DIE DELFINE DER WEIDE
EIN BESUCH BEI DEN HOCHSAUERLAND-ALPAKAS ZÜSCHEN.
„Wer einmal einem Alpaka ganz tief in die Augen geschaut hat, der verliebt sich sofort.“ Das sagt Andreas Freise aus Züschen – und das aus Erfahrung. Zusammen mit seiner Familie hält er eine Herde dieser aus ursprünglich aus Südamerika stammenden Tiere auf einem weitläufigen Gelände hoch über dem Ort. Und damit auch andere Menschen die Faszination dieser Tiere erleben können, bieten er und seine Schwiegertochter Jasmin Freise seit Jahren unter der Marke „Hochsauerland-Alpakas“ Wanderungen und Zusammentreffen mit diesen liebenswerten Tieren an.
Angefangen hat alles vor acht Jahren alles mit einem Besuch in einem Tierpark – Alpaka, Augen, Verlieben und so. Die Familie informierte sich über die Grundlagen der Haltung dieser Tierart, legte entsprechende Sachkunde-Nachweise ab, baute die vorhandene Wiese hoch über Züschen zu einem kleinen Paradies mit einem geräumigen Offenstall, verschiedenen Ausläufen, Sandkuhlen zum Wälzen, autarker Energie-Versorgung und einer Sitzecke mit Spielbereich für kleine Besucher aus. 2017 konnten die ersten vier Tiere einziehen. Mittlerweile ist die Herde durch eigene Fohlen und Zukäufe auf 15 Alpakas angewachsen, Nr. 16 wird im September geboren.



VIERBEINIGE FAMILIENMITGLIEDER
Die Alpakas sind echte Familienmitglieder der Freises, das spürt man in jedem Satz. Über jedes der wolligen Geschöpfe gibt es eine Geschichte zu erzählen: „Das sind Don Camillo und Peppone, beide sind zwei Jahre alt, seit Mai in der Herde und mitten in der Pubertät. Da müssen Tary und Eddy als Herdenchefs schon mal eingreifen und für Ordnung sorgen, wenn sie zu übermütig werden. Carlie ist eine ganz Sensible und hat ein feines Gespür dafür, wenn es Besuchern nicht gut geht.“ Ein besonders berührendes Beispiel dafür ist der Besuch einer schwer krebskranken Frau, deren letzter Wunsch ein Besuch mit dem Wünschewagen bei den Alpakas war. Aus der geplanten halben Stunde wurden mehr als zweieinhalb, weil Carlie von selbst zu der Frau kam und ihr den Kopf zum Kraulen auf die Schulter legte.
Martha hat gerade Schonzeit, denn sie bekommt bald ein Fohlen – nach Carlos und Jonna das dritte im Sommer 2025. Nevio, Sirius, Merlin und Nero sind ganz ruhige Vertreter ihrer Art. Der vierjährige Pascal hat eine besonders schöne graue Fellzeichnung, und Linus wird gerade als Leittier bei den Wanderungen ausgebildet.
Alpakas gehören zur Familie der Kamele, stammen ursprünglich aus Südamerika sind wurden dort wegen ihrer feinen Wolle von den Einwohnern als Nutztiere gehalten. Diese Wolle oder genauer die Fasern sind ganz leicht und von innen hohl, dadurch haben sie hervorragende Trageeigenschaften und gelten als sehr hochwertig. Einmal im Jahr – meistens Ende Mai, wenn auch in den Züscher Höhen die Fröste vorbei sind – steht eine Schur auf dem Programm. Die dabei gewonnenen Fasern lässt die Familie Freise zum Teil in der Wollspinnerei in Hallenberg zu Strickwolle verarbeiten. Auch Naturkosmetik wird aus dem Keratin der Alpaka-Fasern, die sehr gut für Allergiker geeignet sind, angefertigt. In ihrem kleinen Shop, in dem übrigens auch online bestellt werden kann, bietet die Familie Freise viele kleine Habseligkeiten wie Seife, kuschelweiche Socken, Mützen, Schals bis hin zu Decken aus Alpaka-Wolle an.



