewohner der anderen Ortsteile kommen gerne und feiern mit.
Vor knapp 10 Jahren beschlossen die Verantwortlichen, mit ihrem LCV gezielt auch Mitglieder aus anderen Orten anzusprechen. „Eine der besten Entscheidungen unserer Geschichte“, nennt Karnevalspräsident und Ortsvorsteher Jens Schnorbus in der Rückschau diesen Schritt. Der LCV hat dadurch bei seinen Veranstaltungen in der Session steigende Besucherzahlen und kann mit sage und schreibe 89 Tänzerinnen in fünf leistungsstarken Garden aufwarten. Flexibel sind die Narren auch: Weil die HEIMATLIEBE feste Redaktionsschlüsse hat, wird schon seit Jahren extra der traditionelle Fototermin mit dem neuen Dreigestirn – in diesem Jahr Prinz Jan, Jungfrau Tobina und Bauer Hendrik – vorverlegt, damit alles rechtzeitig im Kasten ist.



Für die Karnevalisten vom LCV ist das Dorfleben jedoch nicht am Aschermittwoch vorbei, sie sind das ganze Jahr aktiv: Im Frühjahr haben einige der Aktiven mit kräftiger Unterstützung aus dem Dorf und vom Bürgerverein das Tretbecken aus den 60er Jahren samt dem dazugehörigen Platz im Liesetal wieder auf Vordermann gebracht. Mit seinem rustikalen Unterstand, Picknickbänken, Waldsofas, einer Blumenwiese und Insektenhotels ist hier vor allem an heißen Sommertagen ein beliebtes Ziel für Familien entstanden. Für das kommende Jahr sind weitere Arbeiten in Planung – und ein großes Fest am 14. November, mit dem die Session zum 60. Geburtstag des LCV eröffnet werden soll.
So einige runde Vereinsgeburtstage gab es in den letzten Jahren zu feiern: Im Juli 2023 stand für die St. Hubertus- Schützenbruderschaft das 125-jährige Jubiläum an. Der Ritter vom Freien Stein hat längst das Zeitliche gesegnet, aber dafür hat Liesen jetzt einen Kaiser Wilhelm: Willi Schlichtherle hatte sich beim Kaiserschießen gegen seine hochmotivierten Königskollegen durchgesetzt und bildet nun zusammen mit seiner Frau Dunja das Kaiserpaar bis zum nächsten runden Geburtstag der Schützenbruderschaft.

Was wäre ein Schützenfest und überhaupt ein ganzes Jahr im Dorf ohne Musik, die so selbstverständlich zu den unterschiedlichsten Anlässen spielt? Dafür sorgen zuverlässig seit genau 50 Jahren „Die Liesetaler“. Sie machten im Mai 2025 ein halbes Jahrhundert voll und feierten dieses Jubiläum mit einem rauschenden Musikfest und vielen befreundeten Musikvereinen. Und weil die Musikanten neben den Festvorbereitungen noch genug Energie übrig hatten, haben sie nebenher auch noch die Theresienhütte renoviert und damit ein schönes Ausflugsziel mit einer herrlichen Sicht auf Liesen geschaffen.
Ebenfalls seit 50 Jahren besteht die Reservistenkameradschaft. Über drei Jahrzehnte hatte sie dafür gesorgt, dass Liesen international bekannt war, zumindest in militärischen Kreisen: mit dem Internationalen Hochsauerlandmarsch für Soldaten und Reservisten. In Hochphasen nahmen daran bis zu 200 Mannschaften aus 15 Nationen teil, darunter auch aus den USA und Kanada. Dabei galt es, als Team einen bis 30 Kilometer langen Marsch durch unwegsames Gelände rund um Liesen zu schaffen und unterwegs militärische Aufgaben zu absolvieren. Durch die Corona-Pandemie musste der Hochsauerlandmarsch mehrmals ausfallen. Anschließend wurde er nicht wieder aufgenommen, weil der Reservistenkameradschaft mittlerweile die jüngeren und aktiven Mitglieder fehlen.
Jünger sind die Mitglieder von zwei Lieser Vereinigungen nicht unbedingt – aber dafür um so aktiver! Da sind zum einen die Strickfrauen aus Liesen, die seit vielen Jahren unermüdlich die Nadeln klappern lassen. Ihre handgestrickten Socken, Decken, Mützen oder Schals verkaufen sie für einen guten Zweck und haben auf diese Weise alleine seit 2020 5.550 Euro z.B. für die Trauergruppe Seelenbeben, für die Opfer der Ahrtalflut oder des Ukraine-Krieges oder fürs Kinderhospiz gespendet.
Ebenso agil ist die Senioren-Initiative, die seit vielen Jahren dafür sorgt, dass auch die älteren Mitbürger noch aktiv ins Dorfleben einbezogen werden. Einmal monatlich findet im Pfarrheim ein Treffen statt, außerdem engagieren sich die Senioren in der Flüchtlings- und Nachbarschaftshilfe.
Wo steht ein Blitzer, wann werden Kartoffeln gebraten, welches Fest steht als nächstes an, was gibt es sonst Wichtiges und Neues im Dorf? Neben dem Dorffunk und seiner dazugehörigen Internetseite über den Ort informiert darüber seit einigen Monaten auch zuverlässig eine Dorf-Gruppe in den sozialen Medien, die über 300 Teilnehmer schnell und zuverlässig bei den unterschiedlichsten Themen miteinander vernetzt. Ebenso einzigartig wie niedlich ist der erste Kreisverkehr des gesamten Stadtgebietes am Lieser Friedhof. „Doppelt hält besser“ dachte sich stattdessen Tobias Bleich: Er ist im kommenden Jahr gleichzeitig Jungfrau im Dreigestirn und amtierender Schützenkönig. Dem Dreikönigssingen wäre vor ein paar Jahren fast die Luft ausgegangen, weil sich nicht mehr genug Messdiener dafür fanden. Um die Tradition aufrecht zu halten, taten sich somit eine Reihe Väter zusammen, die seitdem mit ihren Kindern entlang der Häuser ziehen und für eine Menge Spaß und Freude darin sorgen.
Herausforderungen gibt es in einem Dorf mit rund 650 Einwohnerinnen und Einwohnern natürlich auch. Das sind z.B. fehlende Baugrundstücke für junge Familien und eine Lösung, wie es mit dem alten Sportplatz auf Dauer weitergehen soll. Die Dorfstraße müsste zudem dringend saniert werden – hier hoffen die Lieser auf baldiges Handeln beim Land NRW.
Wer die Lieser kennt, weiß, dass ihnen auch in diesen Punkten nicht die Ideen und die Luft ausgehen wird, zumal ihr Örtchen 2022 erfolgreich die sogenannte Reprädikatisierung als staatlich anerkannter Luftkurort bestanden hat.
Wir sind also jetzt schon gespannt auf das nächste HEIMATLIEBE-Ortsporträt in ein paar Jahren!
Text: Rita Maurer
Fotos: Rita Maurer, Privat