DAS MITTELGEBIRGE ALS „KLIMA-GUNSTRÄUME“ DER ZUKUNFT
Von Julian Pape
Wenn man das Wetter und Klima einer Region beschreibt, so wird dies selten in einen absoluten Zusammenhang gebracht. Vielmehr wird es verglichen mit benachbarten Orten und Landstrichen. Konkret: Im Sauerland ist es kälter als in …, Winterberg ist regenreicher als …, und bei uns ist es viel windiger als bei euch.
Dabei kommt das Sauerland als Bergregion gerade hinsichtlich des Sommerwetters recht schlecht weg. Es ist kühler als im Flachland, die Sonne scheint weniger, es regnet häufiger.
Die entscheidende Frage ist, ob diese Wetternachteile in Zukunft möglicherweise zu Vorteilen werden? Werden wir uns darüber freuen, dass es bei uns kühler ist, und glücklich darüber sein, dass die Sonne eben nicht so unerbittlich scheint wie anderswo? Werden wir jeden Regentropfen im Sommer bejubeln und für jeden Windhauch dankbar sein?
Schaut man in die Gründungszeiten unserer Orte im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit zurück, so findet man zahlreiche Belege, dass in den Hochlagen eines Mittelgebirges über Jahrhunderte nicht gesiedelt wurde. Die Höhendörfer am Kahlen Asten wurden erst im frühen 18. Jahrhundert gegründet, nur Altastenberg ist etwas älter. Grund war meist die unwirtliche Landschaft und die Schwierigkeiten des landwirtschaftlichen Lebens. Oft gab es bis weit ins Frühjahr hinein Frost und Schnee, während die tieferen Regionen deutlich mildere Bedingungen erlebten.
Diese sogenannte Gunstlage hat sich zumindest in Wetter und Klimafragen mittlerweile geändert. Die ersten heißen Sommer, in denen man aus Städten ins kühlere Bergland „floh“, gab es bereits. So waren Tage mit mehr als 40 Grad Lufttemperatur im Rheinland in unseren Hochlagen bei 32 bis 35 Grad zwar auch nicht erfrischend, doch zumindest besser auszuhalten. Und auch in sehr trockenen Sommern sind unsere Bergkämme die Stellen, an denen sich zuerst Regenschauer oder Gewitter bilden.
Sollte also der Klimawandel in der Form fortschreiten, wird sich die Landflucht der vergangenen Jahrzehnte wohl bald in eine Stadtflucht umkehren.
Fotos: Rita Maurer