Ein eigener Song zum 100. Geburtstag
In der Jugendherberge Winterberg wird seit einem Jahrhundert gelacht, gelernt und gelebt – mit ganz viel Herzblut, Teamgeist und Sauerländer Gastfreundschaft.
Herzlich willkommen in der Jugendherberge Winterberg! Genauso fühlen sich die Gäste, wenn sie eintreten – egal ob Kinder oder Erwachsene. Seit 100 Jahren übernachten dort Schulklassen, aber auch Familien, die einen Wochenendausflug nach Winterberg unternehmen. Im Gespräch mit Herbergsleiterin Maria Batke wird eines deutlich: Die 58-Jährige liebt ihren Job. Und dass während des Gesprächs mit der HEIMATLIEBE draußen auf dem Flur lautes Gelächter ertönt und Kinder aufgeregt hin- und herrennen, stört sie überhaupt nicht. Vielmehr sind glückliche Gäste ihr persönlicher Ansporn, einen guten Job zu machen. Und genauso tickt auch das gesamte Team der Jugendherberge in Neuastenberg.
Die Jugendherberge Winterberg ist eine der ältesten des Landesverbands. Genauer gesagt nimmt sie im Ranking nach der Burg Altena und der Wewelsburg in Büren den dritten Platz ein. In 700 Metern H.he findet man sie am Fuße des Kahlen Asten. Früher war das Haus wie jede andere Jugendherberge auch: Es wurde 1925 eröffnet – mit Etagenbetten und Gemeinschaftsb.dern. Wanderer sollten für kleines Geld übernachten können. Heute staunen die Gäste, und Maria Batke lächelt: „Heute gibt es Zimmer mit Boxspringbetten, und die Hälfte der Zimmer hat Dusche und WC“, sagt die Herbergsleiterin, die in Winterberg ihren Traumjob gefunden hat und deshalb 2016 aus Pforzheim ins Sauerland gezogen ist.



ÜBER 30.000 ÜBERNACHTUNGEN PRO JAHR
Nach einem Brand im Jahr 1936 wurde das Haus schnell wieder aufgebaut. Um 1960 herum wurde die Jugendherberge erweitert, und auch für die Herbergseltern wurde eine Wohnung zur Verfügung gestellt. Umfassende Sanierungen erfolgten in den 1980er-Jahren und ab 2016. Die 75 Zimmer mit insgesamt 286 Betten in drei Gebäuden sind schlicht, modern und freundlich eingerichtet – und das ursprüngliche Jugendherbergsgefühl bleibt trotz des Komforts erhalten. So beziehen die Gäste auch heute noch ihre Betten selbst, und das besenreine Verlassen der Zimmer gehört ebenfalls dazu.
Ein Blick in die Statistik: Die Jugendherberge Winterberg zählt rund 29.500 Übernachtungen pro Jahr; 43 Prozent der Gäste sind Schulklassen, 37 Prozent Familien.
VON DER REZEPTIONISTIN ZUR HERBERGSLEITUNG
Maria Batke ist stolz auf ihr Team, das hervorragende Arbeit leistet. Alle haben ihr den Start damals sehr leicht gemacht. „Ich hätte ja auch nie gedacht, dass ich mal in Winterberg lande. Ich bin eigentlich ein Sommermensch – und alle lachen immer über mich, weil das Wetter hier so gar nicht meins ist. Aber jetzt habe ich mich daran gewöhnt“, sagt die 58-Jährige schmunzelnd. Im Dezember 2016 hat sie als Rezeptionistin in der Jugendherberge angefangen, eineinhalb Jahre später wurde sie Assistentin der Herbergsleitung. 2022 schied die bisherige Leitung aus, und Maria Batke rückte an die Spitze der Jugendherberge nach. „Ich liebe und lebe dieses Haus“, sagt sie und erzählt, dass sie noch auf der Rückfahrt nach ihrem Einstellungsgespräch die Zusage gegeben habe – weil das Haus sie einfach von Sekunde eins an begeistert habe. „Seitdem bin ich dabei, das Haus so zu gestalten, wie es dies verdient hat – zusammen mit meinem Team“, freut sie sich. Zurzeit hat sie 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit, die die Arbeit in der Jugendherberge „wuppen“. „Unser Team ist einfach super, wir duzen uns alle. Wir leben den Gästen das Familiäre und den Zusammenhalt vor – und auch, dass man gemeinsam etwas schaffen kann. Unser Ziel ist es, dass die Gäste bei der Abreise einen Wow-Effekt haben und gerne wiederkommen“, so Maria Batke. Ihr weicht übrigens Zwergpudel Emil nicht von der Seite, der ein Teil des Teams ist und alle zum Lächeln bringt.
