FAIR GERÖSTET, FAIR GEDACHT
WARUM DER MEDEBACHER KLAUS LANGEN ÜBERZEUGT IST: GUTER KAFFEE BEGINNT NICHT IN DER RÖSTEREI, SONDERN BEI DEN MENSCHEN, DIE IHN ANBAUEN.
Von Carmen Ahlers
Es beginnt nicht mit einer Bohne, sondern mit einer Entscheidung. Für Klaus Langen aus Medebach ist Kaffee kein bloßes Alltagsgetränk – er ist eine Haltung. Eine, die weit über Röstgrade und Aromen hinausgeht. Denn hinter jeder Tasse steht für ihn eine Frage: Unter welchen Bedingungen wurde dieser Kaffee eigentlich produziert? Und genau dort setzt seine Arbeit an – mit dem Anspruch, Handel fair zu gestalten.
Die Wurzeln der Kaffeerösterei Langen reichen zurück ins Jahr 1959. Damals kehrte Langens Vater Günter aus Hamburg ins Sauerland zurück, wo er zuvor in einer Rösterei gearbeitet hatte. In Medebach begann er, unter der Firmierung Güla selbst Kaffee zu rösten. Mit ein paar Päckchen unter dem Arm zog er von Haus zu Haus und bot seine Ware an. Später entwickelte sich daraus ein Betrieb mit Ausrichtung auf Gastronomie und Handel. Auch ein Getränkehandel kam hinzu.
RÖSTEREI LANGEN ÜBERLEBT ALS EINE VON WENIGEN
Die Zeiten waren damals andere: In den 60er Jahren gab es in Deutschland rund 6000 kleine Röstereien. Kaffee war ein lokales Produkt, geröstet in kleinen Maschinen vor Ort. Marktveränderungen, steigende Preise und der Aufstieg von Supermärkten ließen viele dieser Betriebe verschwinden. Anfang der 90er Jahre waren nur noch etwa 150 übrig – die Rösterei Langen gehörte zu denen, die überlebten. Nicht zuletzt, weil sie sich weiterentwickelte.
EIN JAHR IN HONDURAS HAT KLAUS LANGEN GEPRÄGT
Klaus Langen stieg Mitte der 1990er Jahre in den Betrieb ein, sein Bruder Wolfgang übernahm zu diesem Zeitpunkt den Getränkehandel von Günter Langen. Klaus Langen hatte bereits eine kaufmännische Ausbildung, doch seine eigentliche Prägung für das Kaffeegeschäft erhielt er woanders: in Honduras. 1994 verbrachte er dort ein ganzes Jahr – und sah mit eigenen Augen, wie der globale Kaffeemarkt funktionierte. Oder besser: wie ungerecht er war. Kaffeebauern, die die Hauptarbeit leisten, wussten oft nicht einmal, zu welchem Preis ihr Produkt gehandelt wurde. Zwischenhändler bestimmten die Preise, Transparenz gab es nicht. „Das hat mich nicht mehr losgelassen“, sagt Klaus Langen, „ich wollte das anders machen.“ Zurück in Deutschland begann er, seinen eigenen Weg zu gehen – weg vom anonymen Handel, hin zu direkten Beziehungen.



