MIT DEN WOLLNASEN DURCH DIE GRÖNEBACHER WÄLDER
Anja Tausch lädt zu besonderen Spaziergängen ein – in Begleitung einer Herde voller Persönlichkeiten auf vier Beinen.
Wenn ein leises Blöken den Weg weist, ist man vermutlich in Grönebach angekommen. Dort bietet Anja Tausch mit ihren „Grönebacher Wollnasen“ Spaziergänge an, was viel mehr be- deutet als ein üblicher Ausflug: Es ist eine Begegnung voller Charme und Natur – und einer Herde voller Charakterköpfe auf vier Beinen.
Wer die „Grönebacher Wollnasen“ sucht, braucht nicht unbedingt ein Navi – Ohren reichen völlig. Dem leisen Meckern und fröhlichen Blöken zu folgen, ist meist der sicherste Weg. Frag einen Dorfbewohner und du bekommst garantiert ein Grinsen und den Tipp: „Einfach hinhören!“ Am Ende der Spur wartet eine Herde gut gelaunter Schafe – und der Beginn eines ganz besonderen Spaziergangs. Anja Tausch steht mitten in ihrer Herde, während sie alles vorbereitet. Einige Schafe bekommen eine Leine, andere laufen frei. Am Zaun hängt ein Eimer voller Leckerlis, die Gäste gerne mit auf den Weg nehmen dürfen. „Wir haben kein fixes Tempo – wir passen uns den Menschen an. Und natürlich den Schafen, die bei frischem Gras auch mal spontan eine Fresspause einlegen“, erklärt Anja lachend. Erwachsene haben ohnehin oft mehr Tempo als Kinder, wenn sie unterwegs sind.



OUESSANTSCHAFE – DIE KLEINSTEN SCHAFE DER WELT
In ihrer Herde mischen sich unterschiedliche Rassen. Besonders auffällig sind die Ouessantschafe – bretonische Zwergschafe, die ursprünglich von der französischen Insel Ouessant stammen. Sie sind die kleinste Schafrasse der Welt, dafür aber groß im Charme. Ihr aufgewecktes, manchmal freches Wesen macht sie zu idealen Begleitern für die tiergestützten Spaziergänge. Anfangs startete Anja Tausch nur mit den Zwergschafen, inzwischen gehören auch Soayschafe und ehemalige Flaschenlämmer dazu. „Das sind hauptsächlich Mix-Schafe“, erzählt sie. Manche Tiere bleiben lieber auf der Wiese und genießen Streicheleinheiten ihrer menschlichen Besucher, andere ziehen fröhlich mit. Jedes Schaf so, wie es will.
VON LEIPZIG INS SAUERLAND – UND ZU DEN SCHAFEN
Eigentlich hatte Anja Tausch nicht geplant, im Sauerland Wurzeln zu schlagen. Geboren in Leipzig, kam sie 2001 ins Sauerland, absolvierte ihre Ausbildung zur Hotelfachfrau und lernte ihren Mann kennen. Aus dem geplanten Rückweg nach Sachsen wurde nichts – das Sauerland wurde zur neuen Heimat. 2012 zog die Familie schließlich nach Grönebach. Der Wunsch nach eigenen Hühnern war schnell erfüllt, und mit ihnen zog auf einer Wiese in der Westernau ein mobiler Stall ein. Bald kamen fünf Schafe dazu – zunächst als Schutz vor Greifvögeln für die Hühner. „Irgendwann dachte ich, die Schafe könnten sich langweilen. Also habe ich sie einfach mal an die Leine genommen und bin spazieren gegangen“, erklärt die Grönebacher Tierfreundin.
VON DER IDEE BIS ZUM STARTSCHUSS – ZWEI JAHRE ARBEIT
Diese Spaziergänge gefielen nicht nur der Tierfreundin, sondern auch den Schafen. Daraus entstand die Idee, diese außergewöhnlichen Ausflüge auch für Touristen anzubieten. 2022 startete sie mit ihren Planungen. Die Umsetzung benötigte fast zwei Jahre, denn es mussten Auflagen vom Veterinäramt erfüllt und ein Sachkundenachweis erbracht werden. Neben Papierkram stand praktisches Training auf dem Programm: Die Schafe wurden langsam an die Leinen gewöhnt. Manche Tiere liefen sofort begeistert mit, andere blieben lieber an jeder Wiese stehen. Ostern 2024 war es schließlich so weit: Grönebach hatte eine neue Attraktion -die Wanderungen mit den Wollnasen starteten.



