KLEINER CAMPER AUS TIEFENHAGEN
Von Matthias Schäfer
FRANZ MALY ERFAND 1957 WOHNWAGEN, DIE NOCH HEUTE EXISTIEREN.
FAHTI Junior 400. Was ist das? Die Wiege dieses beliebten Campingmobils stand Ende der 50er Jahre in Sundern-Tiefenhagen. Kopf des kleinen Unternehmens war der Erfinder Franz Maly.
An der Valstadt experimentierte er seit 1950 mit dem neuen Kunststoff Polyester. Ziel war es, einen „brauchbaren Polyester-Wohnwagen aus einem Stück“ zu bauen, wie die Zeitschrift Auto Motor Sport 1961 berichtete. Dazu goss Maly zunächst eine untere, dann eine obere Schale und klebte diese zusammen. 1957 war der erste FAHTI fertig und Maly stellte ihn auf Messen vor. „Er hatte gefällige runde Ecken“, so urteilte Auto Motor Sport. Dazu kamen große Panoramafenster aus Plexiglas und ein äußerst großer Innenraum. Und der FAHTI hatte eine Dämmschicht aus Moltopren- Schaumstoff. Weil der Name „Wiesel“ geschützt war, machte Franz Maly aus „Fahrzeugbau Tiefenhagen“, wie seine Firma hieß, einfach „FAHTI“.



Der kleine Wohnwagen fand guten Absatz. Die Nachfrage stieg und der kleine Betrieb war damit überfordert. Maly ließ den Wagen dann bei Georg Schneider, Holzindustrie, in Lindau bauen. Es folgten FAHTI 600 Luxus, ab 1963 der 400 und ab 1964 der 800. 1969 endete dort die Produktion in Deutschland, die Firma BIOD in Holland setzte sie unter neuem Namen fort, erklärt die Internetseite Fahti.net, die übrigens der aus Eslohe stammende André Blaschke pflegt. Er selbst besitzt drei FAHTIs und listet alle noch existierenden FAHTIs auf, immerhin etwa 200. Der FAHTI-Erfolg lag am Preis: Der Junior 400 kostete bei 450 kg Gewicht 4700 D-Mark. Mit dem geringen Gewicht konnte ihn ein VW 1200 mühelos ziehen. André Blaschke sagt: „Maly hat einen haltbaren Campingwagen geschaffen, der auch heute noch sehr einfach zu reparieren ist.“ Lob gibt es auch von anderer Seite: Die Firma Erich Hymer stellt einen FAHTI 600 Luxus im hauseigenen Museum aus.
Franz Maly lebte in den 70er Jahren bei Nazaré (Portugal), wo er einen kleinen Ferienpark betrieb. Dort starb er Mitte der 80er Jahre. Doch der FAHTI lebt weiter: In Bochum nutzt Familie Tristram den 2001 gekauften FAHTI 600 bis heute: „Meine Frau und ich waren mit ihm – bis die Kinder kamen – in den Dolomiten, in England, in Irland. Vorteil war immer die Leichtigkeit“, sagt Markus Tristram. Heute werde der Campingwagen eher als zusätzliche Übernachtungsmöglichkeit genutzt. Auch er findet, dass der sogenannte „Polyester-Papst“ Franz Maly aus Tiefenhagen eine hervorragende Pionierarbeit geleistet hat.
Fotos u.a.: Matthias Schäfer