Heimat auf dem Teller – Genuss mit Herz und Herkunft

Im Gespräch mit Christian Mitterbacher, Küchenchef im Göbel’s Landhotel Willingen.

Willingen steht für Natur, Aktivurlaub und herzliche Gastlichkeit. Doch auch kulinarisch hat der beliebte Urlaubsort einiges zu bieten – vor allem im Göbel’s Landhotel. Dort sorgt Küchenchef Christian Mitterbacher mit seinem Team für kreative Genussmomente, die tief in der Region verwurzelt sind. Im Interview erzählt er, warum er sich in Willingen heimisch fühlt, wie er Regionalität in seiner Küche lebt und was Gäste auf keinen Fall verpassen dürfen.

Herr Mitterbacher, Sie haben eine beeindruckende kulinarische Laufbahn hinter sich. Warum haben Sie sich für Willingen entschieden?
Ich komme ursprünglich aus Salzburg, habe in Österreich gelernt, war in Tirol, Kärnten und viele Jahre in der Schweiz tätig. Gemeinsam mit meiner Frau habe ich zuletzt ein eigenes Gourmet-Restaurant in der Nähe von Zürich geführt. Nach der Pandemie war es schwierig, qualifizierte Mitarbeiter zu finden, also haben wir uns für einen Neuanfang entschieden. Durch Zufall kam der Kontakt zur Familie Göbel zustande – und es hat sofort gepasst. Seit November 2023 bin ich hier Küchenchef. Willingen bietet eine großartige Mischung: eine touristisch lebendige Umgebung, tolle Menschen und viel Natur vor der Tür. Für mich als Outdoor-Fan und für meine Familie einfach perfekt.

Was schätzen Sie an Ihrer Arbeit in einem Landhotel wie dem Göbel’s besonders?
Die Vielseitigkeit! Wir kochen nicht nur für Hausgäste, sondern auch für Tagungen, Events und investieren viel Energie in unser À-la-carte-Restaurant. Von Hochzeiten bis hin zu privaten Feiern – bei uns ist alles dabei. Wir wollen auch die Einheimischen wieder stärker ins Hotel-Restaurant holen. Nach der Pandemie ist das ein bisschen eingeschlafen, deshalb machen wir unser Angebot wieder sichtbarer. Moderne, frische Küche mit regionalem Bezug ist unser Konzept. Ob Fisch, Fleisch, vegetarisch oder vegan – wir bieten kulinarische Vielfalt mit überraschenden Komponenten. Unsere Gäste verwöhnen wir so gerne mit 4- oder 5-Gänge-Menüs.

Welche Rolle spielen regionale Speisen in Ihrer Küche?
Eine ganz entscheidende. Wir bauen kontinuierlich ein Netzwerk mit regionalen Produzenten auf: Bio-Molkereien, Rinderzüchter aus Brilon, Fisch vom Edersee, heimisches Wild. Saisonalität ist für uns selbstverständlich – im Herbst etwa gibt es Wild, Kürbis, Äpfel und Pilze aus den heimischen Wäldern. Tomaten verschwinden im Oktober von der Karte, dafür kommen erdige Gemüse. Wir sammeln sogar manche Kräuter und Pilze selbst. Regionalität heißt für mich auch: bewusst ein kaufen, Qualität wertschätzen und kulinarische Erlebnisse schaffen. Daran arbeiten wir kontinuierlich.

Haben Sie typische Gerichte oder Zutaten aus dem Upland, die Sie besonders gern verwenden?
Ja, Handkäse als Ravioli ist ein tolles Beispiel. Außerdem arbeiten wir gern mit Hochheide-Lamm oder interpretieren Klassiker wie Frankfurter Grüne Soße neu. Für mich ist wichtig: Tradition bewahren, aber modern interpretieren. Schnitzel wird bei uns nie verschwinden – ich bin schließlich Österreicher (lacht) –, aber auch das bekommt bei uns einen frischen Twist. Unser regionales Netzwerk wollen wir auch in Zukunft weiter ausbauen.

Viele Gäste achten heute auf Nachhaltigkeit und bewusste Ernährung. Wie setzen Sie das um?
Nachhaltigkeit ist uns sehr wichtig, auch wenn wir noch nicht bei 100 Prozent sind. Wir verzichten zum Beispiel bewusst auf Fleischersatzprodukte und bieten stattdessen kreative, rein pflanzliche Gerichte an. Drei bis vier vegetarische oder vegane Optionen gibt es immer, dazu berücksichtigen wir Allergien individuell. Die Nachfrage steigt, und wir freuen uns darüber.

