Seit mehr als vierzig Jahren ist Franz-Josef Göddecke Vorsitzender des Naturschutzbundes im Kreis Olpe. In der HEIMATLIEBE spricht er über sein Engagement für die heimische Flora und Fauna und darüber, was jeder einzelne tun kann, um zum Schutz unserer Heimat beizutragen.
Herr Göddecke, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben.
Was hat Sie damals dazu bewegt, sich für den Naturschutz zu engagieren?
Ich bin 1983 in den NABU – damals noch Deutscher Bund für Vogelschutz – eingetreten und noch im gleichen Jahr Beisitzer im Vorstand geworden. Ein Jahr später wurde ich schließlich zum Vorsitzenden der Kreisgruppe gewählt. Meine persönliche Motivation war vor allem, die Lebensbedingungen für wildlebende, heimische Tiere zu verbessern – etwa durch eine aktive Gestaltung von Biotopen, bei der gezielt Laichgewässer für Amphibien wie Frösche, Kröten und Molcharten angelegt werden.
Welche Hauptaufgaben übernimmt der NABU hier vor Ort?
Wir betreiben Umweltbildung für Mitglieder und Nichtmitglieder. So bieten wir etwa Vorträge und Exkursionen an, unterstützen aber auch die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Olpe (UNB). Wir wirken außerdem in Arbeitskreisen und Gremien wie dem Naturschutz-Beirat mit, der die UNB bei Schutz, Pflege und Entwicklung der Landschaft unterstützt.
Aktuell liegt ein Schwerpunkt unserer Arbeit in der Optimierung einer vor zwei Jahren erworbenen Streu-obstwiese in Hillmicke. Wir veranstalten außerdem jährlich einen Obstbaumschnittkurs in Theorie und Praxis sowie Fledermausexkursionen und Kurse zur Biotoppflege, beispielsweise auf NABU-eigenen Flächen und im Naturschutzgebiet „Dünscheder Heide“, dessen Eigentümer der Kreis Olpe ist.
Welche ökologischen Probleme sind in unserer Region besonders dringend?
Der Kreis Olpe ist mit vielen schützenswerten Tier- und Pflanzenarten sowie mit hervorragenden Biotopen ausgestattet – das ist alles andere als selbstverständlich. Es stellt eine bedeutende kulturhistorische Leistung unserer Vorfahren dar, die in Jahrhunderten entstanden ist und für die wir Verantwortung tragen, was ihren Erhalt und ihre Entwicklung betrifft. Unsere Landschaft und ihre Bewirtschaftung sind einem sehr schnellen Wandel unterlegen. Der aktuelle Wissensstand über die Natur im Kreis, ihren Erhaltungszustand und die erforderlichen Schutzmaßnahmen reicht leider noch nicht aus, um die zukünftigen Herausforderungen zu bewältigen. Der Kreis Olpe besitzt heute durch seine landschaftliche Vielfalt auch eine bedeutende Biodiversität, also eine Vielfalt an Lebensräumen und Ökosystemen, die bewirken, dass viele auf Landesebene bereits als selten eingestufte Arten im Sauer- und Siegerland noch vergleichsweise häufig zu finden sind.
Dazu gehören zum Beispiel verschiedene Kröten und Molche, Waldschnepfe und Rotmilan, aber auch die Haselmaus und seltene Pflanzen wie Arnika und Hornkraut. Es besteht jedoch ein großer Handlungsbedarf, um das dauerhafte Überleben der seltenen Flora und Fauna zu sichern. Daraus ergibt sich eine überregionale Verantwortung des Kreises Olpe für diese Arten und eine Dringlichkeit von regionalen Monitoring- und aktiven Schutzmaßnahmen. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW hat inzwischen bereits verschiedene Flächen kartiert und durch entsprechende Verordnungen in seinen Landschaftsplänen unter Schutz gestellt.
Was können Haus- und Gartenbesitzer tun, um die heimische Tier- und Pflanzenwelt zu unterstützten?