MIT KOLPING EIN PROJEKT IN MEXIKO INITIIERT
Was heute vielerorts als Trend gilt, war damals ein Wagnis: direkter Einkauf bei Kooperativen, faire Preise, Vorfinanzierung. Langen initiierte gemeinsam mit dem Kolping Diözesanverband Paderborn ein Projekt in Chiapas, im Süden von Mexico. Ziel: Kaffee direkt von Kleinbauern beziehen, ihnen stabile Einnahmen sichern und sie aus Abhängigkeiten lösen. Es war kein einfacher Weg. Der Kaffee war teurer, Kunden mussten überzeugt werden. Langen reiste durchs Land, hielt Vorträge, zeigte Bilder, erklärte Zusammenhänge. Er wollte, dass die Menschen verstehen, was hinter ihrem Kaffeekauf steckt. Diese Überzeugungsarbeit gehört bis heute zu seinem Alltag.
KLAUS LANGEN HILFT, WO ER KANN
Der faire Handel ist kein geradliniger Erfolg. Kooperativen zerbrechen, Partner springen ab, Märkte verändern sich. Klaus Langen hat all das erlebt. Aber er blieb dran. Heute arbeitet er eng mit der Kooperative Puringla in Honduras zusammen. Rund 60 Prozent seines Kaffees bezieht er von dort. Die Zusammenarbeit ist geprägt von Vertrauen und Unterstützung. Ob Bio-Zertifizierung, Infrastruktur oder Bildungsprojekte: Langen hilft, wo er kann. „Am Ende geht es darum, den Menschen Perspektiven zu geben“, sagt er.
WACHSENDER ONLINEHANDEL UND REGIONALE KUNDEN
Die Rösterei in Medebach selbst ist klein geblieben. Zehn Mitarbeiter, ein Laden vor Ort, dazu ein wachsender Onlinehandel. Verkauft wird deutschlandweit, aber auch regional – zum Beispiel an die Bäckerei Isken, das Hotel Diedrich in Hallenberg und Einzelhändler wie E-Center Löffler in Winterberg. Viele dieser Kunden entscheiden sich bewusst für den Kaffee aus Medebach. Nicht nur wegen der Qualität, sondern wegen der Geschichte dahinter. Denn klar ist auch: Fairer Kaffee kostet mehr.
BEWUSSTE ENTSCHEIDUNG FÜR FAIREN HANDEL
In drei Jahren könnte die Übergabe an die nächste Generation – an die Söhne von Klaus und Heike Langen, Leonard und Julius – anstehen. Und somit gibt es die Chance, dass die Geschichte fortgeschrieben wird. Eine Geschichte, die in einem Eisenbahnwaggon begann, in dem Günter Langen einst Kaffee röstete. Und die heute von einer Idee getragen wird, die aktueller ist denn je: dass Handel fair sein kann – wenn man ihn bewusst gestaltet.
INTERVIEW DER HEIMATLIEBE MIT CELENIA LÓPEZ, PRÄSIDENTIN DER KOOPERATIVE PURINGLA (COOPERATIVA MIXTA DE CAFÉ ORGÁNICO Y ESPECIALES PURINGLA LTDA) AUS DER PROVINZ LA PAZ IN HONDURAS CELENIA, WAS ZEICHNET EURE KOOPERATIVE BESONDERS AUS?
Unsere Kooperative steht für mehrere wichtige Werte. Durch unsere Zusammenarbeit erreichen wir mehr wirtschaftliche Stabilität, da wir ein verlässlicheres Einkommen haben. Gleichzeitig stärkt uns die Gemeinschaft – der Austausch untereinander gibt uns Selbstvertrauen und hilft uns, unsere Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Wir gewinnen auch mehr Selbstständigkeit und können unsere Zukunft aktiver gestalten. Besonders wichtig ist uns, dass wir dadurch auch die Lebensbedingungen unserer Familien verbessern und ihnen bessere Perspektiven bieten können.



SEIT WANN ARBEITET EURE KOOPERATIVE MIT DER KAFFEERÖSTEREI LANGEN IN MEDEBACH/SAUERLAND ZUSAMMEN?
Wir haben Klaus Langen im Februar 2020 kennengelernt. Er hat uns in Santiago Puringla besucht – kurz danach begann die Corona-Zeit, die für uns sehr schwierig war. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir unsere Kooperative gerade gegründet.
Die Langen Kaffeerösterei hat uns von Anfang an unterstützt. Klaus schätzt unseren Kaffee sehr, und seitdem hat sich eine partnerschaftliche Zusammenarbeit entwickelt.


WAS MACHT DIE ZUSAMMENARBEIT MIT DER LANGEN KAFFEERÖSTEREI SO BESONDERS?
Von Anfang an arbeiten wir auf Augenhöhe zusammen. Wir schätzen den großen Respekt, den Klaus Langen unserer Arbeit entgegenbringt. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass er selbst vor Ort gelebt und gearbeitet hat und unsere Situation gut versteht. Unsere Zusammenarbeit geht über den reinen Ein- und Verkauf von Rohkaffee hinaus. Die Langen Kaffeerösterei unterstützt uns auch bei Projekten außerhalb des Tagesgeschäfts – zum Beispiel bei der Verbesserung unserer Infrastruktur oder bei der Finanzierung unserer Arbeit. Wir sind sehr stolz auf diese Partnerschaft und hoffen, dass sie noch lange bestehen bleibt. Ein besonderer Dank gilt auch allen Konsumenten im Sauerland: Durch ihren regelmäßigen Kauf unseres Kaffees unterstützen sie uns ganz wesentlich.
Fotos: Privat