DER NEUE IN OLSBERG

Ein Interview mit Olsbergs Bürgermeister Patrick Potthoff

Im September wurde er gewählt, seit November sitzt der 44-Jährige auf dem Chefsessel im Olsberger Rathaus. Patrick Potthoff leitet nun die Geschicke der Stadt.  

Wie war den die erste Amtszeit bislang für Sie?  

Patrick Potthoff: Wirklich sehr gut! Ich habe hier eine ganz tolle Mannschaft vorgefunden, die mich wirklich in dieses Amt reingetragen hat. Ich komme von “extern“ und habe da noch nicht so viel erlebt vorher, was Verwaltung angeht, und ich kann sagen, die haben es mir sehr, sehr einfach gemacht. Dafür bin ich der Mannschaft sehr dankbar. 

Können Sie sich eigentlich noch an den Abend der Stichwahl erinnern, als sie dann wussten, ich bin der neue Bürgermeister von Olsberg?  

Patrick Potthoff: Klar, das vergisst man nicht. Da war erstmal große Freude. Dafür haben wir ja ein Jahr lang richtig hart gekämpft. Der Wahlkampf war schon ambitioniert. Es wird einem aber auch bewusst, jetzt geht die Arbeit ja erst richtig los. Ich bin ein ungeduldiger Mensch, dass ich dann noch vier bis fünf Wochen warten musste, das war nicht so meins. Umso glücklicher war ich, dass ich im November endlich als Bürgermeister von Olsberg starten konnte.  

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Sie haben gesagt, dass Sie vorher nur wenige Berührungen mit kommunaler Verwaltung hatten, wie kam es denn eigentlich zu Ihrer Bürgermeister-Kandidatur?  

Patrick Potthoff: Ich bin gefragt worden, ob ich mir das vorstellen könnte. Die Anfrage hat mich zunächst echt umgehauen, das muss ich sagen. Damit hatte ich nicht gerechnet, obwohl ich hier im Ort sehr gut vernetzt bin, ehrenamtlich viel unterwegs gewesen bin, auch durch meinen vorherigen Job bei der Provinzial Versicherung. Ich will jetzt nicht sagen, ich war bekannt wie ein bunter Hund, aber man kennt viele Menschen hier. Ich habe mich dann mit meiner Familie zusammengesetzt und wir haben lange gemeinsam darüber nachgedacht. Das ist ja keine Entscheidung, die man von heute auf morgen trifft. Dann habe ich aber gedacht: Ja, eigentlich ist das genau, dass was auf mich zutrifft. Ich war schon vorher viel mit Bürgerinnen und Bürgern in Kontakt gewesen, aber eben in anderer Position. Jetzt kann ich weiterhin viel Gutes tun für diese Stadt und das an prominenter Stelle, nämlich als Bürgermeister. Das ist eine Chance, die bekommt man “Once in a Lifetime“, das muss ich nutzen. 

Sie haben drei, teilweise noch kleine Kinder, wie reagieren die auf Papa als Bürgermeister?  

Patrick Potthoff: Klar, die Kinder mussten erst mal verstehen, was da so passiert. Die beiden Größeren waren schnell einverstanden damit. Die Kleinere hat mich jetzt schon mehrfach hier im Rathaus in meinem Büro besucht, ist nach der Schule hier vorbeigekommen, sie findet das auch ganz toll. Wir nehmen Termine, die ich so zum Beispiel auch am Wochenende mache, auch gerne zusammen wahr. Wir halten da gut zusammen, ziehen das zusammen durch, das macht sehr viel Spaß. 

Ihre Frau und ihre Kinder sind also oft dabei, was man auf Veranstaltungen auch immer wieder beobachten kann. Was haben die Freunde und Bekannte zu diesem Jobwechsel gesagt? 

Patrick Potthoff: Die waren anfangs schon sehr überrascht, als ich ihnen mitgeteilt habe, dass ich kandidieren werde. Da kamen schon Nachfragen: Mensch, du hast doch nichts mit Verwaltung zu tun, bist du sicher? Aber jetzt ist es so, ich bin gewählt und ich muss sagen, sie stehen zu mir. Man kann sich gut austauschen, auch über Dinge, die einen als Mensch bewegen. Die bieten mir da auch einen großen Rückhalt. 