Ein großer Teil unserer Siedlungsflächen besteht aus Gärten – in Summe ein bundesweites Netz potentieller Flächen für die Natur. Haus- und Gartenbesitzer sollten aus einem Gefühl von Verantwortung für die Natur in ihrem Lebensumfeld einen Teil ihrer Gärten naturnah gestalten. Sie sollten auf Insektizide und Biozide verzichten, heimische standortgerechte Pflanzen bevorzugen und keine Schottergärten anlegen. Sie sollten dem Leben, der Natur eine Chance geben. Man muss Natur im Garten wollen und ermöglichen, das ist der Anfang. Heimatliebe ist eben immer auch Naturschutz. Der NABU Olpe berät im Rahmen seiner personellen Möglichkeiten Bürger auf Anfrage gern bei der Gartenplanung.
Ein Thema, das die Sauerländer aktuell besonders umtreibt, ist die Rückkehr des Wolfes in unsere Region. Wie steht der NABU zu dieser Diskussion?
Die bisherige Entwicklung der bundesweiten Wolfspopulation macht die Ansiedlung des Wolfes auch im Kreis Olpe sehr wahrscheinlich. Aus Sicht des Naturschutzes wird unter anderem zu berücksichtigen sein, welche Auswirkungen dieses Tier unter dem Stichwort „Artenvielfalt“ und in Bezug auf nachhaltige Flächenbewirt-schaftung gerade in unserer reich strukturierten Landschaft haben wird.
Für die Entwicklung des Waldes ist der Wolf sehr hilfreich, da er die Bestände von Schalenwild wie Rehen, Hirschen und Wildschweinen reguliert und damit Verbissschäden an jungen Bäumen eindämmt. Er hat bei uns nur eine Chance, wenn er die Weidetierhaltung nicht beeinträchtigt. Der NABU klärt vor allem durch sachliche, wissenschaftsbasierte Information über Wölfe auf und schafft so alte Vorurteile aus der Welt. In öffentlichen Diskussionsrunden ist es sehr leicht, die Stimmung gegen den Wolf anzuheizen. Auch, wenn seitens der Gesetzgeber die Voraussetzungen für einen leichteren Abschuss geschaffen werden, ersetzt der Abschuss keinen Herdenschutz. Wir nehmen die Ängste und Sorgen der Menschen sehr ernst. Der Wolf ist gekommen, um zu bleiben. Deshalb sollten bewährte Schutzmaßnahmen für Weidetiere als prioritäre Maßnahmen finanziell gefördert und sofort umgesetzt werden.
Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für den Naturschutz in der Zukunft – und was wünschen Sie sich für unsere Region?
Der Klimawandel wird den negativen Trend in den Beständen der Lebensräume und Arten noch weiter verschärfen. Die Nachbesserung der erforderlichen Schutzmaßnahmen wird große Anstrengungen sowie eine realistische Folgenabschätzung unseres Handelns erfordern und erhebliche Kosten verursachen. Der Kreis Olpe braucht eine Biologische Station! Die Naturschutzverbände haben dazu ein Konzept erarbeitet und die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung zur Erfüllung der vielen Naturschutzaufgaben klar herausgearbeitet. Um diesen Herausforderungen zumindest besser nachkommen zu können, haben alle Flächenkreise und kreisfreien Städte in NRW bereits eine solche Einrichtung – die meisten schon über viele Jahre. Bisher wurde nicht eine einzige wieder aufgegeben – ein großes Erfolgsmodell also. Nur der Kreis Olpe ist leider landesweit der sprichwörtliche „weiße Fleck“ auf der Landkarte. Unter dem Dach einer Biologischen Station könnten Landnutzer sowie amtlicher und ehrenamtlicher Naturschutz zielgerichtet zusammenfinden. Auch öffentliche Institutionen wie Schulen, Kindergärten und Vereine würden von einer Biostation profitieren. Wir wünschen uns daher ein Umdenken der Politiker des Kreistages und die Zustimmung zu diesem Projekt.
Wie kann man sich beim NABU engagieren?
Die Teilnahme an Veranstaltungen des NABU-Kreisverbandes ist ein guter Einstieg. Um entsprechende Informa-tionen und Hinweise dazu zu erhalten, ist auf jeden Fall ein regelmäßiger Besuch der Homepage unseres Kreisverbandes zu empfehlen. Zur Mitarbeit an Biotoppflegemaßnahmen und zur Teilnahme an unseren Veranstaltungen wird auch über die Tagespresse aufgerufen. Nach Absprache kann auch die verantwortliche Übernahme von Arbeiten in einem NABU-Biotop oder die Mitarbeit in Vereinsgremien erfolgen. Weitere Informationen unter www.nabu-olpe.de
Text und Foto: Silke Clemens