KLEIN ABER OHO
REFERINGHAUSEN – WENN EIN DORF VIELE KÜHE UND TATKRÄFTIGE BEWOHNER HAT.
Klein, aber oho – so bezeichnet sich Referinghausen ganz selbstbewusst auf seiner Homepage. Und wenn man mal genauer hinschaut, was im Dorf alles so bewegt wird, dann trifft dieser Slogan wirklich zu!
Vor sieben Jahren haben die Referinghäuser ihr 750. Dorfjubiläum groß gefeiert und neue Meilensteine gesetzt. Danach war aber nicht etwa die Luft raus, sondern es wurden laufend weiter Projekte überlegt und größtenteils in Eigenleistung umgesetzt, um den Ort lebens- und liebenswert zu halten. Spoiler: Für diese Tatkraft ist Referinghausen 2022 mit Silber auf Landesebene beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ ausgezeichnet worden.



Wir haben uns in Referinghausen mal buchstäblich auf die Suche nach besonderen Dingen gemacht, die für das Dorf stehen:
Ref – kurz und knapp, so ist Referinghausen in der Grafschaft und im ganzen Medebacher Stadtgebiet bekannt.
Einwohnerzahl – aktuell sind es 216, darunter die beachtliche Zahl von 39 Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Der Trend ist erfreulicherweise leicht steigend, in den vergangenen Jahren sind junge Leute zurück nach Referinghausen gezogen und haben Familien gegründet.
Fitnesspark Ebenau – so heißt der ehemalige Fußballplatz des TuS Blau-Gelb Referinghausen, der kürzlich mit viel Ideen und Aufwand zu einem Mehrgenerationen-Treffpunkt umgebaut worden und wirklich einen Besuch wert ist … mit Sportfeld, Kinder-Klettergerät, Boulefeld, Fußballgolfplatz und Pumptrack-Anlage ist er nun der Stolz des Dorfes. Ein Outdoor-Fitnessparcour bietet neun Trainingsgeräte mit genauen Anleitungen (QR-Code) in drei Schwierigkeitsgraden, alles ist rund um die Uhr kostenlos nutzbar.
Ersterwähnung – das war 1269, damals wurde der “Zehnte von Referdenchusen“ schriftlich festgehalten. Vermutlich ist Referinghausen deutlich älter und geht auf Rikfred zurück, der um 800 n.Chr. mit seiner Sippe an der Wilden Aa gesiedelt haben soll. Der Ortsname könnte abgeleitet sein von “Dort, wo die Leute des Rikfred hausen“.
Robin Hood … äh, Hogrebe – ist der berühmteste zeitgenössische Referinghauser und holte neben vielen anderen hohen Auszeichnungen die Weltmeisterschaft im 3D-Bogenschießen. Sein Verein, die „Nighthunters Referinghausen“, hat sich in der Bogen-Szene einen bedeutenden Namen gemacht. Der jüngere Bruder Linus Hogrebe ist auch in der Erfolgsspur und wurde im November Deutscher Meister.
Info-Stelen – dabei handelt es sich um ein großes Projekt, das seit vielen Monaten in Arbeit ist und den „Turm der Verbundenheit“ an der Hauptstraße ergänzt. Dieser Turm besteht aus 216 Stäben, für jeden Einwohner eine. Ein Stab alleine würde nicht stehen, aber alle zusammen ergeben ein stabiles Gebilde, das sich trägt, so ist der Gedanke dahinter. An den Stelen werden verschiedene Einwohner mit ihrem Engagement und ihrem ganz persönlichen Blick auf Referinghausen, seine Vereine und seine Besonderheiten vorgestellt. An der Anlage gibt es eine überdachte Sitzgruppe, einen Getränke- und Snackautomaten sowie eine öffentliche Toilette; sie vervollständigt als letzte Station den Wanderweg „Open Mind Places“.
Niederländische Doppelspitze – die gibt es nur in Referinghausen: Ortsheimatpfleger ist Frans van Hulten und Ortsvorsteherin seine Frau Heleen Zwebe. Die beiden sind 2014 nach Referinghausen gezogen und mit ihrem Engagement fürs Dorf ein Bilderbuch-Beispiel für gelungene Integration.
