DAS LEBEN WILL ERZÄHLT WERDEN
TAGESPFLEGE IN DER REGION AN BESONDEREN ORTEN
Von Matthias Schäfer
Sandra Than hat viele Arbeitsplätze. Denn sie ist die Leitung der sieben Tagespflegen beim Caritasverband Arnsberg/Sundern: Zwischen den Standorten, von der Pauluskirche, der früheren evangelischen Pfarrkirche in Neheim, bis zur alten Sebastianschule in Endorf, ist sie fast täglich unterwegs, um mit den Tagesgästen und natürlich auch den Mitarbeitenden zu sprechen, sich um ihre Sorgen, Anliegen und manchmal auch um ihre Nöte zu kümmern.

„Wir sprechen anstatt von Tagespflege immer von gemeinsam statt einsam“, spricht Sandra Than die nach Auffassung ihres Teams verständlichere Umschreibung der Kernaufgaben in den sieben Einrichtungen an. Um Pflege im volksläufigen Sinn gehe es dabei nicht, eher um eine Aktivierung der Gäste. Dazu gehört auch die Beratung der Familienangehörigen der Gäste: „Wir kennen den Gast ja gut und können Tipps und Ratschläge für daheim geben.“ Zusätzliche Wege gebe es nicht, da vor Ort beraten würde.
GEMEINSAM STATT EINSAM
Eine Besonderheit der Caritas-Tagespflege in Arnsberg und Sundern sind die besonderen Gebäude: So empfängt man in Endorf die Gäste in der ehemaligen Sebastianschule, in Voßwinkel in der ursprünglichen Kneipe „Zum Hafen“ und in Neheim und Langscheid in den ehemaligen evangelischen Kirchen. „Dass sich an diesen besonderen Orten eine Tagespflege angesiedelt hat, hat mit den Verkäufern der Objekte zu tun“, sieht Sandra Than. Die hätten in den Optionen zu einer Folgenutzung zum Teil eine soziale Nutzung festgeschrieben. So gebe es in Endorf im Obergeschoss zusätzlich noch seniorengerechte Wohnungen. Und auch, dass in einem Objekt zwei am Markt konkurrierende Unternehmen möglich seien, zeige das Beispiel Pauluskirche in der Graf-Gottfried-Straße in Neheim: „Dort sind Provita und wir tätig“, erklärt Sandra Than, die die Bereichsleitung Tagespflege beim Caritasverband seit April 2024 innehat.
„Bei uns steht die psychosoziale Unterstützung der Gäste im Vordergrund.“ Sandra Than, Bereichsleitung Tagespflege
In den sieben Einrichtungen arbeiten je nach Größe sechs bis zehn Personen: „Wir beschäftigen examinierte Fachkräfte wie Krankenschwestern oder Altenpfleger, aber auch Betreuungsassistenten.“ Und dann verrät Sandra Than etwas für Außenstehende Überraschendes: „Dazu stellen wir gern Frauen ein, die zuvor als Frisörin oder Verkäuferin gearbeitet haben. Sie gehen ohne Hemmschwelle auf alle Menschen zu und sprechen mit ihnen. Das haben sie in ihrem alten Beruf so gelernt. Für uns optimal.“ Insgesamt sind aktuell 65 Personen im Bereich Tagespflege beim Caritasverband Arnsberg/ Sundern beschäftigt, daneben gibt es in Arnsberg und Sundern noch Provita und Leben plus als Anbieter. Darüber hinaus sind noch einige andere Firmen auf dem Markt, die mit unterschiedlichsten Modellen verschiedenste Leistungen von der reinen Begleitung bis zur Haushaltshilfe anbieten.



TAGESSTRUKTUR GANZ WICHTIG
„Wir sind ein Kommunikationsort, der gegen die Vereinsamung daheim wirkt.“ Christiane Hegener, stellvertretende Leitung in der alten Sebastianschule Endorf
Und worin bestehen die Vorteile der Tagespflege? „Da steht an erster Stelle gemeinsames Erleben“, sagt Sandra Than. Christiane Hegener, stellvertretende Leitung in Endorf, ergänzt: „Wir sind ein Kommunikationsort, der gegen die Vereinsamung daheim wirkt. Ich sage immer: Das Leben will erzählt werden. Und das geht hier.“ Sie erinnert sich auch an Gespräche, die oft lang nicht gesehene Mitschüler wieder zusammengebracht hätten. Weitere Vorteile sieht Emilia Delfosse, Leiterin in Langscheid, in der täglich gleichen Tagesstruktur, und das viermal in der Woche: „Am Montag merken wir, was am Wochenende daheim nicht erfolgt ist“, zeigte sie einen wichtigen Fakt auf. Nach dem Frühstück folgt im Tagesablauf immer eine Zeitungsrunde: „Allerdings werden Kriege, wegen der vielen Erinnerungen der Gäste, ausgespart“, erklärt Sandra Than. Es folgen Betreuungs und Beschäftigungsangebote und Aktivierungen der unterschiedlichsten Art. Im Karneval besuchen die Arnsberger Gäste etwa den Karneval der Generationen. Wichtig, so heben die Fachkräfte hervor, sei immer die Biografie-Arbeit: „Die hilft oft, in den Teamsitzungen zu entschlüsseln, was da passiert ist oder um wen oder was es geht.“ Positiv wirke sich auch der Besuch eines Partners in der Tagespflege für ein Ehepaar aus: „Wir holen beide aus der Einsamkeit, denn jetzt gibt es auch wieder etwas daheim zu berichten“, ergänzt Emilia Delfosse. Ein weiterer Aspekt, so berichtet Christiane Hegener, sei die Hilfe zur Selbsthilfe: „ Jeder kann mit dem, was er noch kann, dem anderen helfen. Das führt dann zu einer positiven Resonanz.
Sandra Than
• Die heutige Abteilungsleitung ist ausgebildete Krankenschwester. Nach Stationen im Marien-Hospital Arnsberg und Bad Lippspringe ging sie nach Stuttgart, nach der Rückkehr ins Sauerland arbeitete sie elf Jahre in der neurologischen Abteilung im Neheimer St.- Johannes-Hospital, dort habe sie viel für die heutige Arbeit gelernt.
• 2014 wechselte sie zu Provita nach Ense und später nach Neheim.
• 2021 folgte der Wechsel zur Caritas, ab 2022 war Sandra Than dann Leitung in der Pauluskirche und ab Oktober 2025 übernahm sie die komplette Bereichsleitung. Generell sieht sie die Tagespflege als sanften Einstieg in die Pflege.
• Neben den sieben Standorten hat Sandra Than noch ein Büro im Caritas-Komplex in Arnsberg und im Homeoffice.
Fotos: Ralf Litera