Michel Dirlenbach aus Olpe hat in diesem Sommer den Weltmeistertitel -81 des World Boxing Council in Muay Thai gewonnen. Vor vier Jahren hat der heute 19-Jährige mit diesem Kampfsport begonnen und eine steile Karriere hingelegt. Seine Worte machen eines deutlich: Muay Thai ist weit mehr als ein Duell – es ist ein Akt von Respekt, Hingabe und Durchhaltevermögen.
Verona – die Stadt der Krieger
Aida und Guiseppe Verdi, Romeo und Julia, eine 2000 Jahre alte Gladiatoren-Arena – Verona ist eine der berühmtesten Städte der Welt. Und sie war in diesem Sommer Kulisse der Weltmeisterschaft des Muay Thai und brachte die globale Community dieses Kampfsportes zusammen. Mit 850 Kämpfern aus mehr als 65 Ländern. „Es war eine Riesenchance für mich“, sagt Michel Dirlenbach, der mit 15 Jahren seinen ersten Kampf bestritten hat.
„Dass ich in so kurzer Zeit so weit komme, damit habe ich nicht gerechnet.“
Natürlich war es der Plan, Gold zu holen. Dass das aber wirklich wahr werden konnte, hat sich erst im Laufe des Turniers ergeben. Ab dem Viertelfinale war klar, dass die Medaille zum Greifen nahe war. Das Halbfinale gewann Michel gegen England, das Finale gegen die USA. „Da fiel der ganz Druck der letzten Monate und Wochen ab. Ich und mein Trainer waren völlig fertig. Erst in den darauffolgenden Tagen haben wir realisiert, was wir geschafft haben.“
Thailands Nationalsport
Muay Thai entstand vor Jahrhunderten als Kriegskunst. Es war überlebenswichtig, den Gegner im Nahkampf mit schnellen kraftvollen Techniken zu bezwingen. Über Generationen weitergegeben, entwickelte sich die Kampfkunst zu einer bedeutenden Säule der thailändischen Kultur, zu einem Stück Identität des südostasiatischen Landes.
Muay Thai wird auch „Die Kunst der acht Gliedmaßen“ genannt. Fäuste, Ellenbogen, Knie und Schienbeine werden benutzt, was den Kampf sehr vielfältig und intensiv macht. Dies steht im Gegensatz zum traditionellen Boxen, bei dem nur die Fäuste zum Einsatz kommen, und zum Kickboxen, bei dem mit Fäusten und Füßen geschlagen wird. „So wie hier Fußball gespielt wird, wird in Thailand Muay Thai gekämpft. Die Stadien sind voll, jeden Tag gibt es Kämpfe“, erzählt Michel. Mittlerweile erlebt Muay Thai weltweit einen wachsenden Bekanntheitsgrad – auch in Deutschland.
Rocky Balboa
Michel Dirlenbach hat sich in vielen Sportarten ausprobiert: Fußball, Leichtathletik, Bogenschießen … „Als ich irgendwann die Rocky-Filme gesehen habe, war ich Feuer und Flamme für Kampfsport und habe in Wenden angefangen, zu trainieren. Zuerst MMA, eine Kampfsportart, die Techniken aus verschiedenen Kampfkünsten kombiniert. Daraus wurde für mich unter meinem Trainer Sebastian Schneider aus Möllmicke dann Muay Thai.“
Zwischen Risiko und Disziplin
Einen Kampfsport wie Muay Thai zu betreiben bedeutet auch, Risken einzugehen. Verletzungen sind Teil dieses Sports. „Im Training kämpfen wir miteinander, nicht gegeneinander. Im Wettkampf sieht das anders aus. Mein Körper ist mein Kapital, den muss ich schützen. Und der beste Weg dazu ist, den Gegner schnellstmöglich zu besiegen, ihn k.o. zu machen“, erklärt Michel. „Du kannst den Sport nicht spielen, du kannst ihn nur kämpfen.“
Muay Thai fordert aber nicht nur körperliche Härte, sondern ebenso mentale Stärke, Respekt, Hingabe und Disziplin. Die Tage von Michel Dirlenbach beginnen morgens um fünf und sind gefüllt mit Arbeit, Training im Energy Gym und Regeneration. Dazu gehört ebenso eine entsprechende gehaltvolle und ausgewogene Ernährung, Alkohol und Süßigkeiten sind tabu. Mindestens 4000 Kalorien benötigt er täglich, damit sein Körper das Trainingspensum schafft.
Muay Thai als Karrierepfad
Michel Dirlenbach weiß: Muay Thai ist sein Ding. Das will er machen! Zurzeit absolviert er eine Ausbildung zum Industriemechaniker bei Klemm-Bohrtechnik. Sozusagen als Fundament, als Sicherheit und Backup. Sein eigentlicher Weg nämlich soll nach Thailand führen. In die Profiszene des Muay Thai. Um sich mehr als 100 Prozent dem Sport zu widmen. In einer Community, die einen Traum, ein Ziel, eine Wellenlänge hat.
Und dann Weltmeister werden. Wir von der HEIMATLIEBE wünschen dir viel Glück, Michel!
Text: Birgit Engel,
Fotos: Birgit Engel,
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