Interview mit Pastor Klaus Engel, Leiter des Pastoralverbundes Bigge-Olsberg:

Was soll Kirche den Menschen in Zukunft anbieten?
“In einer Zeit, die so verunsichernd ist, wo der Wert des Menschen plötzlich so in Frage gestellt wird, zum Beispiel durch Dinge wie künstliche Intelligenz, nicht enden wollende Krisen um uns herum, da stellen sich Fragen:
Wo ist der Ort, wo ist die Gemeinschaft, wo ist der Punkt, an dem ich festen Halt unter den Füßen habe? Wo und mit wem bin ich verbunden? Wo habe ich jemanden, der mich nicht nur nach meiner Nützlichkeit beurteilt?
Hier ist Kirche eine Antwort, ein Instrument und auch dieser Gott, von dem wir sprechen. Er hat – meiner Auffassung nach – in diesem Kirchengebäude auch in Bruchhausen einen besonderen Ort. Hier können Menschen zur Ruhe kommen.
Ob das die Krypta unten ist, wo eine Kerze angesteckt wird. Ob man nur oben im Kirchenraum sitzt und das Gefühl bekommt, hier muss ich nicht nur nützlich sein. Hier darf ich sein wie ich bin.
An diesem Ort bin ich gewollt. Hier bestimmt nicht der Wert, hier habe ich einfach eine Würde, die ich nicht ständig verteidigen oder unter Beweis stellen muss. Das ist meine Auffassung von Kirche. Ein Ort, real und in unserer Vorstellung.“
Das Leben innerhalb der Kirche wird sich in den nächsten Jahren verändern. Das ist ein Prozess, der sich entwickeln muss. Daran soll sich die Kirchengemeinde beteiligen. Wie kann das aussehen?
„Wo sich Menschen versammeln, da wird Kirchengemeine sein. Ich erlebe Bruchhausen als eine vielfältige und aktive Gemeinde. Hier tun sich neue Chancen auf. Es gibt in Zukunft keine hauptamtlich-dominierte oder priesterlich-dominierte Kirche mehr.
Natürlich wird es noch einen Priester geben, es werden auch noch heilige Messen gefeiert. Aber es wird nicht so sein, dass ein Pastor eingeflogen kommt und die Gemeinde macht, sondern alle gestalten mit. Im Grunde ist das jetzt schon so.
Jeder ist willkommen mehr Verantwortung zu übernehmen, die Barriere ist jetzt so niedrig wie nie. Ich bin der Ansprechpartner und offen für alles Neue. Ich verstehe mich persönlich als Ermöglicher und nicht als Verhinderer.
Meine Antwort ist oft ehr “ja” als “nein”. Neue Dinge müssen besprochen und diskutiert werden, bis es dann einen Kompromiss gibt. Dafür müssen die Menschen auch in Bruchhausen nur guten Willens sein.“
Wo ist ihr Lieblingsplatz in der Pfarrkirche in Bruchhausen?
„Ich sitze gerne hinten in der Ecke der Kirche. Dann blicke ich auf dieses alte Kirchenfenster. Das gefällt mir sehr gut. Auch die riesige Altarinsel kann man gut sehen, um die sich die Gemeinde versammelt.
Auch den großen Leuchter finde ich sehr beeindruckend. Da hinten sitze ich in einem ruhigen Moment sehr gerne.“
Das Interview führte Alexa Schröder