Gemeinschaftsgärten Olpe: Essbare Stadt am Hexenturm

Zwischen historischen Mauern, gleich unterhalb des Olper Hexenturms wächst etwas ganz Besonderes: ein Ort der Begegnung, der Bildung und des Miteinanders. Was auf den ersten Blick wie eine wilde Wiese wirkt, ist tatsächlich ein blühendes Beispiel für nachhaltiges Zusammenleben. Der Verein „Gemeinschaftsgärten Olpe“ hat sich hier seine erste grüne Oase geschaffen.

Die Idee dafür brachte Alice Holterhoff aus der rheinland-pfälzischen Stadt Andernach mit, die sie 2020 besuchte. Dort war sie fasziniert von der Initiative „Essbare Stadt“, die mit dem Anbau von Nutzpflanzen auf öffentlichen Flächen die Natur zurück in die Stadt holen und neue Zugänge zu einer bewussten, gesunden Ernährung schaffen will.

Das Vorzeigeprojekt verwandelt seit 2010 konsequent öffentliche Grünflächen in nutzbare, essbare Gärten. „Ich war sofort begeistert und habe gedacht: So etwas brauchen wir in Olpe auch!“, berichtet sie. Gesagt, getan: Gemeinsam mit Mitstreiter Matthias Koch lud Alice Holterhoff schon wenig später zur Gründungsversammlung, an der rund 30 Interessierte teilnahmen. Der frischgegründete Verein fand schließlich auch schnell Unterstützer von offizieller Seite: „Die Stadt hat uns relativ unbürokratisch zwei Flächen In der Steinkuhle unterhalb der evangelischen Kirche zur Verfügung gestellt“, erinnert sich Holterhoff. So wächst seit 2021 im Verein Gemeinschaftsgärten Olpe Obst und Gemüse, aber auch eine Gemeinschaft, die sich über Generationen, kulturelle Hintergründe und Gartenerfahrung hinweg gegenseitig bereichert. „Es war vor allem das Gemeinnützige, das mich damals davon überzeugt hat, dem Verein beizutreten“, erinnert sich etwa Vereinsmitglied Cornelia Vanik.

Bildung, barrierefrei und bienenfreundlich
Im Vereinsgarten sprießen Tomaten, Mangold, Kartoffeln, Erdbeeren, Zwiebeln, Kräuter – und viele gute Ideen. Gesät wird gemeinsam, aber auch geerntet und verkocht: so etwa beim Herbst-Event „Wir verkochen Ernte!“, bei dem im Mehrgenerationenhaus, das in unmittelbarer Nähe zu den Gärten liegt, gemeinsam mit Bewohnern und Interessierten, aber auch mit Kindern der örtlichen Schulen und Kitas geschnippelt, gerührt, eingekocht und eingefroren wird, was die Beete hergeben.

„Wir konservieren Lebensmittel ganz bewusst auch mit alten Methoden – Trocknen, Fermentieren, Einlegen, Einkochen. Das Wissen darüber soll nicht verloren gehen“, betont Holterhoff.

Die Workshops sind dabei mehr als Küchenspaß. Es gibt kleine Theorieteile über Mikroorganismen, Bakterien und Pilze – und jede Menge praktische Erfahrungen: Apfelringe trocknen, Marmelade aus Weintrauben kochen oder süß-sauer eingelegte Gurken herstellen. In der Zeit von März bis Oktober dürfen die Kinder der kooperierenden Einrichtungen dann auch selbst erleben, wie ein Gartenjahr aussieht. Sie pflanzen, basteln Bienen-Nisthilfen und helfen bei der Ernte. So lernen schon die Kleinsten, dass Nachhaltigkeit mit einem Samen in der Hand beginnt. Vor zwei Jahren wurde zudem auf dem Rasen des Mehrgenerationenhauses ein rollstuhlgerechtes Hochbeet aufgebaut. „Wir wollten einen wirklich inklusiven Garten. Deswegen war uns wichtig, dass sich auch ältere oder in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkte Menschen beteiligen können“, sagt Holterhoff. Und das klappt: Bewohner des Hauses helfen beim Pflanzen, Gießen und Ernten.

Wer durch den Gemeinschaftsgarten läuft, findet kein sauber geharktes Idyll à la Schrebergarten. Und das ist auch gut so. „Wir arbeiten nach einem anderen Ansatz – wir gärtnern mit der Natur, nicht gegen sie“, erklärt Holterhoff. Beikräuter dürfen bleiben, Pflanzen dürfen sich gegenseitig stärken. „Wir wollen keinen Park – sondern ein lebendiges Ökosystem, in dem auch Insekten, Wildbienen und Kleinstlebewesen ihren Raum bekommen“, ergänzt Gründungsmitglied Eberhard Schnetzke. Für die Zukunft wünschen sich Holterhoff und das Team mehr aktive Helfer, vielleicht sogar mobile Gärten für die Dörfer rund um Olpe. „Wir sind immer offen für neue Gesichter – wer mitmachen will, ist herzlich willkommen“, betont Cornelia Vanik. „Uns geht es nicht nur um Gemüse, sondern darum, etwas gemeinsam wachsen zu lassen“, ergänzt Vereinskollege Bernd Kolter.

Infos
Der gemeinnützige Verein Gemeinschaftsgärten Olpe wurde 2021 aus der Taufe gehoben, um mit und für alle interessierten Menschen Gärten aufzubauen, die nicht nur den Anbau von Obst und Gemüse, sondern auch den Aufbau einer generations- und kulturübergreifenden Gemeinschaft zum Ziel hat. In den warmen Monaten treffen sich die Gartenfreunde In der Steinkuhle, in der kalten Jahreszeit finden sie sich zu verschiedenen Veranstaltungen zusammen. Deren Termine werden auf der Homepage unter www.gemeinschaftsgaerten.de und im Schaukasten direkt im Garten, hauptsächlich aber auf Instagram unter gemeinschaftsgaerten_olpe_ev bekanntgegeben.

Text und Fotos: Silke Clemens