PADEL – UND GANZ VIEL HERZ FÜRS SAUERLAND
VIER JUNGE GRÜNDER INVESTIEREN IN EINE ANLAGE FÜR DEN COOLEN TRENDSPORT, UM IHRER HEIMAT ETWAS ZURÜCKZUGEBEN.
Von Carmen Ahlers
Ein verlassener Sportplatz, ein Trend aus den Metropolen Europas – und vier gebürtige Sauerländer, die sich davon nicht nur inspirieren lassen, sondern handeln. Was nach einer einfachen Idee klingt, ist in Küstelberg gerade dabei, zu einer kleinen Erfolgsgeschichte zu werden. Denn während viele junge Menschen ihre Heimat für Studium und Beruf verlassen, gehen Jonas Köster (29), Maria Schröder (28), Jan Schulte (32) und Christian Kuhnhenne (30) bewusst einen Schritt weiter: Sie kommen zurück – zumindest gedanklich – und investieren Zeit, Geld und Herzblut, um im Sauerland etwas Neues zu schaffen.
Die vier leben heute alle nicht mehr in Medebach, haben sich in Städten wie Düsseldorf ein neues Leben aufgebaut. Nur einer ist auch hinsichtlich seines Wohnortes dem Sauerland treu geblieben und ist nun in Wiemeringhausen sesshaft geworden. Doch auch die Verbindung der anderen drei ins Sauerland ist geblieben. Familie, Freundeskreise, Erinnerungen – und der Wunsch, der Region etwas zurückzugeben. „Wir sind regelmäßig dort, das ist nach wie vor ein großer Teil unseres Lebens“, sagt Jonas Köster. Aus genau diesem Gefühl heraus entstand die Idee, ein Angebot zu schaffen, das nicht nur touristisch interessant ist, sondern auch für Einheimische einen echten Mehrwert bietet.



PADEL SOLL AUCH IM SAUERLAND MÖGLICH SEIN
Die Wahl fiel auf Padel – eine Sportart, die international längst etabliert ist und als eine der am schnellsten wachsenden der Welt gilt. Besonders in Ländern wie Spanien oder Italien ist sie kaum noch wegzudenken. Der Reiz: Padel ist leicht zugänglich, schnell zu erlernen und lebt vom gemeinschaftlichen Spiel. Eine Mischung aus Tennis und Squash, die Generationen verbindet und sofort Spaß macht. Während der Boom im Rheinland und anderen Teilen Deutschlands bereits deutlich spürbar ist, gab es im Sauerland bislang kaum Möglichkeiten, den Sport selbst auszuprobieren. Genau diese Lücke wollen die vier schließen und freuen sich, dass ihr Vorhaben auf einer Fläche zwischen Medebach und Winterberg umsetzen können.
GUTE ZUSAMMENARBEIT MIT DER STADT MEDEBACH
Dass aus der Idee tatsächlich ein konkretes Projekt werden konnte, ist auch der guten Zusammenarbeit mit der Kommune zu verdanken. Gemeinsam mit Bürgermeister, Wirtschaftsförderung und weiteren Beteiligten wurde eine Lösung gefunden, die für alle Seiten überzeugt: Statt neu zu bauen, wird ein bestehender, kaum noch genutzter Sportplatz in Küstelberg sinnvoll nachgenutzt. „Da war viel Offenheit da und der Wille, etwas möglich zu machen“, betont Jonas Köster.
GANZ OHNE GEDULD GING ES NICHT
Ganz ohne Hürden verlief der Weg aber dennoch nicht. Vor allem bürokratische Prozesse verlangten Geduld. Genehmigungen, Abstimmungen und Formalitäten zogen sich teils länger als gehofft. „Das hat uns zunächst schon ein wenig ausgebremst“, gibt der 29-Jährige ehrlich zu. Umso bemerkenswerter ist es, dass die vier trotz dieser Herausforderungen dran geblieben sind – und nun kurz vor der Eröffnung stehen und auf der Anlage der große Endspurt ansteht.
1200 QUADRATMETER GROSSE PADEL-ANLAGE
Aktuell entsteht auf rund 1200 Quadratmetern eine moderne Anlage mit zwei Doppel- und einem Einzelplatz. Ergänzt wird das Ganze durch ein durchdachtes Konzept: digitale Buchung, automatisierter Zugang, Flutlichtsteuerung sowie ein kleines Gastroangebot mit Automaten, Sitzmöglichkeiten und Leihequipment. Ein Ort, der unkompliziert funktioniert – und gleichzeitig Raum für Begegnung schafft. Die Preise für eine runde Padel liegen zwischen 7,50 und 10 Euro pro Person.



VATER ÜBERNIMMT HAUSMEISTER-AUFGABEN
Dass das Projekt dabei auch eine sehr persönliche Note hat, zeigt auch ein Blick hinter die Kulissen: Jonas’ Vater bringt sich aktiv ein und übernimmt künftig „Hausmeisteraufgaben“ auf der Anlage. Im Rentenalter sorgt er somit dafür, dass alles läuft – und unterstützt das Projekt der Gruppe ganz praktisch. Ein Detail, das sinnbildlich für den Charakter des gesamten Vorhabens steht: Hier entsteht etwas gemeinsam, generationenübergreifend und mit echter Verbundenheit zur Region.
EINWEIHUNG IM JUNI MIT GROSSEM EVENT
Zur geplanten Eröffnung im Sommer soll genau dieses Gemeinschaftsgefühl im Mittelpunkt stehen – mit einem großen Event, Showmatches mit den deutschen Top-Spielern und der Möglichkeit für alle, den neuen Sport selbst auszuprobieren. Perspektivisch sind Turniere, Trainingsangebote mit lizensierten Trainern und weitere Veranstaltungen geplant. Auch ein Mitgliedssystem ist angedacht.
MUT UND GROSSER FINANZIELLER EINSATZ
Für die vier ist das Projekt Neuland. Zwar bringt der Gymnasiallehrer Jonas Köster unternehmerische Erfahrung aus der Immobilienbranche mit, doch eine Sportanlage zu entwickeln, ist für ihn und auch Maria Schröder, Jan Schulte und Christian Kuhnhenne eine Premiere. Vielleicht ist es gerade diese Mischung aus frischem Unternehmergeist und Heimatverbundenheit, die das Projekt so besonders macht. Und um die Padel-Anlage umzusetzen haben die vier Investitionen in sechsstelliger Höhe getätigt – eine Summe, die deutlich macht, dass sie an den Erfolg ihres Projekts glauben und somit Küstelberg um eine Attraktion reicher machen. Am Ende geht es um mehr als nur darum, einen neuen Sport zu etablieren. Es geht um die Rückkehr zu den eigenen Wurzeln, um neue Impulse für die Region – und um die Frage, wie man das Sauerland auch für die nächste Generation lebendig hält. Mit ihrem Padel-Projekt liefern die vier Investoren eine ziemlich überzeugende Antwort.
Fotos: Privat