Ihr Herz schlägt für das Haus des Herrn

Gisbert Steinrücken kommt aus der Haustür seines Wohnhauses und eilt, schnellen Schrittes Richtung Dorfmitte. Sein Ziel: Die St. Cyriakus Pfarrkirche mitten in Bruchhausen an den Steinen. Diesen Gang geht er täglich, mehrfach. Morgens zum Aufschließen, abends zum Abschließen und wenn heilige Messe gefeiert wird, dann auch zwischendurch.  

“Ich öffne immer die Eingangstür unter dem Turm, die unten zur Krypta und auch die Eingangstür zur Turmkapelle”, erzählt Gisbert Steinrücken. Er ist seit vielen Jahren der Küster, die Pfarrkirche sein zweites Zuhause. 

Da gibt es auch immer was zu tun. “Ich gehe einmal überall gucken. Mal hat einer das Licht angelassen, dann müssen die Blumen gegossen oder die Heiligenfiguren entstaubt werden. Irgendwas ist immer”, der 81-Jährige lacht.  

Ein Mann mit gesundem Gottvertrauen

“Manchmal kommen auch Besucher rein, die mal gucken wollen. Da beantworte ich gerne auch Fragen”. Wie auf Bestellung kommt eine holländische Familie vorsichtig die Treppe aus der Krypta hinaufgelaufen.

Etwas verschüchtert, das riesige Gotteshaus ist ja komplett leer. Gisbert Steinrücken bricht die ehrfürchtige Stille mit einem fröhlichen “Hallo, kommen sie ruhig rein”, spontan bietet er eine Kirchenführung an, auch das ist eine seiner unzähligen Aufgaben.  

Der Küster und die Besucherfamilie verschwinden durch die eine und kehren nach etlichen Minuten durch eine andere Tür zurück. Sie bedanken sich und verabschiedet sich freundlich voneinander. Es scheint gefallen zu haben.  

Die Heiligenfiguren bekommen frisches Brot

“Ich habe ihnen die Turmkapelle gezeigt. Die haben nicht schlecht geguckt, was sich da oben noch versteckt”, Gisbert Steinrücken strahlt über das ganze Gesicht. Die Turmkapelle ist eines von seinen unzähligen Kirchenprojekten:

“Sie versteckt sich oben im Turm, der ist ja noch von der alten Kirche übrig. Da habe ich erstmal den Putz neu gemacht, das Fenster beleuchtet und alles schön renoviert.” 

Auch ich darf mir diesen besonderen Ort anschauen. Der Küster hat dort ein echtes Schmuckstück geschaffen. Er macht mich auf ein Kreuz an der Wand aufmerksam. “Das habe ich aus dem Müll gerettet. Das sollte weg. Dieses Kreuz hang früher bei uns in der Schule im Klassenzimmer. Ich habe es restauriert, jetzt hängt es hier.” 

Sicherlich kommen dem Malermeister mit eigenem Betrieb seine handwerklichen Fähigkeiten hier sehr entgehen, dennoch sind es unendlich viele Stunden an Arbeit, die er heimlich still und leise erledigt. 

“Manchmal kommt auch in der Kirche der Putz von der Wand, da muss man dann nachbessern. Was willst du da erst jemanden bestellen, das mache ich.” 

Auch die Heiligenfiguren aus dem 19. Jahrhundert sind bei ihm in den besten Händen. Als junger Mann hat er in seiner Ausbildung auch mal bei einem Kirchenrestaurator gearbeitet.

“Der hat mir viele Tricks gezeigt. Weißt du, wie man die Figuren am besten reinigen kann? Du gehst zum Bäcker und kaufst frisches, warmes Brot. Damit werden die abgerieben. Es gibt nichts Besseres.” Wenn man den 81-Jährigen fragt, woher diese Nähe zur Kirche und dieser unglaubliche Elan kommen, Achselzucken.

“Das war schon immer so. So bin ich groß geworden. Als Kind war ich Messdiener, als junger Mann durfte ich Andachten abhalten und bei der Prozession die Monstranz tragen, weil unser verstorbener Pastor Josef Hövelmann im hohen Alter nicht mehr so konnte. Ich habe als Lektor Dienst getan, Jugendarbeit gemacht, war über Jahrzehnte im Kirchenvorstand aktiv und jetzt bin ich eben der Küster. Die Kirche ist mein Leben, so ist das.” 

Gisbert Steinrücken fühlt sich in seiner Kirche nie allein. “Oft sitze ich auch einfach da vorne auf dem Hocker, direkt neben der Sakristei-Tür. Da kann man so schön alles überblicken.

