EIN WUNDERSCHÖNES DORF, DAS FUNKTIONIERT
SEIT 54 JAHREN IN ELKERINGHAUSEN: ORTSVORSTEHERIN HEIKE SCHNURBUSCH ÜBER VERANTWORTUNG UND ZUSAMMENHALT.
Von Carmen Ahlers
Wer mit Heike Schnurbusch durch Elkeringhausen läuft, merkt schnell: Hier erzählt nicht nur jemand über ein Dorf – hier spricht das Dorf selbst. In jedem zweiten Satz steckt ein Stück Alltag, ein bisschen Geschichte, ein bisschen Trotz und ganz viel Zuneigung. „Ich bin noch nie weggekommen“, sagt sie und lacht dabei. So als wäre das ein Privileg. 54 Jahre, ein ganzes Leben im selben Ort. Für manche klingt das eng. Für sie ist es genau richtig. Elkeringhausen, knapp 350 Einwohner, ein Dorf ganz nah an der Kernstadt Winterbergs. Wer von oben kommt, sieht erst die Wiesen, dann die Dächer, dann kommt dieses Gefühl von Ruhe. „Die Lage“, sagt Heike Schnurbusch, „das ist das Erste, was gut ankommt.“ Und man glaubt ihr sofort. Kein Durchgangsverkehr, keine Hektik – aber auch keine wirkliche Abgeschiedenheit. Drei Kilometer bis Winterberg, Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten, alles erreichbar. „Du brauchst ein Auto“, sagt sie pragmatisch, „aber das weißt du, wenn du hier wohnst.“
AUS ELKERINGHAUSEN ZIEHT SIE NICHTS WEG
Heike Schnurbusch ist in Elkeringhausen aufgewachsen. Viel verändert hat sich nicht – und doch alles. Seit über 30 Jahren arbeitet sie beim Steuerberater. Steuerfachangestellte, ganz bewusst keine Steuerberaterin. „Ich möchte nachts auch schlafen können“, sagt sie trocken. Verantwortung ja, aber in einem Rahmen, der zum Leben passt. Dieses Abwägen zieht sich durch vieles, was sie erzählt: nicht alles machen müssen, aber das Richtige tun.
ORTSVORSTEHERIN SEIT NEUN JAHREN
Vielleicht ist genau das der Grund, warum sie seit neun Jahren Ortsvorsteherin ist. Nicht, weil sie es unbedingt werden wollte – sondern weil es jemand machen musste. „Irgendwie wollte es keiner“, sagt sie, also hat sie es gemacht und findet ihre Aufgabe heute großartig. Als Ortsvorsteherin ist sie Bindeglied: zwischen Stadt und Dorf, zwischen Ideen und Realität, zwischen Wunsch und Bürokratie. Sie sitzt in politischen Gremien, erklärt Abläufe, hält nach, fragt nach, bleibt dran. „Hartnäckig und manchmal auch ein bisschen dreist“, nennt sie das selbst. Und diesen Einsatz merkt man im Dorf: Ohne diese Mischung würde manches einfach liegen bleiben.



VIELE KLEINE DINGE SIND IM DORF BESONDERS
Große Prestigeprojekte? Fehlanzeige. Elkeringhausen funktioniert anders. Hier geht es weniger um das eine große Ding – sondern um viele kleine, die zusammen das Dorf ausmachen. Ein Beispiel ist das „Dorfauto“, das die Feuerwehr mit dem Dorfgemeinschafts- und Tourismusverein Elkeringhausen angeschoben hat. Ein gemeinschaftlich organisiertes Fahrzeug, finanziert mit viel Engagement und ein bisschen Kreativität. Fünf Jahre lang lief das Modell, dann kam Corona, dann veränderten sich die Bedingungen. Heute ist es ein Feuerwehrfahrzeug. Geschichte statt Gegenwart – aber eine, auf die man ein bisschen stolz ist.
