HISTORISCHE GEMÄUER BEWAHRT MAN AM BESTEN, INDEM MAN SIE NUTZT
EINE ZEITREISE AUF GUT GLINDFELD
Wie beschreibt man am treffendsten einen historischen und gleichzeitig so lebendigen Ort wie Gut Glindfeld, das in dem gleichnamigen kleinen Weiler Glindfeld ca. drei Kilometer entfernt von Medebach liegt? Zum Beispiel, indem man einen Blick in die Google-Rezensionen wirft:
„Bin beeindruckt von diesem Gut.“
„Das ist ein sehr schöner Gutshof. Mit regionalen Kleinmärkten mit regionalen Spezialitäten. Die Tochter des Hauses hat den Hof mit viel Liebe wieder hergerichtet. Hier gibt es auch kleine Konzerte. Man kann die neu restaurierten Gebäude auch mieten für Familienfeiern und dergleichen. Sehr empfehlenswert, ich liebe diese Umgebung dort.“
„Der Laden ist super.“
„Toller Hofladen, schöne Umgebung und einesehr nette Besitzerin, die gute Wandertippsgibt.“
„Toller Ort! Tolle Leute!“
„Beautiful historic place. Is being restored toit’s old glory at this moment.“
„Wir haben im kleinen Kreis unsere standesamtlicheTrauung und die anschließende Feierauf Gut Glindfeld verbracht. Wir sind von derPlanung, Unterstützung und natürlich vomAmbiente total begeistert.“
Auch, wenn dort schon eine Menge auf den Punkt gebracht wird, machen wir es uns in der HEIMATLIEBE natürlich nicht ganz so einfach und werfen erst einmal einen Blick in die ereignisreiche Geschichte: Gut Glindfeld ist ein Teil des 1298 erbauten Klosters Glindfeld. In den drei Jahrhunderten zwischen 1499 und 1804 hat dieses Kloster mit seinen Kreuzherren-Mönchen die gesamte Region nicht nur geistlich, sondern auch wirtschaftlich, sozial und kulturell entscheidend beeinflusst, die Spuren davon sind bis heute zu finden. Das dazugehörige Gut diente der Versorgung der Bewohner und Gäste des Klosters, die Mönche führten dort neue landwirtschaftliche Methoden ein.
1804 wurde jedoch aufgrund der Säkularisation neben vielen anderen Abteien auch das Kloster Glindfeld aufgelöst und einige Jahre später Teile davon – darunter auch die Klosterkirche – abgerissen. Das Gut mit dem dazugehörigen Wald und seinen Ländereien blieb bestehen und wechselte mehrfach den Besitzer, bis es 1924 in die Hände von Anton Heller aus Willingen kam. Er und sein Sohn Detmar Heller, der 1947 als 19-Jähriger aus dreijähriger russischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, führten die Land- und Forstwirtschaft umsichtig weiter und bauten ihren Holzhandel auf Gut Glindfeld auf. 1962 gab die Familie Heller die Landwirtschaft auf und konzentrierte sich auf Forst und Holzhandel. Die altehrwürdigen Gebäude und das wie eine kleine Burg anmutende Wohnhaus wurden dabei gehegt und gepflegt – auf alten Fotos ist zu erkennen, dass sich das Gut optisch kaum verändert hat.
AUFWÄNDIGE SANIERUNG
2017 kehrte Tochter Sophia-Antonia Heller nach einigen Jahren im In- und Ausland nach Glindfeld zurück und übernahm den Familienbesitz. Gemeinsam überlegte, die Familie, wo dessen Zukunft liegen könnte. Womit punktet das Gut? Mit Wald, mit Wild und dem wunderschönen Gelände: „Historische Gemäuer bewahrt man am besten, indem man sie nutzt“, war sich die Familie einig. Somit beschloss sie, die denkmalgeschützten Stallgebäude zu sanieren und noch mehr der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Von außen wirken Scheune, Kuh- und Schweinestall, wie sie immer noch liebevoll genannt werden, nach der aufwändigen Sanierung wie eh und je. Und doch sind sie energetisch und technisch auf den neuesten Stand gebracht und mit moderner Architektur behutsam kombiniert worden, ohne ihren nostalgischen Charme dabei zu verlieren – im Gegenteil!
Seitdem finden dort Firmen- und Familienfeiern mit bis zu 150 Personen in verschieden großen Räumen, Tagungen, Messen und sogar traumhafte Hochzeiten statt. Beim Westfälischen Schützentag war das Gut stilvoller Rahmen für den Großen Zapfenstreich vor hunderten Schützen. Das Gut ist als Außenstelle des Standesamtes Medebach für Trauungen zugelassen. In der Kapelle direkt gegenüber können kirchliche Hochzeiten stattfinden. Auf Gut Glindfeld wächst mittlerweile die vierte Heller-Generation heran – ein schönes Zeichen, dass die so reichhaltige Vergangenheit des Gutes eine Zukunft hat.