HÄUSER, MENSCHEN, GESCHICHTE
EIN BLICK AUF DAS DORFLEBEN DER 1930ER- UND 1940ER-JAHRE – FESTGEHALTEN VON ERHARD LÖFFLER
Mit seinem neuen Buch wirft Erhard Löffler einen intensiven Blick auf das Leben im Silbach der 1930er- und 1940er-Jahre. Auf knapp 200 Seiten dokumentiert er die Geschichte der Häuser und ihrer Bewohner – und bewahrt damit ein wertvolles Stück Dorfgeschichte. Mit großer Sorgfalt sammelte er Erinnerungen, führte Gespräche und wertete historische Aufzeichnungen aus.
Die Leidenschaft für Geschichte begleitet den gebürtigen Silbacher seit vielen Jahren. Schon mit seinem Buch über Kreuze und Bildstöcke der Region bewies er ein feines Gespür für die oft übersehenen Zeugnisse der Vergangenheit. Auch heute ist seine Neugier ungebrochen: Mit dem E-Bike erkundet er regelmäßig die Umgebung, entdeckt neue Spuren und sammelt Eindrücke für seine Projekte. „Er erträgt keine Langeweile“, berichtet sein Sohn Michael.
Sein Lebensweg ist eng mit Silbach verbunden. Sein Vater Karl führte ein Lebensmittelgeschäft mit Bäckerei und Landwirtschaft. Nach seiner Ausbildung übernahm er das Geschäft. Später gründete er 1958 in Winterberg den Edeka Löffler – ein Familienunternehmen, das er gemeinsam mit seinem Sohn Michael erfolgreich weiterentwickelte.
Als Erinnerung an sein Elternhaus ließ er 2021 in Silbach ein Feldkreuz errichten, das von Pastor Heinz Koch eingeweiht wurde. Auch das „Rote Herz“ im Winterberger Kurpark geht auf seine Initiative zurück. 2023 wurde Erhard Löffler für sein Lebenswerk mit dem Wirtschaftspreis der Stadt Winterberg ausgezeichnet. Als Zeitzeuge unterstützte er zudem das Buchprojekt zur Aufarbeitung der NS-Diktatur in Silbach von Philipp Schnorbus.


Für sein neues Werk investierte er viele Monate Arbeit: Er sprach mit Zeitzeugen, sichtete alte Dokumente und sammelte zahlreiche Fotos. Unterstützt wurde er dabei von seinem Sohn Michael, der die Druckvorbereitung übernahm.
Entstanden ist ein lebendiges Bild vom Silbach der damaligen Zeit – mit all seinen Facetten: dem Alltag, den Herausforderungen, prägenden Ereignissen und vor allem den Menschen. Besonders berührend sind die vielen Einzelschicksale, die Löffler einfängt. Auch der Bergbau, mit Schiefergrube, Spalthaus und drei Steinbrüchen, der vielen Familien Arbeit gab, wird anschaulich beschrieben.
So erzählt Löffler etwa vom Haus Schulten, das eng mit der Familie Klauke verbunden ist: Drei Söhne fielen im Krieg, Va- ter Mathias kam beim Einmarsch der Amerikaner ums Leben, Sohn Franz kehrte schwer verwundet heim. Auch Josef „Jockel“ Menke aus dem Haus Michels bleibt unvergessen – ein Mann, der trotz schwerer Schicksalsschläge nie aufgab: Zwei Brüder verlor er im Krieg, seine erste Frau starb im Kindbett, das Haus brannte ab, und seine zweite Frau kam kurz darauf bei einem Unfall ums Leben.
Auch Lichtblicke, gemeinschaftliche Erfolge und besondere Orte finden ihren Platz: Der Gasthof Birkenhauer war überregional bekannt für Feste, Theaterstücke und Kinoaufführungen. Zusammen mit dem Gasthof Meyer („Hausname Köster“) wurde dort sogar Politik gemacht.
Er erinnert an die Lourdes-Kapelle, errichtet von Josef Büker, sowie an die Maria-Hilf-Kapelle am Ennertweg von OT Menke. Auch das Wirken der Hebamme Sophia Birkenhauer (Haus Grotgans) wird gewürdigt – ein stiller, aber bedeutender Teil der Dorfgeschichte.
Das Buch trifft den Nerv der Zeit. Es ist eine Hommage an die Menschen von damals – an ihre Stärke, ihre Schicksale und ihren Mut. Und ein Geschenk an die Generationen von heute, um zu verstehen, woher sie kommen.
Erhältlich für 20 € im E-Center Löffler in Winterberg sowie in Silbach bei „Der Laden“.
Text: Sandra Ritter Fotos: Privat