Maria Batke ist Leiterin der Jugendherberge in Winterberg. Sie sieht man in der Jugendherberge meistens mit ihrem Hund Emil, der fest ins Team der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter integriert ist.

LERN- UND ERLEBNISORT FÜR KINDER, JUGENDLICHE UND ERWACHSENE
Zu den Gästen gehören neben Schulklassen auch Vereine, viele Gruppen und Familien. So kann es sein, dass aus dem Tagungsraum den ganzen Tag Instrumente zu hören sind, weil ein Musikverein sein Probenwochenende in der Jugendherberge verbringt. Oder dass es Familientreffen mit großer Wiedersehensfreude gibt. Wer sich in der Jugendherberge selbst beschäftigen möchte, tut das. Allerdings haben sich auch die Angebotsstrukturen innerhalb von 100 Jahren sehr verändert: Früher organisierten Herbergsvater oder -mutter bunte Abende mit Gesang und Musik. Heute ist das Programm für Schulklassen deutlich vielfältiger – Abenteuer in der Natur, Hüttenbau im Wald, Flo.bau am Hillebachsee oder Kletterparcours, immer mit dem Aspekt der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes im Fokus. Mit ihrem Siegel „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ der BNE-Agentur NRW versteht sich die Jugendherberge heute als Lern- und Erlebnisort für Kinder, Jugendliche, Familien und Gruppen. „Wir sehen, wie Kinder am Montag ankommen und freitags wieder abreisen – begeistert von der Natur, stolz auf das, was sie gemeinsam erreicht haben“, erzählt die Herbergsleiterin. Im Winter lockt das Skivergnügen direkt nebenan auf den Postwiesen. Auch Skifahrer kommen gern in der Jugendherberge unter, denn Skier können direkt vor Ort ausgeliehen werden.
Für Maria Batke ist die Herberge längst ein zweites Zuhause geworden. Die Jugendherberge Winterberg steht für Tradition, Begegnung und Gemeinschaft. Sie verbindet Historie und Moderne, bietet pädagogisch wertvolle Programme und bleibt doch ein Ort voller Herz und Leben – genau so, wie es vor 100 Jahren begonnen hat. Insgesamt verfügt der DJH-Landesverband Westfalen-Lippe über 28 Standorte, und eines hat sich in 100 Jahren nie verändert: Jugendherbergen stehen für Toleranz, Inklusion, Völkerverständigung und Weltoffenheit. Hier können Menschen – unabhängig von Herkunft und Geldbeutel – die Welt entdecken und ihren Horizont erweitern.
JUBILÄUMSFEIER IN FORM EINES FAMILIENTAGES
Das 100-jährige Jubiläum der Einrichtung in Winterberg wurde im Rahmen eines Familientages am 12. Oktober gefeiert. Neben einem bunten Programm gab es an diesem Tag Live-Cooking und viel Musik. „Wir haben sogar ein eigenes Lied komponieren lassen“, betont Maria Batke die große Bedeutung des 100. Geburtstags. Viele Gäste schauten an der Winterberger Straße 1 vorbei, um am Ehrentag zu gratulieren – und in der Jugendherberge blicken alle gespannt und mit großem Optimismus in die Zukunft.
Text: Carmen Ahlers
Fotos: Privat