Geschichte erleben – das geht analog in der realen Heimatstube im Pfarrheim, aber auch digital. Die Dorfgemeinschaft hat monatelang Fotos, Filme, O-Töne und Schriftdokumente gesammelt, digitalisiert und so für alle greifbar gemacht …. einfach unter digitale-heimatstube-referinghausen.de stöbern!
Herzlichen Glückwunsch – 2025 feierte der Gasthof zur Post 165 Jahre Schankerlaubnis. Er wird seit sechs Generationen von der Familie Schmidt betrieben. Sage und schreibe 50 Jahre lang haben „Schweizes Hanni und Reiner“ alias Schlechter den Küsterdienst in der Kirche mit ganz viel Hingabe erfüllt und sind nun in ihren verdienten Ruhestand gegangen.
Alle drei Jahre – findet seit 1995 auf Christi Himmelfahrt ein mehrtägiges Dorffest statt. Dreimal gab es in dem Rahmen auch ein riesengroßes Open-Air-Konzert mit tausenden Zuschauern, bei dem die ganze Hauptstraße gesperrt wurde und bekannte Bands wie „Die Draufgänger“ oder die „Dorfrocker“ auftraten, zuletzt Ende Mai 2025. Ein solches Event mit seiner gesamten Logistik geht nur, wenn die Dorfgemeinschaft zusammenhält, vorbereitet und mit anpackt.
Unterwegs – rund um den Ort sind zwei besondere Wanderstrecken sehr zu empfehlen. Da ist der rund drei Kilometer lange Milchweg, mit dessen Konzept die Referinghäuser wiederum ihren Humor beweisen: „Mehr Kühe als Einwohner“ ist ein weiterer Werbeslogan fürs Dorf. Aus dieser Tatsache wurde der familienfreundliche Milchweg mit seinen acht Erlebnisstationen und jeder Menge spielerischer Infos über Milcherzeugung, Natur und Landschaft. Als einer der schönsten Erlebnispfade in Deutschland gilt der Wanderweg „Open Mind Places“ – Orte der offenen Gedanken. Auf rund sieben Kilometern trifft man auf kunstvolle Installationen des Referinghäuser Architekten Christoph Hesse.
Sportlich – sind die Referinghäuser, und das mit teilweise ungewöhnlichen Sportarten. Die bogenschießenden Nighthunters sind schon genannt worden. Eine ganz originelle Truppe zwischen 50 und 90 Jahren trifft sich wöchentlich zum „Walking Football“ – „Geh-Fußball“, bei dem nicht gerannt oder der Ball mehr als hüfthoch gespielt werden darf. Zweikämpfe, Abseits und Torwarte gibt es nicht, dafür aber eine Menge Spaß, so dass sich auch schon auswärtige Gehfußballer eingefunden haben. Die 2016 gegründeten „Flying Darts“ sind mit zwei Mannschaften im Liga-Betrieb angemeldet, außerdem laden zwei Frauen-Sportgruppen zum Mitmachen ein.
Ein Dorf erinnert sich – so heißt das Album, das anlässlich des 750-jährigen Jubiläums als Gemeinschaftsaktion zusammengestellt worden ist. Im Klappentext heißt es: „Dank der Beiträge und Fotos sehr vieler Einwohner, Ehemaliger und Freunde des Dorfes entstand ein vielfältiger Blick auf die jüngere Vergangenheit Referinghausens – auf das, was wir vermissen, was vielleicht schiefgelaufen ist und auch auf das, von dem wir bis heute profitieren.“
Nachhaltigkeit – ist ein großes Anliegen und Ziel. Dank der nahegelegenen Biogasanlage der Firma Frese im benachbarten Titmaringhausen und des Pioniergeistes aller Beteiligten kann Referinghausen mit Fernwärme versorgt werden. Im Ort sind ungenutzte Flächen in gemeinsame Blumenwiesen verwandelt worden, im Frühling wird ein Schwalbenturm aufgebaut. Weitere kleinere Projekte sind in Arbeit. „Im Dorf drüber nachdenken, was man für die Natur machen kann“, ist der Plan von Ortsvorsteherin Heleen Zwebe für die Zukunft. „Wir haben in den letzten Jahren viel in Referinghausen gemacht und wollen das jetzt pflegen – und immer den Blick darauf richten: Was verbindet das Dorf und die Leute!“
Text: Rita Maurer