AUF NOTFALL VORBEREITET SEIN
WELCHE HILFE IST IM MEDIZINISCHEN NOTFALL ZU RUFEN? WELCHE MAßNAHMEN SOLLTEN VOR ALLEM ALLEINLEBENDE VORSORGLICH TREFFEN UND WAS GEHÖRT IN DIE TASCHE, WENN ES IN DIE KLINIK GEHT? ERFAHREN SIE, WORAN DABEI ZU DENKEN IST.
Ein folgenschwerer Sturz, ein Unfall oder eine sich plötzlich verschlimmernde chronische Erkrankung– ist ein Klinikaufenthalt notwendig, muss es schnell gehen. „Für Patienten und oft auch für Angehörige ist ein Notfall Stress pur“, sagt Remigius Ratzki, Pflegeexperte am Josephs- Hospital Warendorf. Er rät daher im Vorfeld einiges zu regeln. Die meisten Unfälle passieren zu Hause. Auch gesundheitlich kritische Situationen treten oft im häuslichen Umfeld auf. Doch muss dann gleich der Rettungsdienst benachrichtigt werden?
WEN SIE IN DER NOT RUFEN
Wer mit seinen Beschwerden normalerweise eine ärztliche Praxis aufsuchen würde, ruft außerhalb der Praxisöffnungszeiten den ärztlichen Notdienst. Unter der bundesweit einheitlichen Rufnummer 116 117 kann medizinisch geschultes Personal weiterhelfen und einschätzen, was im Notfall zu tun ist. „Bei lebensbedrohlichen Situationen, Bewusstlosigkeit oder plötzlich sehr starken oder an-haltenden Schmerzen sollte der Notruf 112 gewählt werden“, sagt Remigius Ratzki. Aber auch bei schwerer Atemnot, starken Herzbeschwerden, Vergiftungen, akuten und anhaltenden Krampfanfällen, starken, nicht stillbaren Blutungen, Stromunfällen, starken Verbrennungen oder Komplikationen in der Schwangerschaft ist der Rettungsdienst zu benachrichtigen. Das gelte auch für alleinlebende Menschen, die sich bei einem Sturz so verletzt haben, dass sie nicht allein aufstehen können. Pflegeexperte Ratzki rät: „Um in solchen Fällen das Handy bzw. Telefon griffbereit liegen zu haben, legen Sie die Geräte vorsorglich auf einem Stuhl oder Sessel ab, der vom Boden aus erreichbar ist.“
NÜTZLICH: DER HAUSNOTRUF
Bewährt haben sich Hausnotrufsysteme. Sie werden etwa von Hilfsorganisationen wie Malteser, Johanniter oder DRK angeboten. Je nach Anbieter bzw. System lässt sich über Knopfdruck eines Handsenders oder über eine Freisprechanlage die Hausnotrufzentrale alarmieren. Dort kann hinterlegt werden, wer im Notfall benachrichtigt werden soll, und auch, wo ein Zweitschlüssel der Haus bzw. Wohnungstür zu finden ist. „Ansonsten müsste erst die Feuerwehr die verschlossene Tür aufbrechen. Dabei geht viel Zeit verloren“, erklärt Remigius Ratzki. Auch Notrufuhren können über Knopfdruck zuverlässig Hilfe rufen.
SINNVOLL: SOS-NOTFALLBOX
Kommt der Rettungsdienst ins Haus, kann sich die Aufbewahrung einer SOS-Notfallbox im Kühlschrank als nützlich erweisen. Ein Aufkleber mit weißer Schrift an Wohnungstür und Kühlschrank leiten den Notdienst zur SOS-Dose. Diese sollte wichtige und aktuelle Informationen enthalten, wie etwa Infos zu Ihrer Person mit aktuellem Foto, zu Kontaktdaten des Hausarztes und Angehöriger, zu Erkrankungen, zu einer Patientenverfügung und zu Medikamenten, möglichst mit Angabe, wo diese lagern. „Wichtig ist auch der Hinweis, ob andere Menschen oder Tiere versorgt werden müssen“, informiert Remigius Ratzki. Erhältlich ist eine solche Notfallbox in der Apotheke oder im Internet. Manche Organisationen geben sie auch kostenfrei ab.
Alternativ kann eine „SOS-ID-Armbandschlaufe“ hilfreich sein, die einen digitalen Notfallpass enthält. Die Silikonschlaufe mit Chip hat auf ihrer Rückseite eine individuelle ID-Nummer mit QR-Code aufgedruckt. Die Schlaufe lässt sich an einem gängigen Uhrenarmband anbringen, aber auch für unterwegs an der Schlaufe eines Fahrradhelmes oder am Schnürsenkel.
DIE TASCHE FÜR DIE KLINIK
Geht es notfallmäßig ins Krankenhaus, steht am besten bereits eine gepackte Tasche mit allen wichtigen Dingen für den Klinikaufenthalt griffbereit (siehe „Checkliste Notfalltasche“). Die Tasche sollte auch eine Liste enthalten, die alle Utensilien aufführt, die bereits gepackt sind und die noch notwendig sein können wie Hörgerät,Handy und Ladekabel, rät Ratzki. Sinnvoll ist auch eine Dokumentenmappe mit wichtigen aktuellen Adressen und Informationen, so der Pflegeexperte.
DOKU-MAPPE
Die Mappe mit wichtigen Dokumenten sollte Beinhalten:
Eine kurze übersichtliche Aufstellung mit aktuellen Angaben zur eigenen Person wie Name, Adresse, Telefonnummer sowie die Kontaktdaten der Hausarztpraxis, von Fachärzten, dem Pflegedienst. Wichtig sind auch aktuelle Kontaktdaten von Angehörigen, die man selbst informieren möchte bzw. die angerufen werden dürfen, wenn man dazu nicht in der Lage ist.
Außerdem sollte das Formblatt stichwortartig aufführen, welche Dokumente in der Mappe enthalten sind:
- Kopie des aktuellen Medikamentenplans,
- Kopien von Vorbefunden,
- Eventuell: Insulinplan, Allergieausweis, Marcumar-Ausweis, Herzschrittmacherausweis usw.,
- Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht im Original und Kopie, Betreuungsvollmacht,
- Falls vorhanden: Pflegeplan, Biografiebogen.
CHECKLISTE FÜR DEN INHALT DER NOTFALLTASCHE
Für den ersten Tag in der Klinik sollten Sie folgendes einpacken:
- Zwei Nachthemden bzw. Schlafanzüge
- Unterwäsche
- warme Stoppersocken
- bequeme und rutschfeste Hausschuhe
- Jogginganzug
- Kleidung für den Tag der Entlassung
- Hygieneartikel wie Vorlagen, Tampons, Taschentücher usw.
- Kulturbeutel mit Duschgel bzw. Seife, Kamm/Haarbürste, Shampoo, Zahnbürste, Zahnpasta, eventuell Zahnprothesenbecher, Haftcreme, Prothesentabs, einfachen Elektrorasierapparat, Deo, Körperlotion, Kosmetik
- Mindestens zwei Handtücher und zwei Waschlappen
- Hilfsmittel wie Brille, Lesebrille, Hörgerät, Kompressionsstrümpfe, eventuell auch Gehhilfe
- Buch, Zeitschrift, Rätselheft, Tablet, E-Reader
- Handy und Ladekabel
- Geldbetrag von rund 30 € in kleiner Währung
- Bei Bedarf eigene Decke, eigenes Kissen, Fotos
- Krankenversichertenkarte und Dokumentenmappe
- Checkliste mit Angaben über Inhalt der Tasche.

Text und Fotos: Gerlinde Lütke Hockenbeck