DEM HIMMEL SO NAH
STERNSCHNUPPEN UND HIMMELSKÖRPER LEUCHTEN IN SUNDERN-MEINKENBRACHT BESONDERS HELL. DAS STERNENDORF IM SAUERLAND LIEGT IDYLLISCH AUF EINEM HOCHPLATEAU UND IST BEI TAG UND NACHT EINEN BESUCH WERT.
Zwei große Holzbänke stehen auf dem Spielplatz in Sundern-Meinkenbracht. Nichts Ungewöhnliches. Doch diese Bänke lassen sich drehen und sogar nach hinten kippen. „Hier liegen wir abends gerne und schauen in die Sterne“, erzählen Angelika und Udo Gliesche, beide 56 Jahre alt. „Im Sommer haben wir in einer Nacht mal Sternschnuppen beobachtet und bei 45 aufgehört zu zählen“, schwärmt die Hobby-Astronomin.
„SAUBERE“ LUFT
Dass die Sterne in dem 200 Einwohner zählenden Ort im Hochsauerlandkreis so hell leuchten, hat einen Grund: „Wir haben hier wenig Lichtverschmutzung“, sagt Udo Gliesche. Es gibt nur wenige Häuser, keine Leuchtreklame, keine Industrie und auch keine größeren Städte in der Nähe, die hell leuchten. „Urlauber hatten uns auf dieses Phänomen hingewiesen“, erinnert sich Angelika Gliesche. Das ist rund zehn Jahre her. In einer Bürgerversammlung sprachen die Meinkenbrachter seinerzeit über diese Beobachtung. Sie entschieden deshalb im Jahr 2016, „ihren“ Sternenhimmel auch anderen Interessierten näher zu bringen. Die Idee eines Sternendorfes war geboren. Viele Bewohner aus dem Dorf packten mit an, so auch Angelika Gliesche. Bei ihrem Mann kam die Begeisterung für die Sterne erst später. Es entstand unter anderem ein Sternenweg. Dafür wurden Ideen gesammelt und in kleinen Projektgruppen umgesetzt. Einige Bewohner waren für die Finanzen zuständig. Meinkenbracht bekam aus dem EU-Färderprogramm für ländliche Räume 11.600 € für das Projekt. Eine weitere Gruppe kümmerte sich um die Gestaltung und das Aufstellen der Schilder. Wieder andere Dorfbewohner widmeten sich der Internetseite und einem Flyer.
BESUCH VON DER STERNENWARTE
Der innerhalb von zwei Jahren entstandene Sternenweg ist 3,6 km lang und weitestgehend barrierefrei. An zwölf Stellen stehen jeweils zwei Tafeln, die ein Sternbild beschreiben. Symbole verdeutlichen, zu welcher Jahreszeit das Sternbild am besten zu sehen ist, und wie gut es dann zu erkennen ist. Finden lässt sich die jeweilige Sternenkonstellation mit einer einfachen Handtechnik, die auf den Schildern erklärt ist. Ein kleines Männchen auf den Tafeln erklärt Kindern beispielsweise, wie sie ohne Kompass Norden finden, oder warum Sterne nicht immer gelb, sondern auch in anderen Farben leuchten wie bläulich oder rötlich. „Am besten geht man den Weg erst bei Tageslicht, um die Informationen zu lesen. Und abends kann man dann von den Liegebänken aus die Sternbilder anschauen“, rät Angelika Gliesche. Wichtige Voraussetzung für abends: Der Himmel muss klar sein. Den Start und das Ziel des Rundwegs teilt sich der Sternenweg mit dem Planetenweg. Hier werden auf 5,6 km L.nge alle Himmelskörper als Modelle im Ma.stab 1 : 2 000.000 000 dargestellt, ebenso wie deren Entfernung zueinander. Auch hier erhalten Spaziergänger interessante Informationen rund um das Sonnensystem. Immer mal wieder nehmen Astronomen Kontakt mit den Ansprechpartnern des Sternendorfs auf, um von Meinkenbracht aus in den Abendhimmel zu schauen. Vor ein paar Wochen waren es beispielsweise Sternengucker von der Sternwarte in Soest im Sauerland. Dabei durften auch die Bewohner einen Blick durch die Teleskope werfen.


EIN TELESKOP FÜRS DORF
„Es ist schon beeindruckend, wenn man die Krater auf dem Mond, die Saturnringe oder die Monde des Jupiter erkennen kann“, sagt Udo Gliesche, der anfangs noch wenig Interesse an den Sternen hatte. Erst, nachdem das Dorf sich ein Teleskop angeschafft hatte, wuchs seine Begeisterung für den Sternenhimmel. „Wir haben uns daraufhin das gleiche Teleskop gebraucht zugelegt und fahren nun regelmäßig abends zum Sternenweg“, erzählt er. Dort seien die Sterne noch besser zu sehen als vom eigenen Garten aus. Dass Sundern-Meinkenbracht ein Eldorado für Hobby- Astronomen ist, hat sich inzwischen herumgesprochen. Alleine ist deshalb kein Spaziergänger. „Bei klarer Sicht trifft man abends oder auch nachts eigentlich immer Leute, die die Sterne beobachten“, verrät Angelika Gliesche.
Text: Mareike Dorda