DER SAUERLÄNDER FRÜHLING – AUF ZU NEUEN UFERN
Das Sauerländer Wetter hat allgemein ja eher einen schlechten Ruf – „Sauerland = Schauerland“ oder auch „Willst du keinen Sonnenbrand, dann komm zu uns ins Sauerland“. Rund um den Rothaarkamm teilt man das Jahr auch gerne ein in „zehn Monate Winter und zwei Monate so etwas ähnliches wie Winter“.
Doch ist das wirklich so? Wie fast überall haben solche flapsigen Redewendungen oder Volksweisheiten einen wahren Kern – doch ein ordentliches Stück an Übertreibung schwingt ebenfalls mit. Woher kommen dann diese Sprüche?
Tatsächlich vergleicht man sich im Leben ja oft mit seinen Mitmenschen. Beim Wetter ist das nicht anders – im Vergleich zu den Regionen rund um das Sauerland ist es bei uns doch eher kalt, auch etwas grauer, windiger und niederschlagsreicher. Allerdings bringt dies die Höhenlage ganz einfach mit sich, und wir teilen dieses Schicksal mit allen Gebirgen auf unserer Erde.
Was Nachteile bringt, bringt auch Vorteile – auch wenn Schnee nicht von allen geliebt wird, so hat es doch was für sich, wenn die Wintermonate zumindest teilweise weiß und nicht grau-braun verlaufen.
Was sich in den vergangenen 20 Jahren vor allem im Frühling zudem entwickelt hat, ist die Zunahme von Hochdruckwetterlagen. Die bis weit in den Mai wechselhafte, regnerische und mit vielen späten Kaltlufteinbrüchen gespickte Jahreszeit ist immer mehr in den Hintergrund geraten.
Wenn man die Sonnenstunden in den Monaten März, April und Mai der letzten rund 70 Jahre auf dem Kahlen Asten vergleicht, so ergibt sich eine deutlich ansteigende Kurve. So war der Frühling 2007 nach dem durch den Sturm Kyrill geprägten Winter fast schon wie ein vorweg genommener Sommer mit insgesamt mehr als 600 Stunden Sonne – der erste Frühling überhaupt, der diese Marke erreichte.
Schon vier Jahre später wurde dieser Bestwert getoppt. Doch damit nicht genug: Der Frühling 2025 sorgte nach einem bereits sehr freundlichen und trockenen Februar für eine weitere Bestmarke mit insgesamt fast 700 Stunden Sonne. Nur wenige Wochen in der zweiten Aprilhälfte und Ende Mai waren wechselhaft, ansonsten erlebten wir nahezu durchweg freundliches Freizeitwetter.
Von zwei Monaten so „was ähnlichem wie Winter“ war da also nicht viel zu spüren. Das schlechte Image des Sauerländer Wetters und insbesondere der warmen Jahreszeit hat in den vergangenen Jahren eindeutig etwas gelitten – doch ob diese Veränderung in den allgemeinen Sprachgebrauch wirklich übergeht? Man darf gespannt sein.
Text: Julian Pape