Andreas Kramer sammelt mit Leidenschaft alte Opel:
Für Andreas Kramer riecht Heimat nach Öl, unverbranntem Benzin und gebrauchtem Leder. Während andere moderne Neuwagen leasen, was im eigenen Autohaus in Olsberg natürlich auch sein Geschäft ist, schlägt sein Herz seit über 40 Jahren für die Klassiker aus Rüsselsheim.
Von dem Kulturgut auf vier Rädern, hat er mehr als eine Hand voll. Immer wieder sonntags genießt Andreas Kramer sein eigenes Konzert:
Jedes mechanische Klacken beim Schalten oder das Aufheulen der alten Motoren ist Musik in seinen Ohren.
Schrauben ist Familien – DNA
Die große Faszination für den Rüsselsheimer Blitz – einen nennt der Sammler tatsächlich sein Eigentum – ist im Hause Kramer erblich.
Auch Vater Hubert ist großer Opel-Fan und hat die Marke vor 62 Jahren ins eigene Autohaus nach Olsberg geholt.
Gemeinsam verbrachten sie unzählige Stunden unter den Hebebühnen ihrer Werkstatt. So steckte der Vater seinen Sohn schon früh mit dem Opel-Virus an.

Vom Opel Blitz bis zum Opel Ascona als Rennwagen
Andreas Kramer öffnet das Tor einer großen Lagerhalle. Ein Griff nach links, das Licht geht an, es offenbart sich eine knallbunte Überraschung. Dort stehen seine Oldtimer: in quietschgelb, kräftigem orange, babyblau und giftgrün. Jede Kurve der Karosserie erzählt eine Geschichte.


Andreas Kramer hält ein Kästchen in der Hand, es klappert bei jedem Schritt. Darin befinde sich alle Autoschlüssel, denn seine Oldtimer sind nicht nur zum Angucken, sie werden auch regelmäßig gefahren.
Verschiedene Farben, verschiedene Modelle, verschiedene Baujahre
“Ich bin oft Sonntagvormittags hier. Dann werden die Opel-Oldies gewartet, geputzt und bewegt. Ich besitze einen alten Pritschenwagen: Opel Blitz, 6 Zylinder, 2,5 Liter Hubraum, 62 PS”, das kommt aus ihm raus wie aus der Pistole geschossen.



„Als altes Feuerwehrauto bekommt man den Blitz noch, aber als Pritschenwagen ist er sehr selten. Das ist unser ältestes Schätzchen. Abgesehen von den beiden Motorrädern, die auf der Ladefläche stehen.
Das sind zwei Opel Motoclub T, 16 PS, Baujahr 1928. Die letzten Motorräder, die in Rüsselsheim vom Band liefen. Wir besitzen die zwei schon seit über 40 Jahren.”
Viele Oldtimer schaffte schon Seniorchef Hubert Kramer an
Einige Oldtimer hat schon Vater Hubert in die Sammlung eingebracht. Zum Beispiel auch ein Opel Kadett C Aero. Gebaut 1978. Dieses Auto ist noch nie zugelassen worden.
“Fahren geht nur mit roter Nummer. Der Kadett hat original erst etwa 700 Kilometer runter. Mein Vater hatte den Wagen gekauft, es ist ein Cabriolet in knallgelb. Das wollte damals niemand haben.

Wir haben es all die Jahre behalten. Jetzt ist es eine Rarität. Davon gibt es auf der ganzen Welt nur 1331 Stück”, Andreas Kramer hat die Daten aller seiner Oldies im Kopf.
Auf den ersten eigenen Aero lange gespart
Auch vom direkt nebenan geparkten Wagen. Ebenfalls ein Aero und das Lieblingsstück des Sammlers. Seit 39 Jahren gehört er ihm, auf diesen Wagen musste Andreas Kramer in jungen Jahren länger sparen. “Das weiß man dann zu schätzen”.
Heute würde der Autohändler sicherlich auch einen Käufer für dieses alte Schätzchen finden, aber dafür kommt nicht jeder in Frage. “Von zwei drei Autos habe ich mich zuletzt erst noch getrennt.
Das war der Wunsch meiner Frau Carina. Sie drohte schon mit der roten Karte”, Andreas Kramer lacht. “Sie hat ja Recht, sonst nimmt es irgendwann überhand.”
Kramers fahrten oft zu Opel-Olditmer-Treffen
Seine Autos sind alles Originale. Umgebaut wird nichts, das ist ihm wichtig. Ersatzteile sind tatsächlich noch gut zu bekommen. In der Opel Szene kennt man sich auch. Fans der Rüsselsheimer Marke treffen sich regelmäßig.
Zuletzt noch bei einem Opel-Treffen in der Schweiz. Dann geht es mit einem der Oldtimer für Andreas und Carina Kramer auf die Autobahn.
“Das ist ganz verrückt. Oft überholen uns Autos, bremsen auf der linken Spur ab, um Fotos zu machen. Auch an der Raststätte sind meine Opel beliebte Motive”.

Bei so einem Treffen tauscht man sich aus: Was steht denn noch alles in deinem Rennstall? Bei Andreas Kramer ist es tatsächlich ein Rennauto. Einer der ersten drei Opel Ascona 400, die damals gebaut wurden.” Die Augen des Sammlers strahlen.
Einer von nur 257 Rennwagen
“Es ist wohl das Wertvollste, was wir hier steht. Opel wollte damals von diesem Ascona 400 bauen, 257 sind es nur geworden. Der ließ sich nicht so gut verkaufen. Mit so einem Modell ist Rennfahrer Walter Röhrl 1982 Weltmeister geworden. Dieser Ascona ist heute sehr begehrt.”



Könnte man meinen, es gilt: Bitte nicht anfassen. Aber auch dieser Oldtimer schafft es dann und wann nochmal auf eine der Sauerländer Straße.
In der Regel werden die Autos von Andreas Kramer persönlich gefahren. “Nur, wenn es nicht regnet.” Seine Frau verzichtet ehr auf eine Ausfahrt, zumindest mit dem Rennwagen. Es ist eben kein leises Modell.
“Meine Söhne Luca und Niklas haben aber auch Spaß an unseren Oldtimern und dürfen sich jederzeit einen der schicken Flitzer ausleihen. Sie schätzen die Marke ähnlich wie ich. Wir arbeiten in unserem Betrieb auch täglich damit.”
Gut – so ganz verrückt wie der Vater scheinen sie nicht ganz zu sein. “Ich trage aber ja auch schon seit Jahrzehnten den Opel Blitz auf der Stirn.” Während er das sagt, schmunzelt Andreas Kramer und seine Hand ruht sanft auf der Motorhaube
seines Ascona 400.
Bericht: Alexa Schröder, Bilder: Alexa Schröder, Opel Kramer