JEDE TOUR EIN UNIKAT – DIE SCHAFE UND IHRE PERSÖNLICHKEITEN
Heute gehören zehn Schafe fest zur Wandergruppe. Anja kennt jedes Tier in- und auswendig und wählt für jede Tour die passenden Begleiter. Denn wie Menschen haben auch Schafe individuelle Charakterzüge: Kurt, der Jungbock, ist ein Spaßmacher und Holy anfangs eher zurückhaltend. Rhabarber und Selma sind Kuschelprofis, während Tabea als selbstbewusste Anführerin vorneweggeht. „Jedes Schaf hat seinen eigenen Kopf“, sagt die Grönebacherin. „und alle haben ein feines Gespür für Menschen.“



„Jedes Schaf hat seinen eigenen Kopf, und alle haben ein feines Gespür für Menschen.“
ENTSCHLEUNIGUNG AUF VIER BEINEN
Wenn die Gäste eintreffen, stellt Anja Tausch ihre Wollnasen vor und erklärt einige Grundregeln. Die Stimmung ist locker, niemand muss sich beeilen. Unterwegs gibt es Pausen zum Fotografieren, Durchatmen und einfach Genießen. Die Route führt durch Grönebacher Wälder und über saftige Wiesen. An besonders schönen Plätzen lädt Anja dazu ein, auf mitgebrachten Kissen Platz zu nehmen – zum Plaudern, Ausruhen oder Kuscheln mit den Schafen. Und um die grandiose Aussicht zu genießen.
ERLEBNIS FÜR GROß UND KLEIN
Vor allem Familien mit Kindern sind begeistert. „Viele Mädchen und Jungen haben vorher noch nie ein Schaf gestreichelt“, sagt Anja Tausch, „es ist schön zu sehen, wie vorsichtig sie erst sind und wie schnell sie dann auftauen.“ Auch Erwachsene genießen die Auszeit vom Alltag. Manche buchen die Tour als Überraschung für Freunde oder Partner. In der Regel dauert ein Spazier- gang 1 bis 1,5 Stunden, angepasst an Wetter, Gruppe und Tierlaune. Selbst im Winter macht ein Ausflug mit den Wollnasen Freude – sofern das Wetter mitspielt. Generell gilt: Bei starkem Schnee, Gewitter oder extremer Hitze pausiert die Herde, im Sommer gibt es dafür stimmungsvolle Abendtouren zum Sonnenuntergang.



SCHAFPFLEGE, SEIFE UND GLÜCKSSTRÄHNEN
Der Alltag mit den Schafen bringt Pflege mit sich: Einmal im Jahr werden die Tiere geschoren, dreimal im Jahr gibt es Klauenpflege, und der Stall muss immer sauber gehalten werden. Für Anja Tausch ist das keine Last, sondern Erfüllung. „Mein Traum war immer, mit Tieren zu arbeiten. Wegen meiner Allergie gegen Pferde und Meerschweinchen war das lange nicht möglich. Umso schöner, dass ich jetzt im Nebenerwerb genau das machen kann, was ich liebe. Für mich ist es kein Job, sondern ein kleines Stück Leben. Dreck an den Stiefeln, Heu im Haar und ein Lächeln im Gesicht.“
„Für mich ist es kein Job, sondern ein kleines Stück Leben. Dreck an den Stiefeln, Heu im Haar und ein Lächeln im Gesicht.“
Auch die Wolle findet Verwendung: Sie wird unter anderem zu Schafwollseife verarbeitet, bei der das Keratin der Wolle in die Seife übergeht. Außerdem gibt es Schlüsselanhänger mit „Glückssträhnen“ – kleine Haarbüschel eines Lieblingsschafs als Andenken.


Kontakt:
Grönebacher Wollnasen
Anja Tausch
info@groenebacher-wollnasen.de
Tel.: 0151-67778328