WENN ES DRAUF ANKOMMT, SIND ALLE ZUR STELLE
Überhaupt: Gemeinschaft. Heike Schnurbusch spricht oft davon, ohne es zu verklären. „Früher war das anders“, sagt sie. Mehr Hausfrauen, mehr Zeit, mehr Kuchenbuffets. Heute arbeiten alle, haben weniger Luft. Vereine kämpfen, Strukturen verändern sich. Und trotzdem: Wenn es darauf ankommt, sind sie da. Sie erzählt von einem Samstag, an dem das Dorf Stromleitungen für ein Fest verlegt hat. Ein Mini-Bagger, viele Helfer, ein ehrgeiziges Ziel. „Morgen Abend sind wir fertig“, haben sie gesagt. Und sie waren es auch. Solche Geschichten klingen in der Großstadt wie Folklore. Hier sind sie Alltag, denn alle packen mit an.
DAS DORF WÄCHST IN KLEINEN SCHRITTEN
Natürlich gibt es auch Lücken. Kein Laden mehr im Ort, kein Arzt. Das letzte Geschäft musste schließen, als die Anforderungen zu groß wurden. „Das hätte keiner mehr geschafft“, erklärt die 54-Jäghrige. Aber das wird nicht als Verlust allein erzählt – eher als Teil eines Wandels, den alle kennen. Und trotzdem wächst das Dorf. Nicht spektakulär, aber spürbar. Junge Leute bleiben oder kommen zurück. Alte Häuser werden renoviert, Familien arrangieren sich neu. Bauplätze sind rar, aber Lösungen entstehen. „Man macht sich das schön“, sagt Heike Schnurbusch. Ein Satz, der viel erklärt.
SEEFEST IM AUGUST
Der Mittelpunkt? Ein idyllischer kleiner See im Ort mit großer Aufenthaltsqualität. Dort findet auch im August das Seefest statt, eines der beiden großen Ereignisse im Jahr, neben dem Schützenfest. Früher mit riesigem Kuchenbuffet, heute etwas kleiner, etwas anders – aber immer noch ein Treffpunkt, zu dem es alle an den See lockt.
TRETBECKEN UND NATURKINO
Elkeringhausen hat keine spektakulären Sehenswürdigkeiten. Aber es hat durchaus schöne Dinge und Orte. Zwei Tretbecken, gepflegt von Dorfbewohnern. Über 90 Ruhebänke. Wege, die man kennt, auch ohne Beschilderung. Ein Highlight ist auch das wunderschöne Naturkino, das ihr Vorgänger auf den Weg gebracht hat. Das Naturkino liegt oberhalb von Elkeringhausen auf der sogenannten Vogelwiese in der Nähe der Vogelstange des Schützenvereins. Ein Ort der Ruhe, auch wenn der Blick von den bequemen Waldsofas nicht mehr in die Ferne schweifen kann, weil die Birken mittlerweile hochgewachsen sind. Der Platz wird gut angenommen – besonders an Wochenenden ist er oft besucht. Auch touristisch hat das Naturkino eine gewisse Anziehungskraft: Sobald es wieder stärker beworben werde, kommen spürbar mehr Besucher, so die 54-Jährige.



ENGAGIERTER KAMPF FÜR DEN RADWEG NACH WINTERBERG
Und Pläne hat Elkeringhausen auch – zum Beispiel ein Radweg nach Winterberg, der kommen soll. Vielleicht 2028. „Hauptsache, er kommt irgendwann“, sagt Heike Schnurbusch. Sie selbst ist so etwas wie der rote Faden durch all das. Nicht, weil sie alles bestimmt – sondern weil sie vieles zusammenhält. Zwischen Arbeit, Ehrenamt und Alltag. Zwischen alten Strukturen und neuen Ideen. Zwischen „so war es früher“ und „so geht es heute“. „Man lebt heute sowieso anders“, meint die Ortsvorsteherin. Weniger dicht aufeinander, weniger selbstverständlich gemeinsam. Aber wenn man sie reden hört, bekommt man das Gefühl: Verschwunden ist dieses „Gemeinsam“ hier auf keinen Fall.
BODENSTÄNDIGKEIT MACHT DAS DORF SYMPATHISCH
Was bleibt, ist ein Eindruck von Bodenständigkeit. Nichts wird größer gemacht, als es ist. Probleme werden nicht verschwiegen, aber auch nicht dramatisiert. Elkeringhausen wirkt wie ein Ort, den es sich zu besuchen lohnt, wenn man es ruhig mag, aber nah an der Kernstadt sein möchte. Unterbringungsmöglichkeiten für Urlauber gibt es im Übrigen auch.
Fotos: Carmen Ahlers, Privat