Sie sind Olsbergs neuer Chef. Was macht die Stadt für Sie besonders?  

Patrick Potthoff: Olsberg ist Heimat, meine liebenswerte Heimat. Hier will ich an der Stadtentwicklung mitarbeiten. Olsberg noch lebens- und liebenswerter machen: Für alle Bürgerinnen und Bürger, für meine Familie und Freunde und für mich. Ich finde es hier toll und möchte das mitgestalten, vor allem für kommende Generationen. 

Der Job und das Engagement kosten Zeit. Haben Sie einen Stundenzettel, halten Sie das nach?  

Patrick Potthoff: Vorher habe ich viele Ehrenämter bekleidet, das hat natürlich auch Zeit gekostet. Die musste ich natürlich abgeben. Viele Termine, die ich jetzt so wahrnehme, hätte ich sonst sicher auch gemacht, weil ich gerne unter Menschen bin. So trennscharf lässt sich das nicht sagen. Nicht alles sehe ich so richtig als Arbeit an. Das sind ja auch für mich einfach schöne Erfahrungen.  

Wie Sie Ihren persönlichen Ausgleich?  

Patrick Potthoff: Ich bin Mountainbiker. Ich fahre wirklich sehr gerne und viel. Ich genieße die Ruhe, wenn ich auf unseren Bergen hier unterwegs bin. Der Olsberg an sich, der Ohlenkopf, der Langenberg, das sind so meine Ruheorte. Wenn man die Aussicht genießen kann, dann schalte ich ab.  

Wenn Sie dann ausgeruht aus unseren Wäldern zurückkommen, was brennt Ihnen am meisten unter den Nägeln? Was sind die Herausforderungen für Olsberg?  

Patrick Potthoff: Die wirtschaftliche Lage ist natürlich ganz wichtig. Wir müssen die Wirtschaft vor Ort auf einem guten Level halten. Firmen sollen möglichst nicht in benachbarte Kommunen abwandern. Wir müssen unsere Gewerbegebiete ausbauen. Wir haben das neue Gebiet am “Hohlen Morgen“. Da haben wir Flächen, die besiedelt werden müssen, da gab es jetzt den ersten Spatenstich. Es geht dann weiter mit dem Thema Bildung, der Ausbau und die Sanierung der Grundschule in Bigge steht an. Gute Bedingungen in unseren Kitas sind wichtig. Wir müssen uns um den Tourismus kümmern, das AquaOlsberg wird aktuell wieder aufgebaut und der Solebereich hoffentlich noch in diesem Jahr eröffnet. Unsere Feuerwehrhäuser in den Orten müssen weiter saniert werden. Wir müssen beim Thema Wohnen schauen, wir brauchen bezahlbaren Wohnraum, sodass sich auch jeder seinen Wohlfühlort auch leisten kann.

Gibt es jetzt schon Highlights in Ihrem ersten Bürgermeisterjahr, auf die sie sich ganz besonders freuen? 

Patrick Potthoff: Ich freue mich wirklich auf alles. Ich glaube, das erste Jahr ist richtig spannend. Alles ist neu. Erstmals als Bürgermeister auf alle Schützenfeste im Stadtgebiet, für mich eine klasse Sache.  

Wo sehen Sie Olsberg in 10 Jahren? 

Patrick Potthoff: Eine schwierige Frage, weil wir gerade eine schwierige wirtschaftliche Lage haben. Natürlich habe ich meine Vision: Es gibt auch viele Fragen: Was könnte man in Olsberg für Touristen noch aufbauen? Wie könnte man die Stadt noch liebenswerter machen, für die Menschen, die hier leben? Darauf müssen wir Antworten finden und am besten gemeinsam mit den Menschen in der Stadt. Bürgerbeteiligung ist mir persönlich eine Herzensangelegenheit.