DEN ALLTAG BEI DEN ALPAKAS VERGESSEN
Die Alpakas strahlen eine Ruhe und Gemütlichkeit aus, die sich sofort auf die bunt gemischte Wandergruppe überträgt, die wir bei unserem HEIMATLIEBE-Termin begleiten dürfen. Alle sind leise und vorsichtig mit den Tieren und hören gut zu, was Jasmin Freise Wissenswertes über sie erzählt. Denn so kuschelig und liebenswürdig die Alpakas sind, es bleiben doch Tiere mit einem eigenen Charakter, die es zu respektieren gilt. Deshalb gibt es Regeln: Langsam nähern und nicht an das Hinterteil fassen. Alpakas sind Fluchttiere, die erschrecken und kräftig treten könnten. An anderen Stellen wie z.B. entlang des Halses lassen sich Tiere dagegen anfassen. Als „Distanztier“ stehen sie allen Berührungen allerdings eher skeptisch gegenüber. Spucken können Alpakas tatsächlich auch, aber aus Erfahrung machen sie das – wenn überhaupt – nur untereinander beim eventuellen Gerangel um Futter. Nach dem Halfter-Anlegen gibt es Leckerlis aus der Hand und ausgiebig Zeit für Erinnerungsfotos. À propos Fotos: Es besteht die Möglichkeit, die Alpakas für ein Fotoshooting in der Natur mit der Fotografin Simsalabrina zu buchen, was sehr gerne für Hochzeits-, Pärchen- oder Familienbilder genutzt wird.Die Tiere haben innerhalb der Herde ihre ganz eigene Rangfolge, nach der Jasmin Freise sie zum Wandern einteilt. Jedes Tier geht mit ein oder zwei Begleitern. Kinder ab 12 Jahren dürfen ein Alpaka schon allein führen, ab 6 Jahren mit Begleitung. Jüngere Kinder können natürlich auch mitwandern – oder sie haben ein „Alpaka-Date“, das sich Jasmin Freise überlegt hat: Hierbei lernen die Kleinen kindgerecht etwas über die Alpakas, helfen beim Füttern und im Stall und stellen dann ihr Wissen in einem Alpaka-Quiz unter Beweis. Sehr beliebt sind auch Junggesell:innen-Abschiede oder die Glühwein-Wanderungen an den Adventssonntagen.



DEN ALLTAG VERGESSEN
Zurück zu unserer Wandergruppe: Es geht endlich los! Die Alpakas lassen sich brav an der langen Leine führen. Wenn man sich auf ihr gemütliches Tempo einlässt, ist der Alltag mit all seinem Trubel ganz schnell vergessen. „Hektik kennen Alpakas nicht“, weiß Andreas Freise aus Erfahrung. „Wenn man mit ihnen zusammen ist, wird man ganz schnell ruhig.“ Kein Wunder, dass man Alpakas aufgrund ihres sanften, gelassenen Wesens und der damit verbundenen positiven Ausstrahlung auf die Menschen auch als die „Delfine der Weide“ bezeichnet. Aus diesem Grund besuchen die Freises mit ihren Tieren ab und zu die Bewohner im Hallenberger Josefshaus, im Liboriushaus Winterberg und im Josefsheim Bigge. Eine witzige Anekdote gab es in Hallenberg im Aufzug: Weil die Alpakas sich dort selbst im Spiegel sahen, wollten sie gar nicht wieder aussteigen – weil ihre vermeintlichen neuen Herden-Kameraden ja nicht mitkamen! Langsam zuckelt die Truppe unter Leitung von Jasmin Freise die Waldwege entlang und genießt neben dem flauschigen Tierkontakt auch den herrlichen Panoramablick in die Sauerländer Bergwelt. Auf einer Wiese wird eine ausgiebige Pause eingelegt, bei der die Vierbeiner Zeit zum Grasen und die Zweibeiner nochmal reichlich Gelegenheit für Erinnerungsfotos haben. Für den rund drei Kilometer langen Rundkurs benötigt die Wandergruppe in etwa anderthalb Stunden, denn die Alpakas geben das gemächliche Tempo vor. Insgesamt sollte man sich für eine Alpaka-Wanderung samt der Vor- und Nachbereitungszeit zwei Stunden Zeit nehmen.
Beim Abschied von den Alpakas ist deutlich zu spüren: Alle Teilnehmer (und auch die HEIMATLIEBE-Redakteure) haben ihnen sehr, sehr tief in die Augen geblickt!
Viele kleine Geschichten über die Hochsauerland-Alpakas, Fotos und entsprechende Angebote finden sich unter hochsauerlandalpakas.de | 0171-1781436 | hochsauerlandalpakas@gmail.com
Text: Rita Maurer
Fotos: Anna und Rita Maurer