AM WEIHNACHTSBAUME DIE LICHTER BRENNEN
In Medelon steht einer der größten Christbäume weit und breit.
Dortmund, Medelon, Frankfurt, München. So müsste die Reihenfolge in Deutschland sein, was die Höhen von Weihnachtsbäumen angeht. Zumindest nach einer nicht ganz repräsentativen und vor allem ernstzunehmenden Recherche. Und im Grunde hat Medelon komplett die Nase vorn, denn hier wird noch ein echter Baum von Hand geschmückt – im Gegensatz zu den Dortmundern, die ein 45 Meter hohes Gebilde aus 1.700 einzelnen Fichten zusammenstecken.
Der stolze Medeloner Weihnachtsbaum bringt es auf mindestens 25 Meter – und das mit deutlicher Tendenz nach oben, denn er wächst Jahr für Jahr kräftig weiter.
Seit fast 20 Jahren wird er von Siegbert Wittmar, Detlev Feldmann, Berthold Lefarth, Burkhard Niggemann, Dietmar Niggemann, Rudolf Arenz, Bernd Brieden, Bernhard Johanning und Gerhard Ritter mit vereinten Kräften geschmückt. Zur Verstärkung packen mittlerweile auch Dominik Krull, Jonas Kreutzmann und Marlon Johanning fest mit an, wenn es Mitte November wieder los geht.



START MIT EINER VERJÄHRTEN STRAFTAT
Am Anfang der jetzigen Weihnachtsbaumgeschichte steht eine inzwischen hoffentlich verjährte Straftat: Einige Medeloner, die anonym bleiben möchten, sich der HEIMATLIEBE gegenüber jedoch in aufrichtiger Reue zu ihrem Tun bekannt haben, sägten Anfang der 2000er Jahre in einer Nacht- und Nebelaktion den damals gerade erst frisch aufgestellten Weihnachtsbaum im Dorf kurzerhand um. Nachvollziehbarer Grund: „Der war so hässlich, das war echt nicht zum Aushalten!“
Danach blieb es zwei Jahre lang dunkel in der Medeloner Adventszeit. Nach dem Volkstrauertags-Marsch 2006 und dem anschließenden geistvollen Aufwärmen entstand zu fortgeschrittener Stunde die Idee, sich um eine neue Weihnachtsbaumbeleuchtung zu kümmern. Es sollten nicht mehr wie bisher geschlagene Tannenbäume sein, sondern noch stehende. Die Wahl fiel direkt auf die hünenhafte Douglasie direkt an der Hauptstraße am Abzweig in Richtung Dreislar.
Jung gebliebene Medeloner können sich gut daran erinnern, dass sie als Kinder um den damals noch übersichtlich großen Baum herumgeturnt sind. Mindestens 70 Jahre ist er nun vermutlich alt und hat inzwischen einen stattlichen Stammumfang von rund vier Metern erreicht.
Mit großem Aufwand wird er seitdem jedes Jahr von seinen „Weihnachtsbaum-Männern“ illuminiert. Schon ein bis zwei Wochen vor der Adventszeit wird die lange Lichterkette angebracht, um bei eventuellen Problemen noch Zeit zum Lösen zu haben.
Nach dem strategischen Zurechtlegen der 180 Meter langen Lichterkette werden zwei Helfer mit einem großen Kranwagen auf und ab gefahren, bis die Lichter unter den strengen Augen von „Tannenbaum – Bürgermeister“
Burkhard Niggemann, der das Anbringen in luftiger Höhe mit Argusaugen überwacht, perfekt in den Zweigen verteilt sind. Oft kommt von Außenstehenden die Frage auf, warum die Kette längs und nicht rundherum gehängt wird. Die Antwort ist so pragmatisch wie die Schmück-Truppe: Dafür ist der Baum schlicht zu groß, er ließe sich mit der vorhandenen Ausstattung nicht umkreisen, zumal er noch direkt an der vorbeifließenden Orke steht und daher nicht von allen Seiten angefahren werden kann.
KLIMASCHUTZPREIS FÜR UMSTELLUNG AUF LED
Seit 2016 strahlt der Baum nicht mehr im Glanz von Glühbirnen, sondern ist auf LED-Lampen umgestellt worden. Gute 1.000 Euro an Stromkosten fraß die alte Lichterkette jedes Jahr, dazu kamen rund 150 Euro für neue Glühbirnen, für die jährlich Spenden gesammelt werden mussten. Mit 333 LED-Birnen hat die neue Kette nun sogar noch rund 100 Leuchtkörper mehr als die alte. Dabei verbraucht sie gerade mal 70 Euro an Strom pro Saison. Für diese nachhaltige Einstellung haben die Medeloner vor zwei Jahren einen Klimaschutzpreis der Stadt Medebach erhalten.
Nach der neuen Lichterkette investierten die Weihnachtsbaum-Männer in ein weiteres optisches Highlight: Mittlerweile ziert den Baum ein riesiger Stern auf der Spitze, was ihn noch imposanter und sehenswerter macht.


Normalerweise leuchtet das markante und von weithin sichtbare Medeloner Wahrzeichen vom ersten Advent bis Mari. Lichtmess Anfang Februar. Im Jahr 2010 war der Winter jedoch so lang und schneereich, dass der Kranwagen aus Sicherheitsgründen wochenlang nicht aufgestellt werden konnte, um die Lichterketten wieder abzunehmen. Einige Scherzbolde machten somit nach dem Osterfeuerbau den Stromanschluss ausfindig, so dass es auch in der Osternacht einen funkelnden Weihnachtsbaum im Dorf gab.
Als vor einigen Jahren ein Artikel in der Westfalenpost über die Größe des Medeloner Baums erschien, meldete sich die Niedersfelder Baumtruppe mit dem Einwand, ihr Baum neben der Schützenhalle sei höher. Die Westfalenpost scheute damals keine Kosten, Mühen und Höhen(ängste), um die tatsächlichen Größen zu ermitteln. Und siehe da: Der Medeloner Baum war tatsächlich noch drei Meter höher. Der danach angeschaffte Stern auf der Spitze sorgt dafür, dass der stattliche Baum sicherlich in absehbarer Zeit die 30-Meter-Marke kratzen wird.
Und auch in ferner Zukunft ist der lebendige Weihnachtsbaum in Medelon garantiert: Einige Schritte neben dem jetzigen Baum gedeiht bereits für alle Fälle der Nachwuchs. Damit Dortmund, Frankfurt & Co. weiterhin starke Konkurrenz bekommen!
Text: Rita Maurer