LEHMIGER BODEN, REICHLICH NIEDERSCHLÄGE, TÜCKISCHER SPÄTFROST: UNTER DIESEN BEDINGUNGEN GÄRTNERN LANDFRAUEN IM SAUERLAND. WELCHE ZIERPFLANZEN DAMIT ZURECHTKOMMEN, ERFUHREN SIE IN EINER BAUMSCHULE IN MESCHEDE.
Die beste Pflanzzeit beginnt gerade erst. Das machen Hans Kewel und Timo Albers den Sauerländer Landfrauen klar. Die beiden Gärtnermeister führen die große Besuchergruppe durch die Pflanzenquartiere der Baumschule Kewel in Meschede-Wennemen. Noch stehen überwiegend getopfte Sträucher und Bäume auf den Flächen. Sie können fast ganzjährig gepflanzt werden. Hinzu kommen im Laufe des Herbstes die frisch gerodeten Gehölze von den Feldern. Sie werden in der kühlen Jahreszeit gepflanzt. Dann sind die Bodenverhältnisse in puncto Temperatur und Feuchte optimal. Der Kreislandfrauenverband aus dem Hochsauerland hatte im Herbst des Vorjahres zu dem Ortstermin in der Baumschule eingeladen und damit einen Nerv getroffen. Die zweistündige Führung klärt manchen Irrtum auf. Eine Auswahl der Fragen, die die Experten beantworteten, veröffentlichen wir hier.
WELCHE SPÄT IM JAHR BLÜHENDEN STRÄUCHER BIETEN POLLEN UND NEKTAR FÜR INSEKTEN?
Wir empfehlen beispielsweise die Bartblume (Carypoteris clandonensis). Das ist ein Halbstrauch, der ähnlich wie Lavendel ein holziges Astgerüst bildet und jedes Jahr reichlich frische Triebe hervorbringt. Die Bartblume beginnt erst im August bis September zu blühen. Ihre Lippenblüten sind für Wildbienen sehr attraktiv. Obwohl sie aus Ostasien stammt, sind ihr Nektar und ihre Pollen für viele unserer Insekten wertvoll. Die Bartblume wird maximal 1 m hoch und breit, blüht blau und braucht jedes Jahr nach dem Winter einen kräftigen Rückschnitt. Gute Sorten sind beispielsweise ‘Grand Bleu’ und ‘Heavenly Blue’.
ICH HABE EINFACH KEI GLÜCK MIT BAUERN-HORTENSIEN. UNSER BODEN IST ZU SCHWER. WELCHE HORTENSIEN KANN ICH ALTERNATIV PFLANZEN?
Fürs Sauerland raten wir zu Rispenhortensien (Hydrangea paniculata). Sie kommen auch mit lehmigem Boden zurecht, während die Bauernhortensie (Hydrangea macrophylla) eher sandigen, leicht sauren Boden bevorzugt. Fast noch wichtiger für uns im Sauerland: Rispenhortensien verlieren durch Spätfrost nicht alle Blüten – anders als Bauernhortensien. Denn die Rispenhortensien bilden ihre Blüten knospen am neuen Holz. Ein Spätfrost vernichtet nur einen Teil der Triebe und Knospen. Die Pflanzen treiben danach neu aus und blühen zuverlässig. Dagegen sind bei den Bauernhortensien jetzt schon die Blütenknospen fürs nächste Jahr angelegt. Eine empfehlenswerte Sorte der Rispenhortensie ist beispielsweise „Pinky Winky’ mit aufrechten, weißen bis dunkelrosa Blüten. Die Sorte ‘Lime light’ bildet grünlich-weiße Blüten, die leicht rosa abblühen. Toll ist auch die Sorte ‘Magical Flame’, die neben rosa Blüten eine gelb-rote Laubfärbung im Herbst zeigt.
WIR WOLLEN EINEN SONNIGEN BEETSTREIFEN NIEDRIG BEPFLANZEN. BLÜHENDE STRÄUCHER SIND ERWÜNSCHT. WOZU RATEN SIE?
Als flächiger, blühender Bodendecker ist die rosa blühende Zwergspiere zu empfehlen. Eine bekannte Sorte ist Spirea japonica ‘Little Princess’. Der laubabwerfende Strauch blüht von Juni bis Juli, wird etwa 30 cm hoch und verträgt einen kräftigen Schnitt. Eine größere Auswahl bei den Blühfarbenund eine längere Blütezeit von Juni bis Oktober bietet der Fingerstrauch (Potentilla fruticosa). Die Blühfarben reichen von weiß über gelb bis orange und rosa und rot. Fingersträucher werden etwas höher als Zwergspieren und kommen bis auf 50 cm. Eine tolle Sorte ist die orangefarbene ‘Red Ace’. Noch etwas höher wird das Kanadische Johanniskraut (Hypericum kalmianum). Wir sind begeistert von der Sorte ‘Gemo’. Sie bildet viele, leuchtend gelbe Blüten von Juli bis September. Daraus entwickeln sich bronzefarbene Früchte. Die Sorte verfriert auch in rauen Lagen nicht und verträgt einen bodennahen Schnitt mit der Heckenschere.
Hummeln, Wildbienen und andere Insekten finden in den blauen Blüten der Bartblume reichlich Pollen und Nektar.
WELCHE KLEINSTRÄUCHER EIGNEN SICH FÜR TÖPFE? ICH MÖCHTE DIE KÜBEL AUF UNSEREM HOF DAUERHAFT BEPFLANZEN. WAS IST ZU BEACHTEN?
Für diesen Zweck gibt es eine Reihe klein bleibender Züchtungen von beliebten Gartensträuchern. Wir raten beispielsweise zu Zwergformen vom Glockenstrauch (Weigelie) oder vom Maiblumenstrauch (Deutzie). Diese Arten halten Spätfrost aus, der typisch für unsere Region ist. Zeigen die Triebe Frostschäden, regt ein stärkerer Rückschnitt die Pflanzen zu neuem Wachstum an. Kleinsträucher bieten wir in Töpfen an. Sie brauchen ein Pflanzgefäß mit doppelt so viel Platz wie der Topf aus der Gärtnerei. Geben Sie Tonscherben als Drainage unten in den Topf und verwenden Sie hochwertige Pflanzerde aus der Gärtnerei. Das Schöne bei Weigelien ist, dass sie eine zweite Blütezeit im Spätsommer haben. Bei stärkerem Frost rücken Sie Pflanztöpfe mit den Sträuchern nah an die Hauswand oder packen Sie sie in Vlies ein, damit die Wurzelballen nicht durchfrieren. Dadurch würden die Pflanzen von der Wasserzufuhr abgeschnitten und vertrocknen. Im Frühjahr versorgen Sie die Sträucher mit einem organischen Volldünger.