”Das ist sein Lieblingsplatz direkt unter dem Motto-Bild der Kommunionkinder, auch das wird – welch Überraschung – vom Küster jedes Jahr aufs Neue gemalt. 

Eine Stunde lang laufen die Vorbereitungen

Aber auch sonst ist sie da.  Pünktlich, immer gut eine Stunde vor Beginn jeder heiligen Messe. Vier Hände schaffen eben mehr als zwei. Denn es fällt etliches an: Kerzen werden entzündet, die Gotteslobe kontrolliert, die liturgischen Bücher müssen an den richtigen Platz, die Messdiener werden eingekleidet.

All das macht Hannelore Steinrücken nun schon seit 10 Jahren. Die heilige Messe beginnt, die 74-Jährige sitzt auf ihrem Stammplatz mit Blick auf Teile des alten Altars.

Ein Relikt aus der ersten Bruchhauser Pfarrkirche. Hier hat es ihr das Bild von “Jesus am Kreuz” besonders in der Mitte des Altars angetan. “Da schaue ich immer drauf. Das gefällt mir.

”Von dort aus steuert sie Altarinsel und Amboss an, wenn sie den Lektoren-Dienst übernimmt oder beim Austeilen der heiligen Kommunion hilft. 

Gut eine Stunde, die Messfeier ist vorbei, die Gottesdienstbesucher haben die Kirche verlassen, jetzt geht es ans Aufräumen. “Alles wieder Retoure”, Hannelore Steinrücken lacht.

“Das Kerzenlicht wird gelöscht, die wertvollen Kelche müssen erst gewaschen werden und dann wieder im Tresor verstaut werden, die Gewänder gehören in den Schrank.

”Während Gisbert Steinrücken viel innerhalb der Kirche repariert und in Ordnung bringt, nimmt Hannelore Steinrücken einiges an Arbeit mit nach Hause.  

“Die Altardecken, die Gewänder, Fahnen, das muss ja alles irgendwann mal gewaschen werden”, sie lacht. Wachsflecken oder auch Vogelkot inklusive, eines der fliegende Geschöpfe Gottes hatte sich zuletzt nämlich in die Kirche verirrt. 

“Besonders lange dauert das Bügeln. Wir haben verschiedene Stoffe, wie Nessel, Baumwolle oder Leinen. Mit Spitze und ohne. Das ist man schon mal drei Stunden beschäftigt.” 

Kampf gegen Wachsflecken und Vogelkot

“Die Altardecken, die Gewänder, Fahnen, das muss ja alles irgendwann mal gewaschen werden”, sie lacht. Wachsflecken oder auch Vogelkot inklusive, eines der fliegende Geschöpfe Gottes hatte sich zuletzt nämlich in die Kirche verirrt.  

“Besonders lange dauert das Bügeln. Wir haben verschiedene Stoffe, wie Nessel, Baumwolle oder Leinen. Mit Spitze und ohne. Das ist man schon mal drei Stunden beschäftigt.” 

Auch Bürokram übernimmt sie, zum Beispiel die Dokumentation der Kollekte, schließlich muss alles seine Ordnung haben. Pro Woche muss man also schon ein paar Stunden rechnen.

Das ist für sie nicht neu. Hannelore Steinrücken hat eine ehrenamtliche Vergangenheit. Lange Jahre hat sie die katholische Frauengemeinde in Bruchhausen geleitet, die Arbeit in der Kirche macht ihr große Freude.

“Es erfüllt mich und gibt mir Zufriedenheit. Ich bin Christin, ich helfe gerne.” 

Bastkörbchen als Notfallset

Für Notfälle aller Art steht bei ihr Zuhause übrigens ein kleines Bastkörbchen bereit. “Das erste Hilfe Set für Küster”, erzählt Hannelore Steinrücken scherzend. “Da ist alles Notwendige drin: Streichhölzer, Stecknadeln, Batterien, Nähzeug,

Handy. Also, wenn ich mit dem Körbchen losziehe, dann habe ich Dienst in der Kirche.” 

Man möge zur Institution Kirche nun stehen, wie man will, eines ist aber klar: Mit Hannelore Steinrücken und Gisbert Steinrücken hat die Pfarrgemeinde St. Cyriakus Bruchhausen zwei besondere Menschen im Kirchenschiff, die das Ruder in die Hand nehmen.

Jeden Tag aufs Neue. Für ihr Engagement und ihren Elan dürfen wir dankbar sein. Nennen wir sie doch “Gottes treue Verwalter”.  

Von Alexa Schröder