Formel 4: Der Einstieg in den großen Motorsport und mittendrin ein 15-jähriger Sauerländer

Es ist der Traum vieler junger Motorsportfans: Irgendwann einmal in einem echten Rennwagen sitzen, das Visier schließen und mit über 200 Km/h über eine internationale Strecke rasen. Für Arjen Kräling aus Siedlinghausen ist dieser Traum Wirklichkeit geworden. Einen Tag nach seinem 15. Geburtstag feierte er im Juli 2025 sein Debüt in der britischen Formel 4.

Die Formel 4 ist eine Nachwuchsklasse im professionellen Motorsport. Sie richtet sich an Fahrerinnen und Fahrer zwischen 15 und 20 Jahren. Wer hier erfolgreich ist, hat die Chance auf eine Karriere in der Formel 3, Formel 2 und vielleicht sogar in der Formel 1. Viele bekannte Fahrer wie Lando Norris oder Charles Leclerc begannen genau hier ihre Laufbahn.
Ein Formel-4-Auto sieht aus wie ein kleiner Formel-1-Wagen. Es ist ein Einsitzer aus Carbon, mit offenen Rädern. Das Fahrzeug wiegt inklusive Fahrer rund 570 Kilogramm und erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 245 km/h bringt. Angetrieben wird das Fahrzeug von einem rund 180 PS starken Motor. Besonders wichtig ist die Tatsache, dass alle Teams sogenannte Einheitsautos nutzen, um faire Bedingungen zu schaffen. So kommt es vor allem auf das fahrerische Talent an.

VON DER SKIPISTE INS COCKPIT
Arjen Kräling begann seine sportliche Laufbahn als Skirennfahrer in Österreich. Im Alter von zwölf Jahren wechselte er auf den Asphalt und in den Kartsport. Bereits 2021 wurde er Vize-Deutscher-Meister im ADAC Kart Masters in der Klasse Mini 60. Es folgten internationale Einsätze in der OK-Junior-Kategorie mit den Karts von Kart Republic. Bei der Kart-Weltmeisterschaft 2023 in Italien erreichte er Platz 11. Im Jahr darauf fuhr er in Großbritannien sogar auf Rang 8. Auch in weiteren Top-Serien wie „Champions of the Future“ in Schweden konnte er sich in den vorderen Reihen behaupten.

DAS TEAM: ARGENTI MOTORSPORT
Arjen fährt, als jüngster Fahrer in seinem Team, seine erste Formel-4-Saison für Argenti Motorsport. Das britische Nachwuchsteam ist spezialisiert auf die Entwicklung junger Talente. Dort lernen Fahrer nicht nur das Auto zu beherrschen, sondern auch mit Daten zu arbeiten, technische Zusammenhänge zu verstehen und taktisch zu denken. Kommunikation mit dem Team, körperliche Fitness und mentales Training gehören ebenfalls zum Alltag.

ZANDVOORT – EINE RENNSTRECKE MIT CHARAKTER
Die Rennstrecke von Zandvoort gehört zu den bekanntesten in Europa. Sie liegt direkt an der niederländischen Nordseeküste, eingebettet zwischen Dünen und Meer. Der Wind weht fast ständig über die Strecke, und der feine Sand kann den Asphalt glatt machen. Dazu kommt das wechselhafte Wetter, welches die Rennen hier oft unberechenbar macht. Für die Fahrer heißt das: volle Konzentration von der ersten bis zur letzten Runde. Die Strecke ist 4,26 Kilometer lang und hat 14 Kurven. Einige davon sind besonders anspruchsvoll. Die Steilkurve mit dem Namen „Hugenholtzbocht“ verlangt viel Mut und ein gutes Gefühl fürs Auto. Auch die schnelle Passage namens „Scheivlak“ gilt als echte Herausforderung. Wer hier zu spät bremst oder zu früh beschleunigt, landet schnell im Kiesbett. Zandvoort ist im Kalender der britischen Formel 4 ein echter Härtetest. Im vergangenen Jahr stellte der Fahrer Deagen Fairclough hier eine starke Rundenzeit von 1:36,815 Minuten auf. Für einen jungen Fahrer wie Arjen Kräling ist Zandvoort also alles andere als ein einfacher Einstieg. Die Strecke verlangt fahrerisches Können, technisches Verständnis und starke Nerven. Wer hier gut durchkommt, zeigt, dass er bereit ist für die nächsten Schritte im Motorsport.

DAS ERSTE FORMEL-4-RENNEN IN ZANDVOORT
Das Wochenende in Zandvoort markiert Arjens erstes Rennen in der britischen Formel 4. Bereits im Qualifying wurde klar, wie anspruchsvoll das Niveau ist. Arjen belegte den 15. Platz. Die Bedingungen waren schwierig. Viel Verkehr auf der Strecke erschwerte es, eine freie Runde zu finden. Trotz allem war es eine solide Leistung für einen Debütanten. Im ersten Rennen zeigte Arjen, was in ihm steckt. Er arbeitete sich im hart umkämpften Mittelfeld nach vorn und beendete das Rennen auf Platz 11. In der Rookie-Wertung bedeutete das Platz 2 – ein beachtliches Ergebnis für ein erstes Formelrennen. Auch das zweite Rennen verlief positiv. Arjen kam auf Rang 13 ins Ziel und wurde Dritter unter den Rookies. Im dritten Lauf, kam er, dank Safety-Car und roter Ampel, nicht ins Tempo und wurde als 17. Gewertet. Trotzdem war das Wochenende ein Erfolg. Arjen bewies, dass er auf diesem Niveau mitfahren kann. Zwei Rookie-Podien zeigen, dass er konkurrenzfähig ist. Und auch in der Gesamtwertung platzierte er sich bereits im soliden Mittelfeld.

