DER ERSTE SCHNEETAG IM SAUERLAND
Es ist mal wieder Zeit für etwas Statistik – oh nein, Statistik. Puh, am liebsten gleich zur nächsten Seite. Doch, stop: Manchmal ist es auch möglich, die graue Theorie lebendig wer- den zu lassen, und dies versuche ich auch in diesem Beitrag wieder.
Eigentlich ist dies beim Thema Schnee auch gar nicht so schwer. Und jedes Jahr hat man das Gefühl, dass selbst diejenigen, die am liebsten über das ganze Jahr Sommerwetter hätten, den ersten Schneeflocken in der Luft zumindest ein wenig Kribbeln abgewinnen können. „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ – dies hat schon Hermann Hesse festgestellt. Und dies kann man ohne Zweifel unterschreiben.
Auch wenn Schnee doch manchmal Probleme im Alltag verursachen kann und die normalen Abläufe verlangsamt oder sogar vollständig zum Erliegen bringt, so sorgt er für eine gewisse Ruhe, für Gelassenheit und für eine Abkehr von der Hektik. Auch Erwachsene denken sofort an ihre Kindertage zurück, als man die ersten Flocken gar nicht erwarten konnte.
Reden wir nicht mehr so viel um den heißen Brei herum. Wann kommt er denn, der erste Schnee? Wie immer kann man dies für das Jahr 2025 beim Verfassen dieser Zeilen noch nicht vorhersagen, doch wir können nun einmal in die Statistik schauen, welche im Sauerland immerhin rund 100 Jahre zurückreicht; zumindest die Daten der bekanntesten Wetterstation am Kahlen Asten – doch es gibt noch mehr. So gab es vor der Installation auf dem Vater der Sauerländer Berge bereits seit 1887 eine Wetterstation im Höhendorf Altastenberg, welche im Garten des Dorflehrers Gehrke installiert war. Und hebt man etwas den Blick über die Höhenlagen hinaus, so gab es bereits 1880 eine Station in Arnsberg.
Doch was sagen diese Daten nun? Zunächst einmal, dass früher Schnee selbst auf dem Kahlen Asten seltener wird. In den vergangenen 20 Jahren hat es nur in drei Oktobermonaten Schnee gegeben, zuletzt lag am Morgen des 31. Oktobers 2018 eine Schneedecke von 1 cm im Messfeld. 2012 waren die letzten Oktobertage winterlich, und immer wieder gab es eine dünne Schneedecke. Allerdings ist dies nicht zu vergleichen mit dem Oktober 1974, welcher der kühlste seit mindestens 100 Jahren gewesen ist. Zum Ende des Monats türmte sich die Schneedecke auf 31 cm, und am Winterberger Herrloh wurden die ersten Skikurse abgehalten.
Die früheste Schneedecke zum Messtermin am Morgen gegen 8 Uhr gab es am 5. Oktober 1994. Schnee „in der Luft“ kann in den Hochlagen des Sauerlandes auch noch deutlich früher vorkommen. Ich selbst konnte im Jahr 2014 bereits am 22. September bei nur 3 Grad die ersten Flocken in der Luft beobachten. Bis zum Liegenbleiben des Schnees war es an diesem Tag aber noch ein ganzes Stück hin.
Bevor jetzt allerdings schon im September alle enttäuscht an den Fenstern kleben: Im Durchschnitt braucht es selbst in 800 m Höhe bis etwa zum 10. November für den ersten Gruß des Winters – rein statistisch!
Text: Julian Pape
Fotos: Rita Maurer, Julian Pape