NEUES ZUHAUSE IM ALTEN GESINDEHAUS
Nach 15 Jahren ist Peter Buschhoff auf den Hof der Familie in Völlinghausen am Möhnesee zurückgekehrt. Mit Ehefrau Friederike hat er ein Zuhause für ihre junge Familie geschaffen. Jetzt schmieden sie weitere Pläne. Friederike Scholten-Buschhoff erinnert sich noch gut an die ersten Besuche von Verwandten in ihrem zukünftigen Zuhause. Über eine schmale und steile Holztreppe kraxelten sie ins Obergeschoss des ehemaligen Gesindehauses. Wie in dem Geb äude mit ger ade mal 30 m 2 Grundfläche ein Zuhause entstehen sollte, dafür fehlte ihren Eltern und einem Onkel die Fantasie. „Heute sind sie gerne hier zu Gast“, erzählt die 38-Jährige lachend.
Sieben Jahre sind seit den ersten Ideen für den Umbau des lange leer stehenden Gebäudes vergangen. Vor vier Jahren zogen Friederike Scholten-Buschhoff und ihrem Ehemann Peter von Münster nach Völlinghausen. Für ihn war es eine Rückkehr. Er ist auf dem Hof, zu dem das Haus gehört, aufgewachsen. Der 1000-Einwohner-Ort Völlinghausen liegt in der Gemeinde Möhnesee im Kreis Soest. Im Jahr 1930 war der Hof durch Erbschaft in die Familie gekommen und lange verpachtet, die landwirtschaftlichen Flächen sind es bis heute. Peter Buschhoffs Eltern waren in den 1990er-Jahren mit ihren drei Kindern nach Völlinghausen gezogen. 2018 fragten sie, wer Interesse an der Nachfolge hätte. „Was uns begeistert hat, waren die Entfaltungsmöglichkeiten“, sagt Friederike Scholten-Buschhoff.
EINE NEUE TREPPE
Gebaut wird aktuell immer noch, aber das Gros der Arbeiten ist erledigt. Vier Stufen führen vom Hof hinauf zur Eingangstür des einstigen Gesindehauses, das sich zwischen dem großen Wohnhaus und dem 50 m langen Stall- und Scheunengebäude duckt. Vom Eingangsraum führt eine Glastür in den rückw.rtigen Garten. Eine Gästetoilette ist abgegrenzt und über eine neue Treppe aus Stahl geht es entlang einer freigelegten Bruchsteinwand nach oben. „Das hier ist das Herzstück und unser Lieblingsraum“, sagt Friederike Scholten-Buschhoff über die großzügige Wohnküche. Der Boden ist mit geräucherter Eiche gedeckt, die dunkle Küche ohne Oberschränke fügt sich harmonisch ein. Und über dem Esstisch öffnet sich der Raum bis unters Dach. Geplant haben sie all das gemeinsam. Peter, von Beruf Landtechnik-Ingenieur, hat viel mit einem Zeichenprogramm für Architekten ausprobiert. Und auch bei der Umsetzung haben sie mit Familie und Freunden so viel wie möglich selbst gemacht.In der Wohnküche ist zu sehen, wie die Buschhoffs gleich zwei Herausforderungen gelöst haben: Die schwierige Belichtung und das geringe Raumangebot im Gesindehaus. Die Fensteröffnungen waren und sind sehr klein. Neue Dachfenster und die zurückspringende Galerie sorgen jetzt dafür, das ausreichend Licht in die Wohnküche fällt. Um Platz zu schaffen, haben die Buschhoffs nicht nur bei einer „Abrissparty“ alle nicht tragenden Wände entfernt, sondern im Obergeschoss auch Durchbrüche ins alte Wohnhaus geschaffen. Dort nutzen sie die erste Etage für Wohn- und Badezimmer, Schlaf- und Kinderzimmer. Peters Eltern haben sich auf 160 m2 im Erdgeschoss reduziert. Die junge Familie bewohnt jetzt etwa 220 m2.
RAUM FÜR IDEEN
Friederike Scholten-Buschhoff, die in Münster Geschichte studiert und über ein agrarhistorisches Thema promoviert hat, und Ehemann Peter lieben es, Räume zu gestalten. Im Wohnzimmer kombiniert das Paar alte Holzmöbel mit Designklassikern. Einen Nebenraum, in dem das Klavier steht, hat es in einem satten Petrol gestrichen. An möglichst vielen Stellen kamen Lehm- und Kalkfarben zum Einsatz. Die Buschhoffs wollten ein gutes Raumklima schaffen, auch für ihre inzwischen zwei und fünf Jahre alten Söhne. Nicht nur für den Wohnbereich, dessen Sanierung etwa 160 000 € gekostet hat, haben sie Ideen. Auch die übrigen Gebäude möchten sie nach und nach neu nutzen. Alle stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und sind aus Naturstein gebaut. Während Wohn- und Gesindehaus neu verputzt wurden, zeigt das 50 m lange Stall- und Scheunengebäude weiter die Vielfalt des Materials. Schneller als ursprünglich geplant haben die Buschhoffs das Dach saniert. Im Rahmen des Programms Dorferneuerung konnten sie eine 35-prozentige Förderung vom Land erhalten. Den neuen Dachstuhl haben sie 2022 aus Käferholz aus dem eigenen Wald zimmern lassen. Darunter stehen nun vor allem im Winter Fahrzeuge aller Art – und manchmal auch ein Boot. Stellplätze sind begehrt, und die Vermietung ist eine gute Möglichkeit, bis vielleicht irgendwann einmal Wohnraum entsteht.In der Wagenremise baumeln noch ein paar rote Weihnachtskugeln an den Balken. Friederike Scholten-Buschhoff organisiert hier seit einigen Jahren einen kleinen Weihnachtsmarkt. „Handwerklich bin ich nicht so begabt, da versuche ich, mich in anderen Bereichen einzubringen.“ Bei Instagram teilt sie Eindrücke vom Hof unter dem Account „landleben_mit_aussicht“. Es gibt weiter viel zu tun. Vor arbeitsreichen Samstagen haben die Buschhoffs keine Angst. „Wir hätten das nie übernommen, wenn wir ab 50 nur noch auf der Couch sitzen wollten. Das ist eine Lebensaufgabe.“

Der 23-kW-Grundofen wird im Erdgeschoss befeuert, gibt seine Wärme aber vor allem oben in der Küche ab.
Die Küche – ein selbst aufgebautes Modell mit Arbeitsplatte vom Tischler – ist das Herzstück des Hauses.


Hier ist noch ein Streifen Leimfarbe zu sehen, mit der die meisten Räume im Wohnhaus gestaltet waren. Einige neue Elektroleitungen sind bewusst über Putz verlegt.
Das historische Stall- und Scheunengebäude bietet noch viele Möglichkeiten. Die Buschhoffs sind froh, dass sie die Baustelle „Dach“ schon abgeschlossen haben.

Text/Bilder: Andrea Hertlein