WAS DAS WOCHENENDE FÜR ARJEN BEDEUTET
Zandvoort war mehr als ein Renndebüt. Es war ein Meilenstein. Arjen konnte zeigen, dass er zu Recht in diesem Starterfeld steht. Er bewies, dass er nicht nur Talent, sondern auch die nötige mentale Stärke mitbringt. Die gesammelte Erfahrung ist wertvoll – sowohl im Cockpit als auch im Umgang mit Technik und Teamarbeit. Für Arjen beginnt jetzt die Phase der Weiterentwicklung. Die kommenden Rennen geben ihm weitere Möglichkeiten, sich zu beweisen und wichtige Punkte in der Rookie-Wertung zu sammeln.

SIEGERPODEST IN SILVERSTONE
Arjen zeigte auch im nachfolgenden Rennen in Silverstone eine starke Leistung – Nach einer Platzierung auf Platz zwei im Qualifying, fuhr er im ersten Lauf auf Platz 5, bevor er im zweiten Rennen mit einem starken dritten Platz aufs Podium kletterte. Im abschließenden dritten Lauf, der im Reverse-Grid-Format stattfand, kämpfte er sich auf Platz 14 ins Ziel. Insgesamt unterstrich Arjen erneut sein Potenzial in einem herausfordernden Rennwochenende.

SO FUNKTIONIERT EIN FORMEL-4-RENNWOCHENENDE
Ein typisches Wochenende beginnt mit freien Trainings. Am Freitag haben die Fahrer erstmals Gelegenheit, sich auf die Strecke einzustellen und gemeinsam mit dem Team am Setup zu arbeiten. Am Samstag folgt das Qualifying. In nur 15 Minuten müssen die Fahrer ihre schnellste Runde setzen. Diese entscheidet über die Startaufstellung für das erste Rennen. Pro Wochenende gibt es drei Rennen. Rennen 1 und 3 werden meist nach der Reihenfolge des Qualifyings oder nach dem Ergebnis des vorherigen Laufs gestartet. Rennen 2 ist ein sogenanntes Reverse-Grid-Rennen. Dabei werden die besten zehn oder zwölf Fahrer aus dem Qualifying in umgekehrter Reihenfolge aufgestellt. So startet der Zehntplatzierte von ganz vorne. Diese Regel sorgt für spannende Duelle und viele Überholmanöver.
Ein Rennen dauert rund 20 Minuten. Nicht in Runden, sondern in Zeit wird gewertet. Hinzu kommt eine Einführungsrunde vor dem Start. Die Fahrer analysieren danach jede Phase des Rennens mit dem Team. Sie werten Daten aus, vergleichen Linien und diskutieren technische Anpassungen.

SO WERDEN PUNKTE VERGEBEN
In der britischen Formel 4 erhalten die besten zehn Fahrer im ersten und dritten Rennen, Punkte nach dem FIA-Schema: 25 Punkte für Platz 1, dann 18, 15, 12, 10, 8, 6, 4, 2 und 1 Punkt. Im Reverse-Grid-Rennen gibt es ein anderes System. Hier bekommt der Sieger 15 Punkte, Platz 2 erhält 12, dann folgen 10, 8, 6, 4, 2 und 1 Punkt bis Platz 8. In der Rookie-Wertung zählen nur Fahrer, die ihre erste volle Saison in der Formel 4 bestreiten. Sie werden separat gewertet – allerdings auf Basis ihrer Gesamtplatzierung im Rennen. Für viele junge Talente ist diese Wertung besonders wichtig. Sie zeigt, wie man sich im Vergleich zu Gleichaltrigen und Einsteigern behauptet.

DIE NÄCHSTEN STATIONEN: ARJENS RENNKALENDER

Nach dem gelungenen Start in Zandvoort stehen für Arjen noch vier Rennwochenenden auf dem Plan:

  1. bis 17. August Knockhill
  2. bis 31. August Donington Park
  3. bis 21. September Silverstone
  4. bis 5. Oktober Brands Hatch

Jede dieser Strecken hat ihren eigenen Charakter. Arjen wird hier weiter an seiner Rennpraxis arbeiten, Erfahrung sammeln und versuchen, erneut Rookie-Podien zu erreichen. Wenn die Entwicklung so weitergeht wie in Zandvoort, stehen die Chancen gut. Der Weg in den professionellen Motorsport ist lang. Aber Arjen Kräling hat den ersten Schritt gemacht. Und er hat gezeigt, dass mit ihm zu rechnen ist.

HIER KÖNNT IHR ARJEN VERFOLGEN:
www.arjenkraeling.de oder auf
Instagram: @arjen_kraeling

Text: Luisa Hegel
Fotos: Bodo Kräling, Privat