Was dürfen Gäste auf keinen Fall verpassen?
Unser Aroma-Menü! Vier Gänge, die die Vielfalt unserer Küche zeigen – viele Kräuter, hausgemachte Produkte, überraschende Kombinationen. Und das Beste: Ich komme gern persönlich an den Tisch und erzähle, was wir servieren. Für mich gehört der Kontakt zu den Gästen einfach dazu.

Zum Schluss: Wie schmeckt für Sie Heimat?
Frisch, ehrlich, bodenständig. Heimat ist für mich das Gefühl, angekommen zu sein – und das haben wir hier in Willingen gefunden.

Text: Ralf Hermann
Fotos: Göbel Hotel Collections

REZEPTE

Honigäpfel an Hessischer Apfelbrandsauce

Zutaten für ca. 4 Personen:
4 St. große Äpfel aus der Region
200ml Apfelsaft naturtrüb
1 EL Waldblütenhonig
40g Sultaninen
10 Walnüsse entkernt und halbiert
50g Hessischer Apfelbrand
30g Butterflocken sehr kalt

Vorbereiten: Sultaninen über Nacht in Apfelsaft einlegen.

Zubereitung: Äpfel schälen, Kerngehäuse ausstechen und in 1 ½ cm dicke Scheiben schneiden. Apfelsaft und Honig aufkochen. Apfelscheiben in die Flüssigkeit legen und bei niedrigster Temperatur weichkochen. Garvorgang überwachen, damit die Äpfel nicht zu weich werden und zerfallen. Apfelscheiben aus dem Saft nehmen und warm stellen.
Hessischen Apfelbrand zum Apfel-Honigsaft geben und auf 1/3 einkochen lassen. Nüsse, Sultaninen und kalte Butter in den warmen Apfelfond rühren.

Anrichten: Apfelscheiben auf Teller anrichten. Mit dem warmen Saft übergießen. Sehr gut dazu schmeckt eine Kugel Vanille oder Zimteis.

Nudelteigtaschen mit Willinger Ahle Wurscht, Lauch und Pfifferlingen

Zutaten für ca. 4 Personen:
80g Ahle Wurscht kleingewürfelt
50g Zwiebeln fein geschnitten
1 Msp. Knoblauch, gepresst
30g Butter
250g Lauch in Streifen geschnitten
50g Paniermehl
1 Ei, verquirlt
50g Schmand, Salz, Pfeffer
350g Nudelteig
50g Butter
200g geputzte Pfifferlinge
Salz, Pfeffer, Muskatnuss
Nudelteig:
340g Hartweizendunst
(extra feiner Hartweizengrieß)
2 Eier verquirlt
11/2 EL Olivenöl
Salz, Muskat

Vorbereiten: für den Nudelteig die mit etwas Salz und Muskat gewürzten Eier und das Olivenöl unter den Hartweizendunst arbeiten und zu einen festen, elastischen Teig kneten. Mindestens ½ bis 1 Stunde im Kühlschrank in Klarsichtfolie gewickelt stehen lassen.

Zubereitung: Lauch kurz in Salzwasser blanchieren, gut ausdrücken und fein hacken. Ahle Wurscht, Zwiebel und Knoblauch in der Butter dünsten. Lauch und Paniermehl dazugeben.
Unter Rühren mit der Holzkehle kurz aufkochen. Pfanne von der Herdplatte ziehen. Ei und Sahne darunter rühren und mit Salz und Pfeffer würzen.
Nudelteig hauchdünn ausrollen. Auf eine Hälfte in einem Abstand von 3 cm kleine Häufchen von der Fülle geben. Die Zwischenräume mit einem Backpinsel mit Wasser befeuchten. Die andere Teighälfte darüberschlagen und Zwischenräume von Hand gut andrücken. Mit einem runden Ausstecher Kreise ausstechen. In Salzwasser ca.3-4 Minuten Kochen lassen.
Butter in einer Pfanne schmelzen, Pfifferlinge dazugeben, und die Ravioli darin schwenken. Mit Muskat und Pfeffer abschmecken.

Variante: Man kann am Schluss noch geriebenen Handkäse darüber geben, dann schmeckt es noch mehr nach Heimat.

Rezepte: Christian Mitterbacher
Fotos: Göbel Hotel Collections